Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1862)
- Date
- 1862-07-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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242 Der .nauptunterschied. welcher die verschiedenen Parieirichtungen unter un'ern Glaubensgenossen der Jetztzeit begründet, besteht wohl darin, daß die Einen völlig aufzugehen wünschen in die Nationen, ,in deren Mitte sie leben, während die Andern, wiewohl mindestens ebenso treue Unterthanen und Staatsbürger, an dem Gedanken an die erhabene Zukunft Israels festhalterr. ImNivelliren, imMederreißen der Schranken besteht die charakteristische Eigenthümlichkoit der Gegenwart. Die großen Verkehrswege, welche eröffnet sind, befördern nicht wenig das Aufheben aller Unterschiede, das Wegfallen aller Besonderheiten. Israel war aber von jeher ein Besonderes unter den Völkern.. Nicht waS bei andern Völkern die Besonderheiten ausmacht, Sprache, Sitte, Kleidung, Gewohnheiten, trennt Israel io streng und fest von seinen Mitmenschen, sondern das Gesetz unseres Gottes — das Gesetz unseres Gottes, welches die Ehe verbietet zwischen Juden und Nichtjuden, welches dem Juden nicht gestattet Speise und Trank zu genießen. die von Nichtjuden bereitet sind, welches einen Tag der Woche ausgehoben, an dem der Geschäftsverkehr unmöglich wird, welches sogar die Kleidung, mag sie auch in der Form vollkommen gleich sein derjenigen unserer Mitmenschen, im Stoffe und in der Bearbeitung mit besondern Vorschriften belegt — das Gesetz unseres Gottes ist es, welches eine unübersteigliche Schranke zieht zwischen Juden und Nichtjuden. Will man diese Schranke einreißen, so muß man das Gesetz unseres Gottes einreißen, ein Drittes ist nicht möglich. Man mißverstehe unS nicht; wir wollen durchaus nicht behaupten, daß die Juden einen Staat im Staate zu bilden gezwungen seien und daß ihnen die Erfüllung der Pflichten gegen ihre Mitbürger in weitester Ausdehnung nicht möglich sei; nicht doch, der Jude kann der treueste Bürger, der gesinnungstüchtigste Unterthan, der freundlichste und gefälligste Nachbar, der aufopferndste und hingehendste Patriot sein innerhalb der Schranke, die Gott um ihn gezogen hat. Die Andern nun, welche der Aufgabe leben, die Schranken, die uns von unfern Mitmenschen trennen, hinwegzuräumen, befinden sich in Uebereinstimmung mit den allgemeinen Bestrebungen der Zeit. Sie können daher das Meiste, was geschieht, billigen, loben, können sich freuen über die bestehenden und erwachsenden Zustande — eS geschieht ja Alles in ihrem Sinne, lins aber und unfern Gesinnungsgenoffen ist ein anderes LooS gefallen; nicht die schwankenden Zeitströmungen, sondern der ewige Geist der Gotteslehre ist es. in dessen Sinne zu handeln, zu reden wir uns bemühen. Daher muffen wir oft warnend, mahnend, strafend unsere Stimme erheben: daher werden wir Bielen gar oft unbequem sein. Doch was liegt daran? Sind wir uns nur bewußt, das Höchste zu erstreben und im Sinne der ewig Guten und Wahren zu handeln, so setzen wir unS gern aus dem Unwillen der GleichMizen. dem Hohne der Spötter, den Verfolgungen der Bösen, und werden nicht weichen von dem Grundsätze der heiligen Sängers 22-p.ix i'22:p.i2, xivx'i 1x102 die gegen Dich zum Haffe verleiten, 0 Gott, Haffe auch ich, und verabscheue diejenigen, welche sich ausmachen. wider Dich (Psalm 139 v. 2 t.) Die geistige Bevorzugung des Menschen bekundet sich in der Rede; der Zweck der Rede ist der Gedankenaustausch zum Behufs des Lebens und Verkehrs, des Lernens und Wissens. Der Zweck deS Lebens aber ist die Erreichung des Guten, der Vollkommenheit, der Vorbereitung für die künftige Gelt. Daher ist der Endzweck aller Reden, diejenige Rede, welche dem Endzweck des Lebens entspricht: .1.1212 '121 Worre der Unterweisung, Worte der Mahnung. Drift auch der Sinn des Midrasch im Siohre znm Anfang des V. B. M xbi ..ivo 121 ivrr v'121.1 .ivn .1112.1 bo 121 xb.11 12-2 v'121 ibx xbx .102 -»21 '121 21,12V» '121 /'.IV 12^2 MX '131 .ibw. Fünf Stellen zählt hier der Midrasch auf, in welcher der Ausdruck: »Dies sind die Worte" vorkömmt und fragt daun verwundert: hat Moscheh, hat AmoS, hat Jirmijahn, hat David, hat Salomo nur diese Worte gesprochen? und erklärt dann diese Schwierigkeit dadurch, daß hier der Kern aller Worte, 212212 '121, bezeichnet wird. Jede der angeführte» Stellen bezeichnet eine andere Art der Mchnnng; es sind deren fünf, von denen die erste die historische, die »weite die vergleichende, die dritte die strafende, die vierte die empirische, die fünfte die wissenschaftliche (philosophische, apriorische) ist. I. Der Anfang des V. B. M., dawir zu lese« beginnen, zeigt unS unfern großen Lehrer Moscheh an der Spitze seines Volkes, Abschied nehmend von seiner Heerde, das letzte mahnende Wort an sie richtend. Gleich der erste Vers gibt uns eine UebersichL über all das, was Israel gesündigt hat, seitdem eS aus Mizrajim gezogen. 12 bpi'3mv ivbv ,;n'.i 12-3 1V-V .12 bjH'II.IV 12>2 ,12122' ,IHN 12P2 1Y-V -PS 1'2 ,rp2 2' b--P2 bl2 ,11-2 b-2-.121-2 ,12122 N1--M1DM ,12.1 bri,bs.<'i2i-i2br bsa 1'2, ,2'boia bo- NV-V-2.1I '11 ,211p. Die Hauptsünden Israels werden ihnen hier in Erinnerung gebracht: wie sie widerspenstig waren gegen Gott in der Wüste, wie sie von der Sinnlichkeit hingerissen sich zum Götzendienste verleiten ließen bei Baal Peor, wie sie ans Mangel an Vertraue» sich weigerte» durch das für sie ausgetrocknete Schilfmeer zu ziehen, wie sie von den Kundschaftern verführt mit der Rückkehr nach Egypten drohten, wie sie davon Gott ihnen ge-