Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1862)
- Date
- 1862-07-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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238 Es soll die Erfüllung unserer Vundespflichten in dieser Angelegenheit weiter, und zwar „auf unbestimmte Zeit", verschoben bleiben? Könnte und dürste der Kanton abermals das vor seiner Ehre und seiner Geschichte verantworten? Dürste er ohne Schamröthe im Gesicht noch unter den Eidgenossen in der Dundesstadt erscheinen, um an der BundeSgesetzgebung und ihrer Vollziehung Tyeil zu nehmen? —Ich frage weiter, wie stünde der Nargau da. welcher seit seiner Existenz den Ruhm der religiösen Toleranz, der vernünftigen Aufklärung, der Humanität, des unbeirrlen Fortschrittes in allen Richtungen des politischen und socialen Lebens sich unbefleckt bewahrt hat, wenn er heute, Angesichts der Thatsachen, daß die Israeliten in Bern und Genf schon lange alle politischen Berechtigungen unbekümmert geniesten; daß dieselben auch im Bruderkanton Waadt, in Neuenburg und in dem ebenso erleuchteten, als gewerblich soliden und vorsichtigen Nachbarkanton Zürich erst in den jüngsten Tagen noch ohne Schwierigkeit und Bedenken durch den Gesetzgeber in die gleichen bl ichen und gewerblichen Rechte eingesetzt wurden welche andere Schweizerbürger dort geniesten; daß Frankreich seine Jsraelircn schon im Anfänge des Jahrhunderts emanzipirte, daß selbst Rustland ihnen die bürgerlichen Rechte gab, daß England jahrelang einem Israeliten den Vorsitz in seinem Ministerium anvcrtraute, und daß im Laufe unseres Jahrhunderts ein deutscher Staat nach dem andern, zuletzt vor wenigen Tagen noch, im Nachbarland', jenseits des Rheines, die badische Kammer, trotz d. r zahlreichen Gegcnbittschriften, einstimmig als Forderung der Vernunft, der Gerechtigkeit und der Cifilisation den israelitischen Angehörigen die bürgerliche Gleichberechtigung gab; — ich frage, wie stund r der bisher geachtete Kanton Aargau da, wenn er heute Angesichts dieser Tatsachen seinen israelitischen KantonLbürgern erklärte: Ihr sollt auch ferner unsere Heloten, eine in sittlicher und socialer Verkümmerung von Staatswegen verachtete Rotte ewiger Einsasien und Tolerirten deS Kantons sein? Dürste der Äaraau die Sitbersterne ocr Freiheit, des Fortschritts und der Toleranz noch länger in seinem Wappen führen, ohne sich damit dem Gespotte der Mitwelt auszusctzen? — und ich frage endlich, wie stü rde der Aargau mit seiner Ehre und seinem eidgenössischen Namen da, wenn er zur Erfüllung der ihm gcgen seine Israeliten obliegenden Verpflichtungen von Bundeswegen ungehalten und gezwungen werden müßte? Würden wir auch dann noch, auf unseier Renitenz beharrend, den Erlaß des Gesetzes „auf unbestimmte Zeit" verschoben sein und cS auf c.ne Dundcsexekulion ankomme» lassen, oder würden wir uns am Ende gehorsam fügen, um zuletzt gedemüthigt von der Welt ausgelacht zu werden? Ich denke, wir würden uns, gern oder s ungern, im! Gefühle unseres Unrechtes sehr bald zum! Letztem entschließen müssen, wo uns dann der Bund ' vorschreiben würde, was für ein Judeneinbürgerungs-! gesetz wir zu erlassen und welche Bestimmungen wir! in dasselbe aufzunehmen und welche wcgzulaffen hätten. Aber, sagt man, dazu kommt cs nie; soweit werden unsere Miteidgcnossen der Juden wegen nicht drängen!! (Fortsetzung folgt.) OrtkoäoA-isr. Melsnstslt. Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln: Durch Rabbiner P. Singer in Palota 4 ff. ö. W. Ein Ungenannter 25 fl. Gesammtsumme 7315 fl. 27z kr. Zs« Milcher Armennnd WgertMhnunM in Jernlnltm. Joseph Friedmann, Kaufmann in Burgpreppach 5 fl.; Isidor Marx aus Mainz 1 ff.; Bertha Gerson in Wiesbaden aus ihrer Sparkasse 1 fl.; D. Weil inEichstädten (Baden) 5 fl.; Bernhard Sender in Biebrich beim Aufruf zur Thora an seinem Bar-Mizwah-Tage 1 fl. 45 kr.» Ungenannter bei derselben Gelegenheit 18 kr. Durch Distr.-Nabbiner Ncckarsulmer in Schnaittach-. bei der Hochzeit des Hrn. Burkhard in Hüttenbach 5 fl. 20 kr.; in Schnaittach von Fra» CM Lichtenstädter 2 fl. 2V kr; Joseph ELsinger 1 fl. 40 kr.; I. Saenger, Vorsänger 30 kr.; I. Bayersdorfer 40 kr.; LH. Wertheimer 30 kr.; Frau Babette Holzheimer 24 kr.; Fra» Cloni 36 kr. Zusammen 12 fl. Aus Reichend erg in Böhmen: Joachim PesseleS, Cantor in Reichenberg 1 fl. 30 .kr. ö. W.; Wilhelm Freyberg, 40 Nkr.; Leopold Kohwad 40 kr. Silber; G. Laders 40 kr. ö. W.; I. Lion 4V kr. ö. W.; T. Weiseles 40 kr.; N. Newecklof 20 kr. ö. W.; I. Pereles 30 kr. S. W.; P. Schnabel 3V kr. ö. W.; S. Strenitz 30 kr. ö. W.; Vak. Fischer 30kr.S.W.; W. Weisterberg 30kr. S.W.; Jacob Sehulhof 50 kr. ö. W.; Max Bauer 40 kr. ö. W-; David Taufsik 50 kr. ö. W.; Adolf Grün-