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Der Israelit · 1862-07-09 · Heft 28 (9.7.1862) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 28 (9.7.1862)
Date
1862-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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mischen. Ausfluß ^dieser Gefühle scheinen mir die ZustimmungSadresten zu den Eingaben von Leuggern und von Kapf zu sein. Sie haben hier nicht da- Resultat einer ruhigen und besonnenen Prüfung vor sich, sondern den Ausdruck eines Gefühles, daS nicht berufen ist, in der Frage den Entscheid abzugeben. Man hat Sympathien und Antipathien rege gemacht und die vorliegenden Eingaben sind der Ausdruck davon. Es bedarf hier nur der Aufklärung. Im Hintergründe freilich waltet eine schlimmere Gesinnung: die Intoleranz gegen Andersglaubende. Oder, was ist es anders, wenn man den Juden vorwirst, sie beten nicht mit uns. Das HM: Wir wollen den Juden nicht gleiches Recht gewähren, weil wir in religiösen Anschauungen nicht durchweg mit ihnen einig gehen. Das Voll des Aargau's lebt in Eintracht und konfessionellem Frieden. Diesen erkläre ich für gefährdet, wenn der böse Geist zur Geltung kommen soll, der sich heute gegen die Juden geltend macht. Die gleiche Engherzigkeit, die gegenüber den Juden sagt, ste sollen nicht gleich berechtigt sein, denn „siedeten nicht mit uns", führt, genährt und großgewgen, in ihrer Konsequenz dazu, daß morgen oer Katholik lagt, ich anerkenne den Protestanten nicht als gleichberechtigt, denn er betet auch nicht nnt mir, und daß aus gleichem Grund, der Protestant vergißt, daß der Katholik sein Bruder ist. Ich hoffe zur Ehre des Aargau's, daß wir über die Zeit hinaus seien, wo dieser finstere Geist den Frieden unter den Bürgern ein und desselben Landes zu untergraben vermochte und daß das Licht höherer politischer Einsicht, das vom Aargau aus einst in der Eidgenoffenschaft geleuchtet hat, nicht erloschen sei. I Aber auch aus Rücksichten der Politik möchte ich sie beschworen, die schwebende Frage zu erledigen. Man will die Judenfrage mit der BerfaffnngSaugelegenheir vermengen. Sie gehört nicht dahin, außer es wäre der Fall, daß Herr Ammann Steigmsier die Meinung hätte, die israelitische Religion gleich der katholischen und rcformirten Kirche zu garantiren, was ich doch kaum als seine Absicht voraussetzen kann. Die Judsnscage hat eine gewisse Agitation im Lande hervorgerufen. Soll sie im Fluß erhalten werden, in dis Vsrsaffungsrngelege.chsit übertragen werden, um deren ruhigen Gang und glückliche Lösung zu trüben? Nein! — Wenn Sie die Frage nicht erledigen, wird sie nicht zur Ruhe gelangen, die Agitation im Flusse bleiben. Darum betrachte ich es als e ne Forderung her Politik, die Judenfcags jetzt so zu lösen, wie es die Pflicht und Ehre ge bieten und dadurch allen jenen Wühlereien den Fa .den abzuschueideu, welches der gedeihlichen Lösung der Verfaffungsangelegenheit Md. einer ersprießlichen Hitwjckiung des Kantons verderblich werden Hunten. - Dabei halte ich aber jm Berel« mit Herr» Baldinger den beantragten Zusatz zum Gesetze fÜrräthlich. Er wird gerade jener Agitation, d,e ihre Ursache in den an und für sich ehrenwerthesten Motiven hat, Besorgnissen und Befürchtungen, welche von trüben Nebenabsichten rein sind, die Spitze, breche«. Ec wird im Lande beruhigen, ohne der Entwicklung der Juden eia Hindernis zn seliu, ' ,., -! Ich stimme gegen die Verschiebung und M. Menahme des Gesetzes . Herr Gemeindeammann St ei g m el er ist der Ansicht, daß die zweite Berathuna dazu bestimmt sch Für oder Gsgs» zu reden. Ec beklagt sich/.daß die Herren Redner ihn immer so scharf a nehen, gerade als ob Schleuniger durch seiie Person hier vertreten fei. Herr Steigmeier erklärt, daß er durchaus nicht gegen die Emanzipation der Juden sch nuk"woll; er das Eigenthum geschützt wissen; als. dreißigjähriger Gemeindeöeamted könne cr äüS Erfahrung reden und Beispiele anführen. ES sei zu befürchten, daß die Neichen auswandern, die Armen blechen,.wa dann Steuern hernehmen? . . Herr Linde mann warnt die hohe MtfLnmlung vor der gestellten Falle, welche in Gteigmeirrr Antrag erblickt werden muß. Könntman, dch svr« lerer Bsrathung der VersassungSangelegenbeit Nicht wieder kommen und sagen: »Die Judenscaae gehöre nicht hierher?" Die Jaden selbst aber seien durchaus nicht so schlecht, wie man versucht sie darzustellen. Haben sie sich nicht freiwillig dem- Militärdienst unterzogen? Thun sie nicht sehr viel für Schul- und Armenwssen? Wo finden wir z. B. jüdische Bettelkinder? Auch ist mir kein einziger Jude bekannt, der schon einmal wegen Meineid bestraft worden wäre 'u.s. w. Redner bedauert schließlich, daß sich so ehrenfeste Männer, wir Herr Steigmsier sei. verleiten und sich in'S Schlepptau einer ungerechtfertigten Agitation nehmen ließe»- Here Fürsprech Baldinger: Tit.k Ich möchte Sie bitten, die Frage. mit Ruhe und Besonnenheit zu behandeln. Dabei erkläre ich mich jedoch zum Voraus für Eintreten in den GrsetzeSoorfchlag, welchem ich grundsätzlich beistimme. Wenn Here Steigmeier einfach vorgeschlagen hätte, die Sache in die'er Sitzung nicht zu behandeln, so würde ich mich zwar vor der Agitation nicht fürchten, , dis wohl auch ihr Gegengewicht fände und am Ende bester' vorher als hintendrein käme. Wichtiger ist mir das Bedenken: wenn man ver chiebe, so wecoe das.Volt sagen: Sie sind schon entschlossen, den Gesetzessorschlag unverändert anzunehmen, sie fürchten sich nur in diesem Augenblicke! Ich wünsche.nicht, daß das Volk dies glaube; denn ich wünsche eins Modifikation des Gr-

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