Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1862)
- Date
- 1862-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447036-2447061--01332-2456583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
das den Juden zur Last fallen konnte. Mittlerweile stellte eS sich indeß heraus, daß das vermeintliche Opfer bei einem andern Juden erwähnten Ortes ihre irdische Wohnung ausgeschlagen, ohne vorhergegangene — Himmelfahrt. Als Ursache ihrer plötzlichen Entfernung aus dem Haufe des Rabbinen gab sie an, daß Zwei auswärtige Israeliten fürchterlich große Messer — — in der Küche geschliffen, in Folge dessen eS ihrunheimlich zu Muthe ward. Einige Insulte abgerechnet, hatte das liebliche Histörchen keine traurigen Folgen; es würde aber solche unstreitig gehabt laben, so das Mädchen nicht sofort zum Vorscheine gekommen wäre. Charakteristisch ift's, das Belenyes in der Gegend von Großwardein gelegen ist, dem Orte, wo die hochweisen politischen Kannengießer eine ungarischjüdische Gemeinde errichtet zur allmählichen Anbahnung der Judenemancipation. Geschichten gleich der obigen waren in Ungarn nie heimisch, wohl aber in Deutschland. Doch auch dies mußte endlich in's Magyarische übertragen werden. Denn ähnliche Sympathien nur vermögen die sinnlosen Magyarisirungsdestrebungen zu erzielen: Lkrv88^. Aus Ungarn. Der Communismus, der Schrecken aller Besitzer und Feind alles Eigenthums, setzt die Idee anstatt der Thatsache, beansprucht ein Recht ohne die Vorbedingung des Verdienstes zu erfüllen, bringt schon in der materiellen Welt genug der Verwirrung hervor, wie viel mehr erst in der geistig-religiösen. Dazu begnügen sich die Communisten der Religion oder ihre Wortführer nicht, sich als Mitbesitzer unseres religiösen Kapitals zu erklären, sondern schließen uns gänzlich aus. Die antireligiösen Reformer früherer Jahrzehnte waren aufrichtige Leute, — man sehe ihre publizistischen' und literarischen Arbeiten, —sie gaben sich als das, was sie waren und wollten; die heutigen Reformier hingegen sind zugleich Frömmler; sie nennen sich die wahrhaft Religiösen, ja, die eigentlichen Orthodoxen, wenn es gerade in ihren Kram paßt; dazu halten sie sich für die einzigen Generalpachter der Kultur. Seitdem ihr prahlerischer Wortführer in unserem Lande mit ebenso vieler Arroganz als Kühnheit erklärte „eS handle sich nicht um den Kultus, sondern um die Kultur" sind ihm die Neinen Nachtreter aus den Schritt gefolgt und haben dieselbe Lüge zu ihrem Losungswort gemacht. Was die Herren unter Kultur und Kulturvereinen verstehen und zu welchem Zwecke sie dieselben ausbeuten möchten, hatten wir sattsam Gelegenheit kennen zu lernen. Ein Artikel in der „Neuzeit" Nr. 17 überschrieben „Am Bokonjer Wald." Der heilige Peter und ein orthodoxer „Porzellan-Fabrikant" hat mich neuerdings auf diese Gedanken gebracht. Viel Lärmen um Nichts! Um der Winzigkeit eines in seiner Würde sich verletzt glaubenden „Geistlichen Oberhauptes" wegen einer mv pwin'p, die in seinem Sprengel durch einen andern Nachbar Rabbiner mit seiner und der behördlichen Einwilligung stattgefunden, ein allgemeine- Interesse zu geben, verkriecht sich diese Winzigkeit unter den Deckmantel der Religion und Kultur, müssen Paragraphen des Schulchan-Aruch, der bald verhöhnt, bald als heilig und verbindlich dargestellt wird, wie die Regeln der Convenienz und der guten Sitte, herhalten. Doch das Lügengewebe von erdichteten Thatsachen und Paragraphen im Schulchan-Ar., die nicht existiren*) find nicht im Stande, die Hohlheit, die nackte, kahle Arroganz zu decke«, können unS nicht verhindern, schließlich zu dem Resultate zn gelangen, daß diese Sorte der Neologen, ebenso Verräter an der Kultur, wie an den jüdisch religiösen Interessen werden, sobald ihr Keines, winziges geistlich-oberhaupüiches Ich, es zn erfordern scheint. Herr Moritz Fischer aus Totis, dessen rühmlich bekannte Porzellan-Fabrik in Herend bei BeSzprim ist, verheiratete seine Tochter mit einem Cousin ebenfalls aus.T., veranstaltete aber die Trauung auf seiner Fabrik in Herend. H. M. F. als mm p nimmt eS mit der pviipi j'v'2 2'v2 .ip'i' ziemlich streng und theilt die Ansicht des r'v E. H. 49. Als ein Freund des geehrten Herrn Rabbiner in Palst«, war dieser von ihm eingeladen, die Trauung zn vollziehe»; die behördliche Bewilligung so wie die des Rabbiners in Deszprim waren von den Söhnen des H. M. F., die in H. zuständig sind, eingeholt. So einfach wie dies alles ist, fand sich dennoch sogleich!> - i . . *) Urber di, ignorant», lächerliche Behauptung, Paß dt« "VMP 1110 durch einen andern als den zuständigen Rabbiner kege»d«l Sch. S. sei, rergl. man 14S Ende. Der ütirte 142 Ezimvn enthält zur Sache gar nicht-.