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Der Israelit · 1862-06-18 · Heft 25 (18.6.1862) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 25 (18.6.1862)
Date
1862-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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197 recht niedlich herauszustreichen: so wendet sich derselbe zu diesem Behufe an irgend eine ausländische Redaktion, die in vollkommener Harmlosigkeit die ihr zugegangenen erfreulichen Berichte über die vermeint lichen kulturellen (?) und politisch-socialen Fortschritte der Glaubensbrüder in der Ferne ehethunlichst zur allgemeinen Kenntniß bringt. — Hier in Ungarn erscheinen drer jüdischen Zwecken gewidmete Journale. Diese aber bringen die niederschlagendste Referate Über Schul- und Gemeindezustände, wie nicht minder über die schnödeste Intoleranz und Gehässigkeit, dis jetzt eben ihr Haupt aus dem Sarge des Mittelalters neuerdings gefahrdrohend emporheben. Die Leiter dieser Blätter können die totale Zerfahrenheit, den zügellosen Ban daliSmuS nur bedauern, tief bedauern — nicht aber beschönigen. So kommt eS, daß man von unserm blühenden Schulwesen, von unserer bevorstehenden Emancipation u. s. w. Vieles zu sagen weiß — in Deutschland. Hier in Ungarn hat man leider nur gar zu oft dje traurige Gelegenheit, sich vom diametralen Gegeutheile zu überzeugen. Zur Erhärtung unserer diesbezüglichen Behauptung dürsten für diesmal nachstehende zwei Fakten genügen: Im ganzen Gebiete des Honther Comitats gab es bis heute keine einzige isr Volks schule. Mit welcher Strenge die hohe Regierung im abgelausenen Decennium die Kreirung von Volksschulen verlangt, ist sattsam bekannt. Doch bekundete sich leider in manchen Gegenden die Renitenz in dem Grade, daß däS heilsame Gesetz ein todter Buchstabe bleiben mußte. An Vorwänden fehlte es den Gegnern der Schule nie und nirgends. Hier hieß es: die Geldmittel wären nicht aufzubringen; dort behauptete man: die Zahl der schulpstichtigen Zöglinge sei eine verhältnißmäßig geringfügige; an einem dritten Orte schützte man vor: der Bau einer neuen Synagoge absorbire alle Kräfte u. s. w. Gar oft wird die Lauheit der Nabbinen für die Sache des Unterrichtswesens als die alleinige Ursache hingcstellt, in deren Folge die Volksschule dem gänzlichen Verfalle entgegeneilt. In wie fern diese, Anschuldigung berechtigt sei oder nicht, wollen wir für diesmal nicht ventiliren. So viel ist aber allerdings unumstößlich, daß im Honther Comitat dies nicht der Fall ist. Der Oberrabbiner erwähnte» ComitatS, Herr Salomon Deutsch, besitzt bei eminentem talmudischen Wissen nicht bloß die Fähigkeit, sondern auch den redlichsten Wille» zur Hebung und Förderung des Erziehung-« und Unterrichtswesens. Leider blieben seine mannigfache» Bemühungen bisher stets erfolglos. Die schöne Saat, die derselbe seit einer zwölfjährigen Wirksamkeit in jener Gegend ausgestreuet, fiel leider aus ganz sterilen Boden. Da- Volk weiß nicht, will nicht wissen — waihm noth thut. Mit dem Beginne des l. Sommersemesters wurde wohl nach namenlosen Anstrengungen in Jpolysag, dem Hauptorte des Comitats, eine zweiklassige Volksschule eröffnet, zu welchem Behufe gleichzeitig zwei gesetzlich befugte Lehrer berufen wurden. Allein mit welchen Schwierigkeiten hat dieses jugendliche Institut nicht schon jetzt zu kämpfen! Eine kleine aber mächtige rührige Partei, die um jeden Preis an die Spitze der Gemeinde gelangen möchte, sucht zur Beeinträchtigung des Gemeindeinstituts eine Winkelschule zu unterhalten, an deren Spitze ein Lehrer von überaus schwachen Fähigkeiten steht. Freilich wurde vor einigen Tagen diesem Unwesen behördlich ein Ende gemacht; allein die Kollisionen und Dissonanzen, die dadurch entstanden, sind gewiß bedauernswerth. — Dies also der allgemeine Eifer für die Ertüchtigung und Erkräftigung des Volksschulwesens in Ungarn! > , Bevor wir dieses Thema schließen, können wir nicht umhin, die Namen derer zu erwähnen, die sich um die Eröffnung der ersten isr. Schule im Honther Comilate besondere Verdienste erworben. ES sind die Herren Nosenbanm, Weißberger und Link, denen wir hiermit im Namen aller Bessergesinnte» in Israel öffentlich danken. In Belenyes wurde vor einigen Wochen da- Gerücht verbreitet, die Juden hätten in der dortigen Synagoge em christliches Mädchen — deS Rabbinen Dienstmagd — zum rituellen Gebrauche abgeschlachtet Das Mädchen war wohl während weniger Tage verschollen gewesen, indem dasselbe alldem Hause deS Nabbinen heimlich sich entfernte. Die betreffende Behörde leitete eine strenge Untersuchung ein, von der die Synagoge wohl nicht verschont geblieben, die aber nichts an den Tag förderte.

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