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Der Israelit · 1862-06-18 · Heft 25 (18.6.1862) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 25 (18.6.1862)
Date
1862-06-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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194 d^-'ch die heilige Lehr? geweckten Gefühle i^n den! rL^giösen Handlungen zu Tage treten. Diese äußere! Erscheinung der religiösen Gedankenwelt muß darum ' b« der öffentlichen GotteSverehrung da am Meisten her- NGTtrctcn. wo eine gegenseitige Anregung stattnndet! ULZ wo die religiösen Gefühle zur freien Entfaltung! ka^rrncn. Freilich müssen je nach der individuellen B-^chasfenhell der menschlichen Temperamente auch I b« gleichem Erkenntnißgrade, Grade des Unterschie I des in der Erscheinung nach Außen Statt finden; aL»5T diele Unterschiede berühren das eigentliche Wesen des in der That sich ausprägenden religiösen Lebens AnderntheilS ist das innere religiöse Leben ein ErIrLniß der auf den Menschen so mächtig einwirkLLSen Wechselfälle des Lebens; doch diese vermögen assA momentan den Sinn demüthig zu machen, ein iro»res religiöses Leben vermögen sie jedoch nur dann W schaffen, wenn eine religiöse Erkenntniß mitwirkt. Diese innere Welt des religiösen Denkens und tritt uns — wir haben dies an den jünger Feiertagen wieder so recht in! vollem Maaße emDwnden — in der herrlichsten und erhebendsten EEsItung in der Synagoge der israelitischen Nezu Mainz entgegen. Auf diese andLtzStze Versammlung hinblickend, fühlen wir uns mächsig ergriffen und zu gleicher Andacht angeregt. Wr Aauben uns zurückversetzt in jene schöne Periode der Vergangenheit, wo das jüdisch religiöse Leben so LMtig zu Tage trat, wo die heilige Lehre noch das Kauze israelitische Leben beherrschte. Wir sehen, das Liese Gemeinde nicht aus den Katechismen der NeuZsA die Begeisterung für die Bewahrung ihrer alte» Institutionen geschövft, sondern aus dem Munde GoMegeisterter Lehrer, an der unmittelbaren Quelle der Thora selbst. ES ist der religiöseste Ernst, es ist Nr tiefste, unerschütterlichste religiöse Ueberzcugung;; es M her unverkennbarste Mer für die genaue vor- I schrtztÄmäßiqe Beobachtung der göttlichen Gebote; es; ist Nalte in ihrer vollsten Herrlichkeit sich entfaltende Anhänglichkeit an dem väterlichen Glauben; es ist die Weihe der in der heiligen Sprache liegenden KLiH«, die uns mächtig anregen, und den Unterschied» zwischen den urkrastigen alten und den nach WrLkür beschnittenen lückenvollen und mangelhaften InMuiioncn der Neuzeit fühlbar machen. Dabei würdr man aber irren, wenn man glauben wollte, weil das religiöse Gewüth hier so ohne allen Formenzwana der Neuzeit sich naturwüchsig entfalten kann, i es würde den ästhetischen Anforderungen der Gegenwart nicht Rechnung getragen, und eS wäre in dieser Btzkhung auf die äußere Einwirkung keine Rücksicht genommen. Freilich bedarf es in dieser Synagoge der Einwirkung von Außen durch kirchliche Musik und Choräle nicht. Den Besuchenden ist der Besuch des Gotteshauses religiöses Bedürfniß; sie bringen die andächtige Stimmung mit, ohne daß dieselbe durch Choralgesang und Orgelspiel geweckt zu werde»! braucht; dessenungeachtet sind die ästhetischen An«/ fordernngen der Neuzeit nicht unbeachtet gebliebem' Die Gemeinde besitzt zunächst einen Vorsänger, begabt mit einer herrlichen Stimme und voll warmer. Begeisterung für die Heiligkeit seines Amtes. Mit ihm wirkt, unter der Leitung eines tüchtigen Gesanglehrers, ein Chor von Dilettanten und Schulkinder» dessen Leistungen hinter denen anderer großer Städte durchaus Nicht zurückstehen, und der einer immer größeren Vollkommenheit, entgegengehen muß, weil seine Mitglieder nicht, wie in andern Städten, des Lohnes wegen, sondern rein der guten Sache ihre Gesangeskräfte widmen. DaS Mitwirken eines Chors bestand schon in der allen Synagoge seit etwa 30 Jahren. Seine Wirksamkeit greift indessen nicht so tief in das Wesen der Gebete ein, daß die Gemeinde zur Passivität gedrängt würde. Er begleitet de» Vorsänger bei der Einleitung des Sabbats 'im rc. rc.; dahingegen bei solchen Gebeten, wo die Gemeinde in ihrer Gesammtheit mitznbeten hat, wie z. B. bei der .-nnip, wirkt kein Chor mit. Dabei ist hervorzuheben, daß die Eigenthümlichkeiten der hebräischen Melodien in den Chorälen beibehatten find, so daß dieselbe» weder zu viel an das Kirchliche^ noch an das Profane streifen. Betrachten wir die winzigen Anfänge dieser Gemeinde, so müssen wir staunen, wie aus so Geringem sich so Großeentwickelt hat Wenn der Mensch für die höchsten und heiligsten Güter, die er besitzt, Opfer zu bringen vermag, dann erscheint er unS in seinem edelste» Streben. Wohl lassen sich hier die Worte des Walmiste» anwenden: wz'zn rirö-u «neun ncm 'ikireo. „Bo» dem Ewige» ist Dieses geworden; unS scheint eS wunderbar." Es bietet uns die Entstehung dieser Gemeinde die geschichtliche Wahrheit dar, daß der Allgütige stets für die Erhaltung jener Prinzipien" Sorge trägt, audenen dasittliche Leben der Nationen seine Nahrung ziebt und durch welche daedlere Menschenthum sich wieder ausbäut. Noch immer, wenn das Streben des Menschen allzusehr aus das Materielle gerichtet war und die Gefahr sich mehrte, daß der Mensch berabsinke von seiner höher» Würde und seinem Verfall entgegensetze, da trudle göttliche Vorsehung Garge, daß in einzelne» Menschen seine Lehre unverfälscht genährt und gepflegt wurde, damit sie sich durch diese Wenigen wieder an-dreite und das Gemeingut Vieler werde; aber eine weitere Lehre können wir noch aus de» Erscheinrnlgen debesprochene» öffentliche» Gottesdienstes ziehen. Die zu Tage tretende Begeisterung bei der GotteSverehrung hängt von drin Maaße der gewon-

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