Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1862)
- Date
- 1862-06-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Elftere, statt einzusehen, daß eS sich getauscht habe und Lügen gestraft sei, und statt seine Behauptungen zurückzunehmen, dieselben nur dahin «bändertedaß die Juden, wenn diese- Mädchen zum Vorschein gekommen sei, ein andere- Mädchen ermordet haben müssen, weil sie wirklich ein ermordete-, von den Deckbalken herabhängendeS Mädchen in der Synagoge gesehen habe. Obschon das Dienstmädchen des jüdischen Lehrers den angeblichen Mord erst nach acht Tagen entdeckte, und während dieser Zeit im Dienst des Lehrers blieb; obschon es sich herausgestellt hatte, daß daangeblich ermordete Mädchen am Leben sei, und obgleich sich der Gedanke aufdrängt, daß die Juden, wenn sie wirklich in ihrer Synagoge ein Mädchen geopfert hätten, keiner fremden Person den Eintritt in dieselbe gestattet hätten, und wenn dies dennoch geschehen wäre, dafür gesorgt hätten, daß der Eingetretene die Sachs nicht verrathen könne: so begab sich dennoch am 12. d. eine aus dem In rassor und zwei städtischen Magistratsräthen bestehende Kommission in die Synagoge, um dort einen gerichtlichen Befund aufzunehmen, ohne Zweifel in der zu billigenden Absicht, daß den Wühlereien jede Nahrung entzogen werde. Und sie entdeckten do»t schreckliche Dinge; alle Deckbalken waren verschwunden, denn zufällig hat die Synagoge, seit sie besteht, eine stukkaturirte Decke. Man fand weder einen Nagel, noch auch nur die Spur, daß ein Nagel irgendwo eingeschlagen gewesen wäre, an welchem man da- Schlachtopfer hätte aufhängen können. Weil sich also hierauf keine verdächtigen Spuren ergaben, so blieb nichts übrig, als in den Spuren der vermöge ihrer Schwere abwärts strebenden Körper, d. h. der Blutstropfen auf dem Fußboden Verdachtsgründe zu suchen; doch habe ich nicht nöthig zu sagen, daß auch hier die Untersuchung zu allem Anderen, nur nicht'zur Entdeckung führte. Nachdem die Untersuchung auf diese Art beendet war, wurden die Akten an den Odergespans-Stellvertreter nach Großwardein gesendet; ich aber eilte, auf dem Feld der Oeffentlichkeit den übrigen schädlichen Folgen solcher verabscheuungswürdigen Wühlereien vorzubeugen. Jedermann weiß es, daß böse Gerüchts sich mit Blitzesschnelle verbreiten, während gute Nachrichten nur mit bleiernen Füßen vorwärts schreiten. So verhalt cS sich auch mit der obigen lügnerischen Erdichtung. Das Gerücht von der Ermordung defraglichen Mädchens durchläuft nicht bloS die ganze Stadt, sondern die ganze Umgegend, und bis die Leichtgläubigen sich von der Unwahrheit dieser Nachricht überzeuge», kann, e- Ach leicht ereignen, daß das Volk irgend einen jüdische» Gastwirth in einem oder dem andern abseits liegenden Dorf seine Leichtgläubigkeit fühlen laßt. ES ist eine traurige Sache, daß da- Volk solchen Erdichtungen Glauben schenkt, welche nicht- Andere? bezwecken, als die verschiedenen Religionsgenossenschaste» gegen einander aufzureizen, und noch bedauern«--» würdiger ist es, daß auch viele solche Individuen, bet denen man billiger Weise eine etwagrößere Reife voraussetzen könnte, solchen Gerüchten Glaube» schenke» und dadurch einerseits ihre geistige Unmündigkeit vevrathen, andererseits aber die Legislativ^ beleidige», vorausgesetzt, daß unsere Gesetze, sei eS au- Unkemitniß, fei es aus Vorsatz, innerhalb der Grenzen ihrer Macht eine solche Religions-Genossenschaft dulde», welche durch das Hinschlachten unschuldiger christlicher Jungfrauen Gott ein wohlgefälliges Opfer zu bringen glaubt. Apostag , im Mai. Der hiesige Ort bot am 28. des v. Monates das Schauspiel einer gräßlichen Unglücksscene dar Durch eine plötzlich aurgebrochene Feuersbrunst wurden über 60 Häuser dermaßen niedergebrannt, daß fast alle darin gewesenen Habseligleiten ein Raub der Flammen wurden. Die jüdische Einwohnerschaft ist hart mitgenommen worden. — Auf eine Schilderung des herrschenden Elendes wollest wir hier verzichten. DaS Eigenthum der Gemeinde, wie Synagoge, Schule u. s. w, ist durch den göttlichen Beistand verschont geblieben. Frankreich. Pari-. Die Kaiserin hat zur Unterstützung armer Arbeiter »eine Gesellschaft de- Kaiserliche» Prinzen" gestiftet. Herr und Frau Bischofsheim haben sich an der Stiftung mit einem Geschenke von 50,000 FrcS beseitigt. In Folge dessen hat Herr B. von der Kaiserin ein eigenhändiges Schreiben erhalten, welches wir hier mittheiten: Mein Herr! Ich spreche Ihnen und Ihrer Fron Gemahlin meinen Tank aus für das Geschenk von