Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1862)
- Date
- 1862-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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OesterreiHlscher Kaiserßaat. Mu- Ungarn. In der Ortschaft Belänyes , des Diharer Komitates hat sich dieser Tage eine romantische Geschichte begeben, die ganz im Geiste Sebastian Brnnner's gehalten ist, und über welche der „Sürgöny" vom 13. d. eine ausführliche Korrespondenz erhalt: Jener nicht geringe Theil der Bewohner unserer Stadt, — schreibt der Korrespondent — welcher an die Wirklichkeit der verschiedenen erdichteten, den Juden zugeschriebenen gottlosen Thaten fester glaubt, als an die Dogmen seiner eigenen Religion, ist seit einigen Tagen in großer Aufregung. Und weshalb? Aus keinem anderen Grunde, als in Folge einer von einem kleinen Dienstmädchen geträumten, wahnwitzig eingebildeten, oder eben böswillig erdichteten Schaudergeschichte. Um den geneigten Leser nicht lange in Spannung zu halten, und in der Hoffnung, daß er beim Lesen der fraglichen Schaudergeschichle nicht Ln Ohnmacht fallen werde, enthülle ich den ganzen Lhatbestand ohne jede fernere Zurückhaltung. Indem die Belenyeser Juden am 26. April l. I. Gott ein Opfer bringen wollten, haben sie ein Christenmädchen in der Synagoge geschlachtet. Die rechtliche Wahrhaftigkeit dieses schauderhaften ThatbestandeS beruht auf den folgenden Umständen. Die jüdischen „Schächter" sind verpflichtet ihre „Schlachtm esser" beim jedesmaligen Schleifen dem betreffenden Rabbi vorzmveisen, und wenn dieser die Messer nicht für vorschriftsmäßig findet, so wird der mit demselben geschlachtete Gegenstand nicht für koscher gehalten. So geschah es, daß zwei Schächter vom Lande am 25. April l. I. zum BelSnyeser Rabbi kamen und von diesem in die Küche gewiesen wurden, um ihre Messer nochmals und besser zu schleifen. Das Dienstmädchen des Nabbi sah dies und erzählte voll Besorgniß dem Dienstmädchen dejüdischen Lehrers, daß sie sich wegen dieses verdächtigen MefferfchleifenS 1« großer Angst befinde. Am folgende» Tag, nämlich am 26. April schickte die Frau de- Lehrers ihr Dienstmädchen mit einem Buch in die Synagoge, welcyeS ihr Mann zu Hause vergessen hatte; das Mädchen kam dem Auftrag nach und übergab das Buch dem Lehrer in der Synagoge. Acht Tage später begab sich das Dienstmädchen des Lehrerin ihre Heimath nach Remete und macht dort beim OrtSnotar die Anzeige, daß sie vor acht Tagen dem jüdischen Lehrer in BelenyeS ein Buch in die Synagoge getragen und in der Mitte derselben das mit den Füßen an einen Deckbalken aufgehangte Dienstmädchen des Nabbi gesehen habe; unter dem Kopf des Schlachtopfers fei ein hölzernes Gefäß gestanden, in welches das Blut des ermordeten Mädchen floß; sie selbst habe man auch tödten wollen, aber sie sei entflohen. Der betreffende OrtsnotLr zeigte den Vorfall dem Belänyeser Oberstuhlrichter, respective dem DelLnyeser Komitatsjuraflor an. Als dieser die Untersuchung einleitete, beharrte das Reineteer Mädchen bei seiner vor dem Rotär gemachten Aussage, bkomit der Modifikation, daß sie zwar nur den Rücken des in der Synagoge aufgehängten Mädchens gesehen habe, dennoch aber an der Ueberzeugung festhalte, daß es kein anderes als das Dienstmädchen des Rabbi gewesen sein könnte, weil dieser jetzt verschwunden sei, ohne daß Jemand den Aufenthalt desselben angeben könnte. Als der Rabbi und der Lehrer verhört wurden, sprachen sie mit begründeter Indignation ihr Bedauern darüber aus, daß die von den vaterländischen Gesetzen tolerirte jüdische Glaubensgenossenschaft so leichthin einer solchen unmenschlichen That für verdächtig gehalten werde, welche nur in der Einbildungskraft oder in der böswilligen Erdichtung eines kindische» Mädchens existire; übrigenkövue der Rabbi den Aufenthaltsort seineangeblich ermordeten Dienstmädchens nicht angeben, weil sich dieses heimlich aufeinem Haufe entfernt habe; mehr bedurfte es für das Publikum nicht; der Rabbi kann da- Dienstmädchen nicht vorsühren, folglich K der Lhatbestand erwiesen; man schreit Zeter über die Jude«; die Frau des Mischen Lehrers wird auf der Gasse beinahe gesteinigt und den Kinder» Israels eine schreckliche Rache gedroht. Unterdessen ergibt es sich, daß das angeblich ermordete Dienstmädchen in jenem Stadttheil von BelönyeS, welcher Durgundia heißt, bet einem andern Juden in Dienst getreten sei, und seine Entweichung vom Rabbi bereue, z» welcher fie durch das Dienstmädchen dejüdische« Lehrers veranlaßDwürde. Hierrauf erfolgte natürlich die Konfrontinmg de- Remeteer Dienstmädchens mit dem vom Tode auferüandene» dienenden Geiste, bei welcher Gelegenheit da-