Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1862)
- Date
- 1862-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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und verfügt bereits in Summa über 5068 Thlr. MS Gründer des Instituts, denen auch die bisherige Wirksamkeit allein überlassen ist, haben sich vielfach verdient gemacht die hochherzigen Männer, unsere beiden Gemeindevorsteher: M. S. Magnus uud Heinr. Wilh. Wiener, denen zwei Ehrenmütter mit ihren weiblichen Kenntnissen und Erfahrungen liebe« voll zur Seite stehen. Möge das winzige Pensionat sich bald in ein großes selbstständiges Waisenhaus verwandeln - imv ruw' in'-uim ipLv unem-r — Innerhalb der hiesigen Synagoge, in welcher bisher vollkommene Einigkeit herrschte, bereiten sich wieder allerlei Reformen vor, die nicht nur der Approbation des zuständigen RabbinatS entbehren, sondern auch bei den frommen, sowie bei den wahrhaft gebildeten Mitgliedern gleichen Anstoß erregen. Wir rechnen dahin das noch immer nicht aufgegebene Projekt der Einführung der Orgel und des deutschen Gebetes und jetzt gar die Idee eines sogenannten Sonntagsgottesdienstes. Das Wunderbare, das fast Unglaubliche dabei ist, daß der Hauptagitator ein von den Orthodoxen selbst zu ihrem Schutz gewählter Vorsteher ii — der Sohn des gelehrten und frommen in Danzig verstorbenen Oberrabbinen Lip schütz. Er, der sich einst in Posen nicht als Religionslehrer halten konnte, will jetzt, als Königsberger Kaufmann mit einigen gleichgesinnten Schwächlingen hier als Reformator auftreten und Streit und Zank in die friedliche Gemeinde bringen. Hoffentlich wird das Projekt scheitern an dem gesunden Sinne unseres Obervorstehers Bankdirektor Gabriel und des Präses der Repräsentanten-Versammlung, zur Zeit Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, Or. meä. Kosch, welche beide Ehrenmänner dem saubren Plane völlig abgeneigt sind. Was Berlin nicht zu Stande gebracht— wir meinen die Errichtung einer Orgel, dieses durchaus der christlichen Kirche eignen Instrumentes — wird hier im Angesichte so vieler frommen russischen Juden noch weniger gelingen, wenn man auch am vorletzten Sonntag — irmpz — bei der sogenannten Einsegnung der Mädchen schon mit einem Positiv gleichsam die Probe dazu angestellt hat. Ebensowenig Aussicht auf Erfolg hat der SonntagSgottesdienst, der schon einmal hier sich vor Jahren als unhaltbar erwiesen hat. Wir erinnern uns dabei noch der Virtuosität unseres Predigers, der heute den Sonnabend und morgen den SonnLag als den Sabbattag des Herrn hinstellte. Die Elastizität seine» Geistes und seiner Gesinnung ist freilich. dieselbe geblieben. Aber auch die Indifferenz der Neologe» ist noch heute dieselbe wie damals und deshalb trage» alle jene Reformen den Keim der Auflösung in sich selbst. Nicht aus religiösem Gefühl, auder leidige» Modesucht entspringen sie. Ist eS dm Hern» Reformatoren Ernst um die Sache, so mögen sie durch ihr eignes Beispiel für mehr Ruhe, Ordnung und Anstand im Gotteshause Sorge tragen und enicht erst der Orgel überlassen, das unschicklich« Geräusch und Geplauder durch ihr Getön zu übertäuben. Wahre Gottesfurcht, nicht affectirte VerbefferungSsucht thut uns Roth. Zeigt sich aber durchaus ein w«iterer Thatendrang, so kann er sich noch aus einem ander» Gebiete geltmd mache». Biel verdienstlicher uud praktischer z. B. wäre es von der Gemeinde, wen» sie sich um Wiederherstellung des israelitischen Krankenhauses bemühete, das im Jahre 1843 aus eine so unverantwortliche Weise eingegange» ist. Eine größere Uebereilung hat damals nirgend stattgesunden. Mit Wehmuth gedenken wir hier eines armen Jünglings aus Rußland, der gezwungen ward in einer .glichen Anstalt unter fremden Mensche» ohne den Trost der jüdischen Religion seinen E^ist aufzugeben. Der Kranke ist der wahre Arme und ein armer Kranke ist doppelt arm. Wie viel hätte schon für diese heilige Sache mit dem Gelde getha» werden können, das seit jener Zeit von Juden für das hiesige christliche Krankenhaus der Barmherzigkeit gespendet worden ist. Eine Königsberger israelitische Krankenanstalt ist wahrlich zur Zeit ei» größeres Bedürfniß als die inzwischen gestifteten Institute für verarmte Mitglieder und für Waisenkinder. — Das patriarchalische Greisenaltee scheint bet unfern Glaubensgenossen in dieser Gegend noch nicht abhanden gekommen zu sein. Kaum war ein Man» von 96 Jahren, Kaufmann Reinsberg in Heilsberg gestorben, der einen guten Namen und viele gute Werke hinterlassen hat, als uns die Zeitungen de» Tod eine- 107 Jahre alt gewordenen Herr» Levy aus dem benachbarten Stäbchen Zinken meldeten. Beide waren also noch Zeitgenossen von Mose- Mendelssohn gewesen. : A. ^Imout.