Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1862)
- Date
- 1862-06-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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186 / Etwas solchen Forderungen einer Reformen beabsichtigenden Majorität Rechnung, getragen werden, die behufs einträchtiger C Haltung des Gesammtkörpers leinandere waren, alssolch?, welcheln ähnlichen Fallen von halachischen Capautäten, ohne den Standpunkt deS orthodoxen Judenthums zu verlassen, cencessionirt worden wären. Dahingegen ist in die neue Synagogen-Ordnung nichts ausgenommen worden, waS den Anordnungen des zuwiderlaufen könnte. — Mag sein, daß an Orten, wo sich die Parteien schroff gegenüberstehen und wo zugleich die orthodoxe eine durch Gesinnungstüchtigkeit gehobene und opferfähige ist, wie in Ihrer und Ihrer Nachbargemeinde, Concessionen zu keinem Ziele führen und sofortige Trennungwünschenswert^ erscheint; da wo weder da- Eine noch das Andere zutrifft, ist Nachgiebigkeit bis zu einem gewissen Punkte unerläßlich. So wird in Cöln dem glaubenstreuen Judenthume durch die nnn rnu-r mehr genützt als durch beharrlichen, Gegendruck heraufbeschwörenden Widerstand. Da wo vor Kurzem noch ein Segen verheißender 112^- Verein ins Leben gerufen wurde, wo überdies alle cultuellcn Bedürfnisse in mustergtlliger Weise bestehen, aber', wohl verstanden nur durch vereinte Kraft, da wären die Folgen einer dauernden Trennung von unabsehbarem Schaden. Waren nun solcher Gestalt die Intentionen des dortigen Rabbiners, so ist eS erklärlich, warum er die Zulässigkeit der neuen Synagogen-Ordnung nicht beanstandete, wenn er auch die Piutim-Frage, in anderer Weise aliS. es geschehen, gelöst wissen wollte. So lange Herr vr. Schwarz der geistliche Leiter CölnS bleiben wird, und wir hören eben, daß eine definitive Anstellung von dem Vorstande und den Reprä sentanteN'fast einstimmig beschlossen wurde, wird sich die Metropole der Rheinprovinz keinem destruktiven Euttüs in die Arme werfen, aber gewiß auch der Friede nie dauernd getrübt werden. i- . »»Köln, Ende April „Die Ausscheidung der orthodoxen Elemente auS unserer Gesammtgemeinde ist in vollem Gange! „DaS war die unter der hies. Gemeinde fast allgemein verbreitete Ansicht, nachdem wir am Sabbat Hazadol durch eine Neuerungen vorbereitende Predigt erbaut worden waren; deren .Wirkung durch den Gottesdienst in der Synagoge am ersten Peßach-Festabende nur sehr verstärkt werden könnte. In der oben angedeuteten Predigt wurde uns nämlich Kenntnlß gegeben von einem von der Majorität unserer Vorstandsmitglieder in Übereinstimmung mit uns. Hrn. Rabbinen vr. Schwarz gefaßten Beschlüsse, dahin gehend, daß dis bedeutungslosen und großentheklS unverständlichen Piutim von nun an aus unseren Gebeten verbannt sein sollten. Durch dieses kleine Zngeständniß, meinte Herr Or. Schw., welches er ganz unbedenklich zu bewilligen nicht anstände, würde fernerhin die jetzt nur so spärlich vertretene Jugend hauptsächlich, dann aber auch die vielen noch sehlenden Familienväter veranlaßt die Synagoge regelmäßig zu besuche». Wen» er auch andere Ansichten in unserer Gemeinde vorhanden glaube, hoffe er, daß man von deren Geltendmachung bereitwillig zurückstände im Interesse begrüßen Zieles, welches dadurch erreicht würde, denn, wenn erst die Gemeinden einig seien , wenn die Schroffheiten, die Intoleranz der Orthodoxe« gemäßigten, unserer Zeit entsprechenden Grundsätze» Platz machten, dann würde auch die uns verheißene große Zeit nahe sein, wo Gott den Propheten sende zur Versöhnung zwischen Kinder und Ettern. Die Jugend, welche die Einrichtung fremder Cnlte kennen gelernt habe, könne sich mit den veraltete« Ansichten ihrer Elter» über religiöse Dinge niemals versöhnen, und so Hatte denn diese dem Fortschritte feindliche Partei viele Zwietracht entstehen machen; statt die Ansichten der Gegner zu würdige» und selbst hochzuachten. Wir wollen nun die einzelnen in dieser Predigt ausgestellten Behauptungen, durchgehen. Man glaubt durch Ausscheidung der Piutim aus unseren Gebeten, die bis jetzt fehlenden Gemeinde- Mitglieder und vornehmlich die Jugend zur Synagoge heranzuziehen. Wer aber auch uur eine oberflächliche Kenntniß unserer Gemeindeverhättniffe hat, kann sich dieser Täuschung nicht lauge hingebe». Denn Diejenigen, welche nur die Synagoge besuchen, wenn der Gottesdienst ihrem Beliebe» accomodirt ist, werden auch durch die neue Form nicht lange gefesselt werden können, und nicht z» vermögen sei», sich dauernd eine, wenn auch nur kurze Zeit, ihrem Erwerbe zu entziehe».