Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1862)
- Date
- 1862-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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! 187 ES ist dies ührlg en S eine zü oft ge machte, dürsh zu viele Beispiele commentirte Erfahrung, um deren Wirklichkeit einen Augenblick -u bezweifeln. Sollte der Zweck indeß den irrigen Erwartungen entsprechen können, so glauben wir nicht, daß er im Stande ist, die Mittel zu heiligen und uns dünkt, daß man den einmal Kranken nicht aufgeben dürfe, sondern alle Mittel zu dessen Heilung versuchen müsse. Und wie nahe liegt eS, der Jugend - dadurch, Haß man sie soweit wie möglich zum Verstärdniß unserer Gebete bringt, Liebe für diese einzufiößcn; eine tüchtige Schule und Lehrer also würden die zum Siechen leider kranke Gemeinde besser Hellen als alle AuSreißungen, die man vornehme» möchte. Die Bemühungen hiefür sind aber nicht über Worte hinauSgekommen. Wenn uns nun weiter empfohlen wird, opferwillig zu sein, um Einigkeit herbeizusühren, so steht eS u«S gar nicht an, von dem Gebiete der Synagoge die Opfer herzunehmen j die wir darbringen sollen. Und die Frage, würden wir wohl uns der Einigkeit erfreuen, wenn wir die Piutim haben fallen lassen? sie kann gewiß nicht mit ja beanwortet «erden; und wenn wir erst Sabbat und Speisegesetze umgcstoßcn haben, sind wir noch nicht «uc einig, dann immer nur noch weiter muthig vorwärts in den Abgrund, da erst werden wir übereinstimmender Gesinnung mit Allen sein. Nein, da ziehen wir lieber vor, der Ankunft des Erlösers länger zu harren. WaS nun die rechtliche Seite dieser Frage betrifft, ob die Abschaffung der Piutim zulässig, so will man hier geltend machen, es hätte bisheran hierorts kein Minhag bestanden. Aber sollen wohl Gebräuche, die in einer sechs Jahrzehnte bestehenden bedeutenden Gemeinde von Anfang an eingeführt waren und stets aufrecht erhalten wurden, nur darum nicht deren Minhag sein, well der Gemeinde der Rabbiner und ein vom Staate anerkanntes Statut gefehlt haben? Ist dies wohl eine richtige Deduktion? Als Ersatz für die Piutim hatte man uns einen erbaulichen Gottesdienst mit neu eingeführter Chorbegleitung verheißen, deren vollen Werth wir erst zu schätzen vermochten, nachdem wir am ersten Festabende dem Gottesdienste in der Synagoge beigewshnt hatten. Ich enthalte mich hier des Weiteren und verweise Sie nur auf die anliegende, ans die Festtage Bezug habende Gebetordnung, welche arH sich selbst spricht,*) und der ich uur zuzufügen habe, daß eS der Gemeinde untersagt war, selbst auf Gebete wie V'-rp zu antworten; kurz, man hatte die Synagoge zur Comödie herakgewürdigt, .welche, wenn uns nicht der erhabene Gegenstand, den man profanirte, indignirt hätte, uns zum Scherzen angeregt haben würde. Unser Vorstand hatte wohl geglaubt, eine für dieses Fest geeignete Heiterkeit, dadurch passend hervorzurufcn, er veranlaßte aber Diele hierdurch die Synagogen von benachbarten Gemeinden oder von Privaten aufzusuchen. Wir bedauern aber recht sehr hier die große Lauheit, den unbegreiflichen Jndisserentisryus der Mehrzahl der hi.sigen Gemeindemitglieder, die zur orthodoxen Partei zählen, constati en zu müssen, den» ganz gewiß würde der bestimmt ausgesprochene Wille derselben in ziemlich hohem Grade auf die Vorsteher zu influiren verMögen. Statt dessen läßt man übex sich ergehen, was das Schicksal schickt und behauptet sogar, Opposition gegen jede von dem Vorstande,, als unserer Obrigkeit, ausgehende Neuerung , sei sündhaft. Welche Loyalität schuldet man aber einem Vorstande gegenüber, der uns schon zu wiederholten Malen mit einer Orgel in der Synagoge zu beglücken versuchte, welcher Anschlag aber uur an der Festigkeit.eines Mannes gescheitert, den wir leider, was seinen persönlichen Lebenswandel betrifft, unserer Partei nicht zuzählen können, der aber von seinem sehr würdigen Vater ein Herz für das conservative Jndenthum geerbt hat, der selbst durch bedeutende Antecedentte» vielfach, auch in höheren Kreisen, geachtet und beliebt ist und dessen Grundsatz ist, abseits, daß Jeder nach seiner Fayon selig werden könne, daß davon unsern Vätern uns Ueberkommene doch so zu achten ist, um es nicht zum Spielballe individuelltr Eitelkeit und Neuerungssucht zu machen. Dieser Mann findet, da er die'Synagoge wenig besucht, kein Hinderniß für sich in deren Einrichtungen, Anm. der Red.: Diese Gebrtordnung streicht die Piutim, macht einen Unterschied zwischen dem Gottesdienste, welcher mit Odrre und, dem. welche: mit beginnt, enthält Stelle» wie diese: ,DaL O"s7 zir rplv, bezüglich Ljnlei. tung zum Frühling vom Rabbiner vorgrtrngrn" re.