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Der Israelit · 1862-05-14 · Heft 20 (14.5.1862) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 20 (14.5.1862)
Date
1862-05-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bekennt er, daß er und die Richtung, welche er hier vertritt zu keiner von beiden gehört, sondern zwischen beiden steht. Der Verf. nennt seine Richtung die orthodoxeste. »Zwischen beiden, isolirt in der Gegenwart, in inniger Gemeinschaft mit den größten jüdischenGeistern allerZeiten, steht diejenige Richtung, welcherunsere Anstalt ihre Begründung verdankt.« Diese »orthodoxeste* Richtung gibt sich nun als diejenige, der jüdische Realbildung ein wesentlichstes (sie) Postulat ist;*) das heißt, ein Jude, der auch Deutsch versteht, ist rein echter Jude im Sinne de- Verfassers, ebensowenig wie der Jude, welcher »auch Hebräisch* versteht, sonder« das Hebräische und dar andere Wissen muß sich gegenseitig durchdringen. — Mit dieser Grundlage nun wird nach beiden Setten Front gemacht. »Die Aufgeklärten geben das Judenthum auf und wenden sich der Culturarbeit des Jahrhunderts zu — die Orthodoxen würden ihr Judenthum aufzugeben glauben, wenn sie dasselbe thäten.« Nur die Richtung, welcher der Verf. angehört, versteht es, die Gegensätze nicht nur M vereinen, sondern zu einem höheren Ganzen ourchzubilden; isolirt in der Gegenwart findet sich hier, und nur hier ganze Orthodoxie — die Andern, wenn sie auch hebrärsche Schulen gründen, in denen »auch Deutsch« gelehrt wird, seien nur halbe Orthodoxe. Wir gestehen es, diese Ansicht erscheint uns ebenso neu wie unhaltbar. Wir wollen uns nur gleich, mit dem Verfasser auseinandersetzen: wir halten die profane Bildung für kein Postulat des Judenthums, wenn wir wiederum auch nicht vermeinen, daß das Judenthum die Erwerbung profanen Wissens verbiete. Wir wissen uns bei dieser Ansicht nicht um in inniger Gemeinschaft mit den größten jüdischen Geistern aller Zetten, sondern mit dem Judenthume selbst, und sind auch in dieser Be Ziehung durchaus nicht isolirt in der Gegenwart. Das Judenthum macht seinen Bekennnern das Lernen, das Forschen, das Erkennen zur Pflicht, aber nur das Lernen und Forschen in der Thora, das Erkennen durch dieselbe. Die Erwerbung anderweitiger Kenntnisse ist dem Juden gestattet, aber er ist nicht dazu verpslicktet. Unsere Alten waren dem Studium anderer Wissenschaften nicht hold, weil dadurch das Studium der Thora beeinträchtigt wurde — wir, sagen wir es frei und offen, selbst auf die Gefahr hin, uns um jeden modernen Heiligenschein zu bringen, stehen auf demselben Standpunkte, nur daß der Umschwung der Verhältnisse ein völlig entgegengesetztes Resultat hervorgrbracht hat: Wir empfehlen die Erwerbung profaner Kenntnisse wir er- *) Anm.: Dem V^rf scheint»Dawesentlichste* z» »lei, r-rsrntlichrS* zu wenig gewesen zu sei». richten Ähnle«, in denen Sprächet und ReM« -rsl gelehrt werden» um dadurch Kinder für das Studium der GottesleHre zu gemiü^e». i Nicht dem profane« Wissen als solche« wate« unsre Alten gram, sonder» nur insofern verpönte» fie daS- - selbe als eS dem .i-nr, mrHr, störend und hinderlich gegenübertrat; heutzutage nnn, da die Erlangunprofanen Wissens in Folge der Zeit- und LedensverhLltniffe eine unabweisbare Nothwendigkett geworden ist, da sich Alles dem Thorastudium ganz ruü» gar abwenden würde, wenn wir nicht anch stachen und Realien böten, sind diese letzteren, wenn Verbindung mit dem Thorastudium geboten «erdech demselben förderlich und darum bieten wir si«^ Wir stehen also sogar mit den große« Geistern des Mg» sten, vielgeschmähten Jahrhunderts auf eiriem Stand» punkte und wir bescheiden »nS, wenn man diese« »den orthodoxen« nennt; wir begehren keinen Superlativ (Kohelet 7. 16). Sehr anerkermensivertb sind die Schlaglichter, welche der Verfasser vom Mischen SrandpunVe äüS auf einzelne moderne Schlagwörter wie Eöncordak, Werkheittgkeit rc. wirft; es ist ferner die Art «nd Weise, wie er die Durchdringung des Lehrstoffes vön der religiösen Anschauung darstellt, lichtvoll «ck M treffend. Wir finden überhaupt, daß sich kn Wahrheit, unser »religiöser Standpunkt« vo« de» Einigen nicht unterscheidet; wir könne« überhaupt kmrrtt glauben, daß eS ihm mit jenem „wesentlichsten Postulats" voller Ernst ist; sagt er hoch selbst, daß es während der Periode der Abschkjeßung genügte, durch Kenntniß des Gesetzes Le« jüdische« Knabe« zu einer gewissenhaften GefetzeStreue befähige zu habe«; gibt er doch damit z», daß «nr die heutigen Zettver» hältniffe profane Bildung fordern, aber «M das Judenthum — das ewig», eine, unwnndell are; nun denn, so möge er denn auch nichts Besonderefern wollen, um sich selbstvergnügt in eine Jsolirnng zu vergraben, die in der That nicht besteht. Wohl mag die »Jsolirung« Manchem als ein Vorzug er» scheinen, aber lobenSwerther ist eS doch, sich zu de« Grundsätze jenes königlichen Sängers zu bekennen: (TehMim 119,63). 'IN 'piN' 10« 'ZN 12.1 Ein Genosse bin ich Men, die Dich fürchte« und Deine Gebote halten! — Mit Vergnügen haben wir aus den Schulnackrichten erfahren, daß Herr I)r A. Sulzbach, den geehrten Lesern dieser Blätter seit deren Erscheinen bekannt, eine Anstellung an der in Rede stehenden Anstatt gefunden. Wir wünschen dem talentvolle« jungen Manne einen erfreulichen und segensreichen Wirkungskreis. —

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