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Der Israelit · 1862-05-07 · Heft 19 (7.5.1862) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 19 (7.5.1862)
Date
1862-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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150 Mainz, den 23. April. Auch in diesem Jahre ist es uns gelungen, die hier überaus zahlreichen t. k. Ssterr. und k. pnuß. isr. Soldaten hiesiger Garnison mährend des Peßachfestes vollständig zu verköstigen. Viele wurden von einzelnen Mitgliedern der isr. Ncligionsgesellschast eingeladcn, die übrigen erhielten die Kost in einem hiesigen jüdischen Speise- Hause; es wurden durch Permittelung des Herausgebers dieser Blätter allein 2?2 Mahlzeiten bezahlt. Mainz, den 21. April. Während der Halb- Mertage des Pestachsestes wurden in Folge eines Baues im Garten eines hiesigen chr. Bürgers drei jüdische Leichensteine nebst den darunter befindlichen Leichen ausgegraben. Ter Herausgeber dieser Blatter, davon in Kenntniß gesetzt, eilte sofort an Ort und Stelle. Zwei Leichensieine fanden sich ohne Inschrift, der dritte jedoch trägt eine sehr wohl erhaltene. Cie lautet auf eine Frau Esther, Tochter des Nabbj Jirmijahu, welche am 26. Tischri 5(21 (r^rch i") verschied, es hat dieser Stein demnach ein Alter von fast' 600 Jahren. Das Knochengerüst, welches sich damnter fand, war noch sehr wohl er halten; es fehlte kein Knöchelchen; auch die stark in Rost üLergegangenen Nägel des SargeS fanden sich vor. Nicht so vollständig erhallen waren die beiden andern Leichen. — Wir veranlagten die sofortige Beisetzung aller Vorgefundenen Uebcrreste auf dem hiesigen Friedhofe. — Zur Erklärung ist es nun nothwendig, einig«. Worte über den hiesigen isr. Friedhof zu sagen. Derselbe ist uralt und befindet sich noch an demselben Orte, wo er vor zwei Jahrtausenden von den ersten jüdischen Einwanderern angelegt worden. Nabbi Jakob Hallevi (b"?-».iv), in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Rabbiner in Mainz, fand auf demselben Friedhofe einen Leichenstein, der damals 1100 Jahr alt war. Dieser Friedhof, in alten Urkunden „der Judensand" genannt, liegt am östlichen Abhange des Hardenberges, im Norden der Stadt, in einer Entfernung von ungefähr 20 Minuten. Der obenerwähnte Garten nun liegt an der Spitze des Hardenberges, woraus sich mit Bestimmtheit ergibt, daß ehemals der Friedhof den ganzen östlichen Abhang einnahm, also um dreimal breiter war als er augenblicklich ist. Wahrscheinlich haben die Juden, als sie im Anfänge des 16. Jahrhunderts unter Kurfürst Adalbert in Mainz sich wieder anfiedelten, jnachdem sie im Jahre 1160 durch Kmiürst Adolph voN Nassau sämmtlich aus der Stadt vertrieben worden waren, zwar denselben Platz, aber nicht in seiner vollen Ausdehnung zum Begräbmsiplatzr zurückerhalten. Hiermit hängt auch noch eine andere Erscheinung zusammen. Es bt finden sich nämlich am Nheinnfer in der Stadt Batterien, die aus jüdischen Leichensteineu erbaut find. Bei verschiedenen Nachgrabungen wurden einzelne zu Ta.;e gefördert, bis im Jahre 58 beim Baue der Rheinischen Eisenbahn mehr als 100 ausgegraben wurden. Von diesen trägt der älteste die Jahreszahl 1861(1101); andere, bedeutend ältere tragen keine Jahreszahl; so der des hochberühmtcn Rabanna Me schul! am ben Rabbanna KalonpmoS, welcher vou Raschi, Toßaphot und dem Aruch au vielen Stellen angeführt w d auch Rabanna Meschullam Hagadol genannt wird. Die jüngsten jener Steine reichen nicht bis zur zweite» Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts hinab. Es ergibt sich daraus fast mit Sicherheit, daß die Steine während der gänzliche» Abwesenheit der Juden von Mainz geraubt und zur Erbauung der erwähnten Batterien verwendet worden find; wahrsär inlich wurden dann später die in Folge desse von Leichensteinen entblößten Gegenden des Friedhofes nicht zurückgegeben. Daß aber der gegenwärtige Begräbnißplatz an der Stelle des uralten sich noch befindet, beweisen zahlreiche Ausgrabungen auf demselben vo» Leichensteinen, die aus dem Ende des vorige» oder dem Anfänge dieses Jahrtausends a. m. stammen. So wurde auch vor einige» Jahren ei» Stein aufgefunden, welche» im Jahre 5522, also genau vor 100 Jahre», die Beerb igungsbrüderfchaft an die Stelle dealte» verfallene» Leichenstein« S auf da- Grab des hochberühmten liturgischen Dichters R. Schimeon Hagadol setzerr ließ, welcher wenige Tage vor dem Ausbruche der erste» große« Judenverfolgung (,"z*ri*rv rnu) im Jahre 10W starb. Der Stein befindet sich am Südende des Friedhofes. Bei den viele» Belagerungen, di« Mainz im Laufe der Jahrhunderte hat erdulden müssen, hat auch der isr. Friedhof viel gelitten und. denkwürdige Leichensteine finden sich fast nur in Folge gelegentlicher Ausgrabungen. Wir werden nächsten- Gelegenheit nehmen, über andere hiesige jüdische Alterthümer z»

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