Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1862)
- Date
- 1862-04-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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143 Aufmerksamkeit den Nosultateu dieser Prüfung folgten, liebe: raschend war das Wissen der Schüler, keine Frage blieb unbeantwortet, und die Leistungen der Lehrer und der Schüler sind ausgezeichnet zu nennen. Die NegicrungScommiffaire, sowie die Eltern waren sehr zufrieden mit der Ausbildung der Zöglinge, und letztere gingen mit dem frohen Bewußtsein nach Hause, daß die auf sie verwandte Mühe reichliche Früchte getragen habe. . B Mit dieser Lehr- Und Erziehungsanstalt ist noch eine Bildungsanstalt für isr. Lehrer verbunden, welche von L Zöglingen besucht wird, und welche am 2. und 3. April öffentlich geprüft wurden. Da es unserer hohen Regierung besonders darum zu thun ist, tüchtige Lehrer zu bekommen, und diese Zöglinge die ersten sind, welche sich dem Lehrerfache an dieser Anstalt widmen, so hat schon einen Tag vorher der Herr evangel. Oberkirchenrath Mühlhäuser die Seminaristen einer Privatprüfnng unterzogen, um sich genau von der Unterrichtsweise, dem Lehrgang und der wissenschaftlichen Ausbildung dieser jungen Leute besonders zu überzeug:«. Die Privatprüfung und die öffentliche Prüfung bei den Seminaristen siel ebenfalls gut aus, und es war nur eine Stimme der Anerkennung bei allen Anwesenden zu vernehmen. Endlich wurde cs Donnerstag Abend 6 Uhr/ und zwei vorgetragene vierstimmige Gesänge zeigten an, daß der Schluß der Prüfung herangekommen war. Nach Beendigung des Gesanges hielt Herr Direktor Or. Plato eine kurze Ansprache mit der Bemerkung , daß die eigentliche Schlußrede Herr Oberrath Altmann sich auserbeten habe, und letzterer drückte in seiner glanzvollen Rede seine Zufriedenheit mit dem Resultat der Prüfung, sowie seinen Dank für das Wirken der Lehrer an dieser Anstalt mit beredtere Worten ans, denn nnc durch vereintes Wirken der Lehrer konnten solche erfreuliche Resultate wie sie die vorübergegangene Prüfung offen darlegtc, erzielt werden. Alle Anwesenden verließen in gehobener Stimmung das Prüsungslocal mit dem Wunsche daß diese Anstalt unter Gottes Segen noch weiter gedeihen und um Segen für Israel fort blühen niöge. Mainz, Ende April. In der zu Lemberg erscheinenden HBrräichen Zeitschrift „Hamewasscr" befindet sich in der literarischen Beilage „hane'cher" ein Gedicht nebst Brief von dem kleinen Sohne des RedacteurS, Herrn Joseph Cohn, die uns Heids mit dem höchsten Erstaunen erfüllen. Nach dem Zeugnisse des Vaters ist dieses wunderbare.Lind erst vier, sage vier Jahre alt, denn eS ist, wie «nder Vater mittheilt, am 28. Schebat 5618 gehöre«» Der Brief beS Knaben ist nicht allein im reinste« und gewandteste» Hebräisch geschrieben, er bekundet auch eine bereits ausgedehnte Bekanntschaft mit Te» nach und Talmud, ja mit der neuesten hebräische« Literatur. Vibelvcrse und Stellen aus dem Talmud sind geschickt in den Brief verflochten, so daß deren geistreiche und oft doppelsinnige Anwendung nicht den Anfänger, sondern den Meister des hebräische« StyleS erkennen läßt. Mit gleicher stylistischer Meisterschaft ist das Gedicht ir-vx welches der Knabe seinem Vater als Purimgeschenk widmet, abgesaßt; wiewohl cs sich allerdings nicht durch Gcdankenreichthum auszeichnet (es enthält einen Vergleich anderer jüdischer Heldinnen: Deborah und Joel rc. mit Esther, in welchem Letzterer die Palme zuerkannt wird), so liest cs sich doch sehr leicht und angenehm, urü» die Verse sind schön und fließend; ja, seltene Worte und Wendungen sind mit anerkcnnenswerthem Geschicke gebraucht, io daß selbst einem Erwachsene» das Gedicht nicht zu geringer Ehre gereichen würbe. Wir können uns des Gedankens nicht erwähren, daß das angegebene Geburtsjahr 5613 ein Druckfehler sei; denn sollte es auch 5603 heißen, so wäre ein solches Geistesproduct eines vierzehnjärigen Knabe» .immerhin bcachtuncswerth. Sollte eS sich aber so verhalten, wie Herr C. es mittheilt, so wäre dieses fcühentwickelte Kind, das Gott erhalten und zum kräftigen Manne heranwachsen lassen möge, eine so wunderbare Erscheinung, wie uns die Geschichte dere» Nur äußerst wenige berichtet; es hätte jene oft bezweifelte Erzählung, daß als sechsjähriges Kind eine scharfsinnige und geistvolle talmudische Abhandlung ausgearbcitet und in der großen Synagoge zu Wilna selbst vorgelragen habe, einen Pendant, und eS wäre zu wünschen, daß der glückliche Pater, Herr Joseph Cohn in Lemberg, durch wohlhabende Glaubensgenossen in den Sl^id gesetzt würde, lediglich der Ausbildung dieses hochbegabten KindeS zn leben.- -?üir gratu!:ren dem Pater nuss Herzlichste zu einem solch?» Sohne und wünschen ihm, daß sich