Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1862)
- Date
- 1862-04-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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144 all die schönen Hoffnungen, welche er an die spätere Entsal? >.I dieser vielversprechenden Knospe knüpft, erfüllen mögen. Meiningen, 17. April. Eine Petition des hiesigen Gemeinderaths gegen Einzugs von Juden hierher wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Karlsruhe, 19. April. Hausser hat seinen Bericht über die volle bürgerliche Gleichstellung der Juden erstattet. Die einzige bemerkenswerthe Modifikation an dem Negierungscntwurfe besteht darin, daß die Frist von fünf Jahren, welche als Uebergangsstadium für die Zulassung zum Allmendgenuß und zur Armenunterstützung gestellt wird, auf zehn Jahre erweitert werden solle. An großer Theil des trefflich gearbeiteten und mit großen geschichtlichen Zügen zeichnenden Berichtes ist der Widerlegung des zum Theil allerdings fabelhaften Inhaltes der s. g. lithographirten Petitionen gewidmet. Solcher Petitionen find im Ganzen bei der zweiten Kammer 194 mit über 18,000 Unterschriften eingelaufen. Von den Städten des Landes haben sich nur ungefähr 6 der kleineren dieser Bewegung angeschlossen, welche in ihrer „Begründung," wenn dieselbe wahr wäre, nicht etwa zur Nichtgleichstellung, sondern zur Vertreibung der Juden aus Baden führen müßte. Nach einem Blicke auf die wirklich vorhandenen Gründe der Abneigung, entsprossen aus der Eigenthümlichkeit des Mischen Volksstammes und seiner Unberührtheit von zahlreichen bürgerlichen, religiösen und sittlichen (?) Entwicklungsmomenten des christlichen Europa, gelangt Häuffer zu der Ueberzeugung, „daß es aus den Gründen des Rechtes und der Billigkeit, wie aus dem Gesichtspunkte christlicher Humanität gestattet und geboten sei, den Grundsatz, auf welchem die Grsetzesvorlage beruht, der Kammer zur Annahme zu empfehlen." (F I) - Karlsruhe, den 25. April. Die Annahme des Gesetzes der Emancipation der Juden erfolgte heute in der 40. Sitzung der, zweiten Kammer einstimmig. Nähere-über die Verhandlungen in der nächsten Nummer. Preußen. Berlin, den 14. April. Der Vorstand des hiesigen Talmudvereins hat folgendes Circulär an alle hiesige Gemeindeglieder versandt: „Der seit einem Jahrzehnd Hieselbst bestehende Talmud-Verein hat eS sich nach den im Jahre 1860 revidirten Statuten zur besonderen Aufgabe gemacht, eine Anstalt zu unterhalten, in welcher der männlichen jüdischen Jugend Gelegenheit geboten wird, eine gründliche Kenntniß des Judenthums zu erlangen und besonderin die heiligen Schriften desselben derart eingeführt zu werden, daß sie später auf diesem Gebiete sich durch eigenes Studium fortzubilden vermag. Der Lehrplan der Anstalt, der in ihren 6 Klaffen zur Ausführung kommt, umfaßt von den Elementen de- Hebräischlesens an hauptsächlich folgende Gegenstände: Gebete, Bibel mit Kommentatoren und in den beiden höheren Klassen auch Mifchna und Talmud. In den wenigen Jahren ihres Bestehens ist die Schülerzahl auf etwa 140 angewachsen; wenn darin einerseits der Beweis dafür liegt, daß sich da- Bedürfniß nach einer solcher! Anstalt inmüten der Gemeinde sehr lebhaft geltend macht, so bezeugt eS andererseits, daß die Anstalt den an sie gestellten Anforderungen in Zollern Maße entspricht, wie dienamentlich die vorjährige öffentliche Prüfung de» wiesen hat. Steht es nach den bisherigen Erfahrungen auch» fest, daß sie einen immer größeren WirkungSkreiS sich verschaffen werde, je mehr es ihr vergönnt fei» wird, in die Oeffentlichkeit zu treten, so glaube« wir, die Unterzeichneten, doch Überzeugt zu sein, daß wir den Wünschen vieler Eltern nur entgegen kommen, wenn wir sie auf die Hsistenz einer solchen Anstalt aufmerksam machen, zumal die Unterrichtszeit mit §er anderer Lehranstalten nicht collidirt und bei demmäßigen Schulgelde von 15 Sgr. monatlich ein wöchentlich achtstündiger Unterricht ertheilt wird. Der löbliche Zweck unseres Unternehmens wird urn sd mehr hervortreten, als gleichzeitig etwa der dritte Theil der Schüler gratis Unterricht erhält, was nur dadurch möglich geworden ist, daß der Verein de« größeren Theil der Kosten aus eigenen Mitteln bestreitet. Mit Rücksicht darauf erlauben wir uns daher; auch Ew. Wohlgeboren freundliche Aufmerksamkeit auf unsere in zwiefacher Beziehung wohlthLtiK wirkende Anstalt hinzulenken, und bemerken nur noch, daß die Unterzeichneten gern bereit sind, auf Verlangen jedwede nähere Auskunft zu ertheileu." Der Vorstand und die NnterrichtsrommMo« de» Talmud-Vereins. Lerantw. Rrd<cktion vr. Lehmann. — Verlag der La Roux'schen Hofbuchhand kmg. Druck von I. Sott-laLan in Madtz.