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Der Israelit · 1862-04-30 · Heft 18 (30.4.1862) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 18 (30.4.1862)
Date
1862-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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desto mehr verpflichtet als ich selbst schon mit eigenen Augen gesehen habe, und mir häufig berichtet wurde, welchen großen Unfug und welche unverzeihliche Entweihung der Religion, besonders die Israeliten auf dem Lande hiemit begehen und verursachen. Diese .... legen die in den gewöhnlichsten Schenkstuben vor den rohesten und ungebildetsten Menschen, ja häufig aus öffentlicher Landstraße, während sie das Vieh vor sich Hertreiben, oder solches sogar an der Hand führen auf die unverständigste und andachtrloseste Art und Weise und verbleiben in entblößtem Arme so lange, bis sie das übliche Gebet in Eile und ohne Andacht hergeplaudert haben, und legen alsdann die pb'sri wieder ab." Lieber Leier! Entschuldige dieses ellenlange Citat, du wirst sehen, daß es das größte der Kritik ist; es war aber unumgänglich nothwendig. Die Antwort des traditionellen Juderrthums auf solche salbungsreiche Expektorationen ist ungefähr folgende: 1) ES ist nicht wahr, daß „gebildete conservative Israeliten" in große Verlegenheit gerathen, wenn sie in Gesellschaft von Nichtjuden vorschriftsmäßig ihr Gebet verrichten sollen. Beispielsweise war ich in meinem Leben, zur Zeit deß Gebetes mindestens schon ebenso oft, wie irgend ein „gebildeter konservativer Israelit" auf „Dampschiffen, Eisenbahnen rc." in Gesellschaft von Nichtjuden und zwar der verschiedensten Stände, und habe ohne die geringste Verlegenheit nicht nur die sondern auch das N'bv pflichtgemäß benützt; was ich nicht erwähnen würde, wenn ich darin nur«, irgend etwa- Uebriges fände. — Da ich nun aber einmal von meiner eigenen Erfahrung spreche, so will ich durchaus nicht verschweigen, baß wie dar sicherlich bei vielen Anderen der Fall gewesen sein wird, gerade diese Observanz zu der freudvollen Gelegenheit führte. Nichtjuden nach ergangener Aufforderung, Aufklärung über rnuv pb'Lni n'L'u zu geben, welcher Gelegenheit gebildete conservative Israeliten keineswegs aus dem Wege zu gehn brauchen. Nur die jüdischen Pfaffen, welche Jedem, der dem pi.-> ->L' einen Finger reicht, noch vier hinznzugeben rathen, können, dem „gebildeten, konservativen Israeliten" durch solche Lächerlichkeiten, diese jüdischeFrcude wie so viele andere zerstören wollen. 2) Daraus folgt, daß eS eine bodenlose Lüge, ja ein Hohn und Spott gegen das Judenthum ist, wenn man behauptet, daß durch daS öffentliche Legen der pb'LN der Anstand verletzt, und sowohl diese NN2 wie die ganze Religion verhöhnt und verspottet werde. Die Begriffe über Anstand, über Spott und Hohn der Religion sind allerdings heutzutage sehr verschieden. Manche mögen allerdings das Entblößen des ArmeS behufs des p7'2r>-Legens für unanständig halten, weil solches ohne dieses Motiv allerdings gegen die konventionellen Formen verstößt. Fragen wir aber einmal dieselben, ob denn in andern Kreisen nicht 'auch sehr oft religiöse Observanzen gegen die übliche Lebensweise verstoßen, ob sie zum Beispiel noch niemals gesehen, wie anderswo Mädchen bei Processiouen mit herabhängendem, ja öfters sogar mit aufgelöstem Haar zur Kirche schreiten. Gestattet dies der Anstand der gesellschaftlichen Ordnung etwa auch? In der That aber wird auch den strengsten Ansprüchen genügend der Anstand nur durch leichtfertige unmotivirte Verletzung desavoir vivrs herbeigeführt. Und nun gar der Hohn und Spott!" Sollen wir uns mit den verkriechen? gerade jenen pb'sri, auf welche schon eine sehr alte Quelle das 'vp ^2 iren 'n '2 anwendet? Ueber solche Gemeinheit darf man gar kein Wort verliere«. In ganz andern Dingen, Ihr augenverdrehenden Söldlinge des -m', besteht der Spott und Hohn gegen die und alle nma! er bestes unter anderem darin, daß man im Eisenbahn- Waggon, auf dem Dampfschiffe re. nicht- «etter zu thun versteht, als sich lebhaft an de» geistreichen Gesprächen zu bethellige», in welchem Gasthofe es da und dort die beste Küche, «ui» wo es da und dort den beste» Wein gebe. Doch brechen wir lieber da ab. 3) Es ist eine Lüge, daß eS an erwähnten Orten an der nöthigen Andacht und Sammlung fehk. Weiter unten werden wir quellengemäß Nachweisen, was zur Störung der Sammlung erforderlich ist, darüber hinaus ist alles nur Pastorales Wortgepränge. Was die Andacht betrifft, so behaupten unsere maßgebenden Glossatore«, daß wir zu der eigentlichen strengen Andacht nicht mehr wie früher geeignet find. UebrigenS wird mit diesem Worte von den Zerstörer» deS traditionellen Usus bekanntlich melfach Unfug getrieben. In Wahrheit kann bet jetzige» CommunicationSwegen, wer da will, so andächtig und gesammelt dort beten, wie eS nothwendig ist; wer eS aber nicht will, wird solches auch zu Hause nie und nimmer thun. - 4) Das Postulat an die Rabbiner um „AuShilfSmittel" ist eine moderne Erfindung, und waS die Drohung betrifft, daß ja schon Viele diese wie andere religiöse Vorschriften vernachlässigten, so antwortet schon der BolkSwitz daraus derb und kräftigst: „Dange machen gm nicht." DaS jüdische Leben wird durch Gtüv» kung der praktischen, Institutionen

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