Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1862)
- Date
- 1862-04-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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138 heit der Stadt zur Zierde gereicht; der hochverehrte 8ir Kloses ölontokiore in London schenkte dem neuerbarrten Gotteshause d,:rL den hiesigen Vanquier H. Davidsohn die erste Gesetzesrolle Zu gleicher ^eit organisirte sich auch eine polnische Gemeinde unter dem Namen „Ledeorit ckisrac-I," die mit einem Kostenaufwande von 20,000 Dollar ebenfalls eine schöne Synagoge erbaute. Erstere Gemeinde zählt heute 280 Mitglieder, letztere 150. Inzwischen breiteten sich unsere Glaubensbrüder im ganzen Staate aus, so das; Gemeinden und Woblthätigkeitsvereine sich aller Orten befinden; so in LLcramentv zwei Gemeinden, mit einem gewissen vr. Cohn als Prediger und Chasan an der Spitze; ferner 8an ckoLe, 8onor«, Orass Valley, Revaa.i, 1,03 ^.nxolvs, 8toli.1oa u. s. w., u. s. w. Hier in San Francisko wohnen ungefähr tausend jüdische Familien, so daß an den verflossenen hohen Festtagen außer den zwei erwähnten Gotteshäusern und dem Bet Hamidrasch noch 5 interimistische Synagogen errichtet werden mußten, welche alle überfüllt waren. An der polnischen Gemeinde fungirt ein gewisser vr. Henri als Prediger und Chasan, ein frommer, ehrwürdiger Mann; er bezieht, die Nebeneinkünste ungerechnet, einen monatlichen Gehalt von 150 Dollar. Dieser vr. Henri ist ein Anhänger des wahren Glaubens, sucht das Alte zu erhalten und ist auch ein guter Talmudist. Die Gemeinde „Lwanuel" hatte vor einigen Jahren nacheinander einen vr. Eckman und einen Herrn Vien angestellt, von denen jedoch ein Jeder nur 1 Jahr die Stelle eines Lehrers und Predigers bekleidete, da sie den Wünschen der Gemeinde nicht entsprachen. Hierauf war die Gemeinde eine Zeit lang ohne Prediger, bis vor ungefähr anderthalb Jahren ein gewisser vr. Man Cohn, auS der preußischen Provinz Posen gebürtig, der damals als Prediger in Albany, im Staate New-Jork sungirte, auf 5 Jahre angestellt wurde. Mit seinem Erscheinen begann leider hier eine neue Epoche; ich sage leider,^denn die Gemeinde vmunuel, die bis dahin von verderblicher Reform Nichts wußte und ihren Gottesdienst ganz nach den Grundsätzen unserer h. Religion eingerichtet hatte, ward bald von vr. Cohn der Reform in die Arme geführt; zwar streubte sich die Minorität gewaltig, aber es war nur die Minorität. Sofort wurden nach christlicher Mode die Männer und Frauen im Gotteshause vereinigt, der Chasan mutzte der heiligen Lade den Nüaen wenden und beim Vorlesen der Thora wurde der dreijährige Cyclus eingesührt; auch wußte Herr vr. C. den Beschluß zur Annahme zu bringen, daß unser altchrwürdigeS Gebetbuch bei Seite gelegt, und die sogenannte Merzbach'sche. eingesührt werden sollte — aber sie ist G. s. D. nicht eingesührt worden. Die erwähnte nd'-m leugnet die Ankunft des Erlösers, die Rückkehr nach dem h. Lande, die dereiüstige Belebung der Tobten u. s. w., u. s. w. Ilebethaupt ist die Opposition gegen die beabsichtigten Reformen so stark, daß die Beschlüsse eben Beschlüsse bleiben und nicht zur Thal übergehen; so wird das Äußafgebet noch heute in der Synaaoge verrichtet, wiewohl dessen Abschaffung schon längst zum Beschluß erhoben, und wie sehr auch H. vr. Cin seinen Predigten gegen die zweiten Feiertage, gegen das Halten der Trauergesetze eifert, so wird doch Alles beobachtet. Am eifrigsten spricht er stets gegen die zu erwartende Ankunft deS Erlösers, er meint San Francisco sei Jerusalem, freilich sein Jerusalem, da er außer höchst bedeutenden Ncbeneinkünsten einen monatlichen Gehalt von 250 Dollar bezieht. Was soll ein Reformprediger, der jährlich 12—12060 Gulden einnimmt, noch auf Erlösung hoffen s Herr Vr. C. behauptet ferner, es gebe keine Kohanim mehr, und dennoch nimmt er pn — weil es etwas einträgt. Speisen, die das Religion-gesetz verbietet, munden ihm vortrefflich. Uebrigens ist er ein guter Predige und in seinem Privatleben sehr achtbar. Wie ich höre, soll er einmal in Brandenburg in Preußen als Prediger fungirt haben, wo er den Orthodoxen gespielt haben soll.*) Hier in S. F. bestehen zwei Wohlthätigleitsoer« eine für Männer und zwei für Frauen, ferner zwei Begräbnißplätze, die an Schönheit kaum übertroffen werden können und deren Einrichtung circa 35000 Dollar gekostet hat, auch besteht hier eine geheime Gesellschaft 'O genannt, deren Zweck die Versorgung der Wittwen und Waisen der Mitglieder ist. Dieser Orden ist über ganz Amerika verbreitet und der Sitz der großen Loge ist in New-Jork. — Die Israeliten erfreuen sich hier der höchsten Achtung von Seiten ihrer Mitbürger; eS gibt unter ihnen Engroisten, VanguierS, Handwerker. Bauern, Advokaten und Aerzte. Einer unserer Glaubensgenossen ist erster Richter beim obersten Gerichtshöfe im Staate. Noch jedes Jahr war ein Jude in der Kammer der Abgeordneten, aüK haben die Jude» die höchsten Ehrenyellen bei allen Gesellschaften inne. — Der größte Krebsschaden unter den hiesige» Israeliten sowohl wie in ganz Amerika ist die Entweihung des Sabbats, welche leider eure furchtbare Ausdehnung erlangt hat. Gemischte Ehe» gibt es G. s. D. hier keine, und nur drei Familien wohnen hier, welche ihre Kinder nicht beschneiden lassen. — Auch *) Anmerk. d. Red.: Ja, aber auch nur «Welt hat; er wurde schon damals von würdigen, achtbaren Männern durchschaut und wir selbst Körten den ebrwürctgen Hrn. P. im Dran» drnburg vrch.'ilrn: .Wir habe« einen Prediger, dessen Inneres nicht mit seinem Benehmen überrinpimmt (N22 OM p»).