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Der Israelit · 1862-04-09 · Heft 15-16 (9.4.1862) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 15-16 (9.4.1862)
Date
1862-04-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ist er, diese Jdeeenfülle einem Publikum, hei de« man durchaus keine tiefere Kenntniß de- JudeNf thumeL voraussetzen darf, zum Verständniß zu bringe«. Rechnet man hierzu noch den Umstand, daß Herr vr. Kayserling mit diesen Vorträgen zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit herantritt, so wird eS gewiß doppelte Anerkennung verdiene», wenn trotz aller dieser Schwierigkeiten und Hemmnisse eS doch Herrn vr.K. gelingt, dalebhafteste Interesse für seinen Gegenstand zu erwecken. Zwei Umstände sind es besonders, denen dies zuzuschreiben ist. Einmal ist eS die Liefe, mit der Herr vr. Kayserling in den Schacht der Psalmen sich zu versenken und die schönsten Edelsteine aus ihm hervorzuholen versteht, andrerseits aber auch die Wärme, die innige Begeisterung, mit der er das heilige Psalmbuch als das Kleinod auffaßt, das in Noth und Verfolgung unseren Vätern als Stab und Stütze diente und das selbst bei Völkern anderen Glaubens und anderen Stammes seinen beseligenden und kräftigenden Einfluß nicht verfehlt hat. Diese Wärme und Begeisterung durchwehte den ganzen Vortrag, so daß unwillkürlich der Zuhörer von ihr mit ergriffen wurde und daß gewiß Jeder, an Geist und Gemüth gleich befriedigt, den Vortrag verließ. Den vierten Gegenstand endlich bildet der Midrasch, den Herr vr. Wiener übernommen. Wer möchte leugnen, daß eS eine gar schwere Aufgabe ist, in unserer Zeit vor einem Publikum, bei dem man kaum mehr als allgemein menschliche Bildung voraussetzen darf, Midrasch vorzutragen, Midrasch, in dem ja gerade die in so vielen Punkten der modernen schroff entgegenstehende Wett- und Lebensanschauung des Judenthums, wie unsere Weisen es aufgefaßt, niedergelegt ist, aber wer möchte auch andrerseits verkennen , wie dankbar es ist, diese Jdeeen unserer Weisen zu verfolgen und die in ihnen dargelegten ewigen Wahrheiten zu erkennen und zu begreifen? Leider müssen wir sagen, daß Herr vr. Wiener den Zweck des Midraschvortrags nicht in dieser Erkenntnitz zu suchen scheint. Indem er mit einer Gelehrsamkeit, wie man sie von dem als Historiker so berühmten Manne wohl erwarten darf, die formale Seite des Midrasch beleuchtet und oft Einem Ausdrucke eine halbstündliche Betrachtung widmet, bricht er andrerseits seinem ganzen Vorträge die Spitze ab durch die Erklärung, die er ihm § vorangeschickt, daß i nämlich die Anschauungen; deS^Midraschpon jch§» unseren wett verschieden seien?, Es iß leider.. uusylgbar, daß Biele», Bttk» änS Mftktt Wtt« i» d» neueren Zeit die Weltanschauung deck Midrasch, der in allem Thun und Treiben der Menschheit av bewegenden und lenkenden Factor den Herr» erkenn^ kremd geworden; aber vom Standpunkte deck Jude» thumS aus ist dies als ein Rückschritt, ei« entschiedener Rückschritt z» beklage« und so lang« töerde» Vorträge, in denen dann eben nur die formale Sette das Hauptelement bilden kann, für das religiöse s den durchaus unersprießlich und fruchtlos fett». Wemt aber in unserer Zeit eS doppelt nöthig istj die Liebe zum Judenthum wach zu halten, so wird mit Bors trägen, wie Herr vr. Wiener sie bisher gehakten, für diesen Zweck sehr wenig zu erreichen sei» rmd wenn Herrn vr. W. wirklich (und wer möchte dies bezweifeln), Hebung des ThorageisteS und der Thora, kenntniß am Herzen liegt, so dürste nur die Auffassung der Jdeeen des Midrasch der richtige Weg.Pt diesem Ziele sei«. ' .n 6r,-r! Wir schließen mit dem aufrichtigen Danke geg» alle die Herren, welche sich um der Pflege unserer heiligen Lehre willen der Mühe dieser Vorträge unterzogen und mit dem Wunsche, daß der durch diese ausgestreute Saamen bald zur schönen und kräftige» Saat reifen möge. - - in ..-2- > . -j6 Preußen. : --s r Berlin, 27. März. Aus Danzig erfährt ei» Berliner Correspondent der ,H. N.* folgenden FaL: ES handelte sich daselbst um Besetzung des holländischen Consulats, zu welchem sich circa 60 der angesehensten Kaufleute gemeldet haben sollte». Bo» der holländischen Regierung wurde ihrem hiesige» Gesandten Baron Schimmelpennink eine engere Liße zur Begutachtung übersendet; der Gesandte entschied sich für einen der Bewerber und theilte den Name» desselben, wie dieß üblich, vor der Ernennung de» hiesigen auswärtigen Ministerium mit. Zu seinem Erstaunen erhielt er von dem Grafen Bernstorff dafreundliche Gesuch, sich doch lieber für einen ander« Namen zu entscheiden, da der von dem Gesandt« Gewählte ein Jude sei. Es muß bemerkt werden, daß in Danzig sowohl, wie in Berlin Mische Cou-

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