Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 15-16 (9.4.1862)
- Date
- 1862-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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. .. . 7 2,. . J-raelS Erbtheil ist die Notzeit, daS der Heiden Lüge. Wo haben wir die Wahrheit zu suchen? Groß und gewaltig ist des Menschen Geist und der herrlichsten Entwickelung fähig. Zu gemeinsamem Leben sammeln sich die Erdensöhne, um vereint mit dm Elementen zu ringen und in Gemeinschaft sich die ganze Natur zu unterwerfen. Nachdem der Natur das zum Leben Nothwendige abgerungen, wird auch für das Ueberflüssige, für daS die Bequemlichkeit Fördernde Sorge getragen; jedes Geschlecht sammelt seine Erfahrungen und überliefert sie dem kommenden Geschlechts, daS wiederum weiterschreitet; der Sinn für daS Schöne erwacht und die Kunst beginnt daS Leben zu erheitern; während die Schifffahrt die Hindernisse, die der ländertrennende Ocean dem Verkehr in dm Weg legt, hinwegrLumt, während der Handel die Erzeugnisse des Südens dem Norden zuführt, und die Produkte des Ostens mit denen des Westens austauscht, während die Industrie immer höhere Gebilde erzielt, Raum und Zeit durch daS Sinnen und Trachten der Menschen überwunden wird, ist auch der Geist nicht träge und ringt nach Wahrheit, und die Wissenschaften blühen empor. Dem Geiste des Menschen wohnt dieses Hingen nach Wahrheit inne, ja ohne dasselbe kein Geist. ES forscht der Mensch nach den letzten Gründen alles Seienden — aber kann er sie finden, kann er sie erkennen? Und wenn noch so herrlich die Cultur der Völker, wenn noch so ausgebreitet die Industrie, noch so schön und erhaben die Kunst, ja noch so bedeutend die Errungenschaften des Wissens, noch so emsig das Ringen nach Wahrheit — durch all das wird die Wahrheit nicht erlangt, des Lebens einzig wahrer Zweck nicht erreicht. Wohl befördern Civilisation und Kunst und Wissenschaften und Handel die Annehmlichkeiten dieses irdischen Lebens, wohl beut sogar die Wissenschaft die Hand, sie zu vermehren — aber, wenn des Lebens einzig wahrhafter Endzweck fehlt, so ist Alles nur glänzendes Gewand einer in Gold und Diamanten gekleideten, einer in Fäulniß übergehenden Leiche xvi ivw niroi und durch Eins wird die Thorheit und Beschränktheit der Heiden offenbar: die Zucht des GötzentandeS — ist Holz. Wenn 121x2 son lvoirv ppio 122 Handel und Schifffahrt die kostbarsten Schätze der entferntesten Gegenden herbeisühren, wenn auch 'i'i Nil", die Kunst hoch emporblüht und 12)1x1 die Industrie das Köstlichste schafft,! wenn auch 2d2 O'QDn ,-iVpo die Wissenschaft Großes , leistet, so kann doch das Alles dem Leben der Mensch- § heit den eigentlichen Werth nicht verleihen. Wie war doch das Leben der alten Völker, der Griechen j und Römer ein in allen Beziehungen so weit vorgez schrittenes! Die Ruinen der Baudenkmäler der alten WeH die Gesetzbücher ihrer Staaten zeugen von ihrer Lsdmtenden Cultur, in Kunst und Wissenschaft sind Einzelne unter ihnen noch heute unerreicht gedlieven, und das Leben dieser bevorzugten Völker bot zur Zeit ihrer höchsten Blüthe nichts als Moder und Fäulniß — cS fehlte ihnen des Lebeneinzig wahrhafter Endzweck, eS fehlte chnen imrch 2vx, die Wahrheit aller Wahrheit, ohne die alles Andere nichtdenn Lüge ist L'p^x xi.n rvx v'pbnl. Aber Israels Erbtheil ist die Wahrheit, in Gott hat der Israelit die Wahrheit gefunden, die seinem Leben den wahrhaften Zweck verleiht. Da ist und bleibt dieses Leben nur eine Vorbereitung für et« künftiges, schöneres, besseres, und der Wahrheit, der einzigm höchsten Wahrheit entsprechend und zu ihr hinstrebend gestaltet sich alles Denken und Handel». Da kann nicht mehr Leeres, Nutz- und Zweckloses innerhalb des Lebens des echten Israeliten Platz greifen; jede That ist eine Gottgebotene und daher das Heil fördernde in dieser und in jener Welt. Ein einziger Grundsatz ift's, aus dem die eine, aber allumfassende Wahrheit sich aufbaut und das Lebe» des Israeliten beherrscht und umschließt. Und dieser Grundsatz heißt Gott, und von ihm aus strebt Mezu Gott. IN. Dem snl» N. Ausgeführtm entsprechend gestaltet sich denn auch die Dauer Israels süc die Ewigkeit, während das Heidenthum vergeht: »So saget ihnen doch: Die Götter, die Himmel und Erde nicht, geschaffen haben, müssen vergehen." Ein jedes Volk, wie sie alle nacheinander auf dem Schauvlatz der Weltenbühne erschienen sind, hat irgend eme Aufgabe vorzugsweise zu erfüllen. Die Entwickelung dieser Aufgabe bedingt dar Emporblühen dieses Volke-, die Erfüllung derselben ist die höchste Blüthe de- VolkeS; nachher tritt der Verfall ein. Die Weltgeschichte hat soviel Perioden, wie es große Ideen gibt, die zu verwirklichen waren und find. So hatten beispielsweise die Griechen den Gedanken der Schönheit zu cultiviren; daher Griechenlands schöne Blüthe, daher nach der Nealisirung dieses Gedankens sän Verfall. Israel hat den ewigen Grundsatz allerichtigen Denkens, Israel hat die Wahrheit zu tragen, darum ist Israel ewig, unvergänglich; denn wird dieser Gedanke ausgetragen sein für alle Welt, so! wird auch aller Welt das ewige Heil erblühen. Bidahin muß Israel manchmal den übrigen Völkern nachstchen, denn die Wahrheit trägt ein unscheinbares Gewand Seht jenes Weizenfeld: Die Stoppel : sprichtstolz: »Das Wichtigste bin ich, denn auf mir z ruht Alles, ich trage Alles". Das Stroh r ist nicht ' minder floh aus: »Das Wichtigste bin ich, L n hoch