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Der Israelit · 1862-03-19 · Heft 12 (19.3.1862) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 12 (19.3.1862)
Date
1862-03-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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SS dle Meinung nicht unterstellen als betrachte er Judenthum und Atheismus als identisch; wir müssen aber auch gegen die unbedeutendste Gemeinschaft mit dem letzteren alles Ernstes protestiren. Nur von gemeinsamen Grundlagen aus gelangt man zu denselben Resultaten, und diese Gemeinsamkeit existirt nirgends als vielleicht in den Anschauungen des Herrn von B.-H. Doch wir betrachten uns einmal die Beschuldigung selbst: «das Judenthum sei yerfolgungssüchtig!" Was versteht Herr v. B. H. unter Judenthum? Begreift er darunter die heilige Religion Israels, wie sie in schriftlicher und mündlicher Lehre aller Welt offen vorliegt, so ist diese Behauptung von der Wahrheit weiter entfernt als der Himmel von der Erde. Die Religion Israels, welche »eine Lehre für den Einheimischen wie für den Fremden" vorschreibt, die da lehrt: »Du sollst den Fremden nicht drücken" ,,du sollst den Aegypter trotz aller erlittener Unbill nicht verabscheuen,» »du sollst den Eüomiter trotz seines Bruderhasses gegen dich, nicht verabscheuen", „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", ist wahrlich nicht verfolgungssüchtig. Der Talmud, welcher als Hauptgrundsatz der Religion die Lehre aufstellt: »Was Dir nicht gefallt, daß man Dir eS thue, das thue auch keinem Anderen," der Talmud, der da im Gegensätze zu andern Religionen lehrt: »Die Frommen aller Nationen haben Antheil an der zukünftigen Welt, an der ewigen Seligkeit" ist sicher nicht verfolgungssüchtig. Versteht aber der Herr Kultusminister unter Judenthum die Juden, sir möchte eS ihm doch schwer fallen, den Beweis für seine Behauptung zu liefern. Seit Jahrtausenden gehören unsere Glaubensgenossen zu den Verfolgten, zu den hart und grausam Verfolgten, und niemals haben sie zu den Verfolgern gehört Wir ersuchen, Herrn von B.-H. uns auch nur ein einziges Beispiel aus unserer Geschichte anzugeben, wo Juden Anhänger anderer Religionen ihres Glaubens halber verfolgt hätten! Wir glauben die Geschichte unseres Volkes genau zu kennen, aber kein solches Beispiel ist uns bekannt. Daß wir die solidarische Verpflichtung der Juden selbst, innerhalb des Judenthums zu leben und zu sterben, als solche anerkennen und demgemäß handeln, kann uns von Niemandem verdacht werden, und in dieser Beziehung sollte und konnte uns der Vorwurf des Herrn von B.-H. nicht treffen. Andersgläubigen gegenüber liegt uns jede Verfolgungssucht, ja jede Intoleranz schon um desseutwillen außerordentlich fern, da die Proselytenmachern dem Judenthume nicht allein fremd, sondern sogar verboten ist und daher von den Juden verabscheut wird. Das Judenthum kann keinen Nichtjuden um seines Glaubenswillea verfolgen wollen, da es weder wünscht noch will, daß sich ei» solcher zum Gesetze Moscheh'S bekenne, da es de« Bekennern anderer Religionen die ewige Seligkeit nicht abspricht. Sobald der Nichtjnde die sieben noachi, tischen Gebote beobachtet und die Beobachtung derselben ist ja auch durch das Christenthum geboten,") so gehört er zu den Frommen der Nationen und ist als solcher der ewigen Seligkeit theilhaftig. Woher soll bei solchen Anschauungen die Versolgungssucht kommen? Der Ausspruch des Herrn CultusministerS von Bethmann-Hollweg dringt uns leider wieder einmal die traurige Ueberzeugung auf, daß noch in alk» Schichten der Bevölkerung selbst bä sonst wohlgesinnten und edeldenkenden Männer» ein Borurtheil gegen Juden und Judenthum herrscht, das zum größten Theile aus Unkenptniß entspringt; daß aber Jemand in Preußen Cultusminister sein kann, der nicht allein mit derartigen Borurtheilen behaftet itz sondern dieselben sogar im Hause der Abgeordnete« als maaßgebend für seine Negierungshandkmge» geltend macht, ist ein trauriges Zeichen der Zeit. Wann werden diese Vorurtheile schwinden und einer auf Kenntniß der Verhältnisse basirenden Neberzeugung endlich weichen müssen? — Soeben, nachdem wir Vorstehendes geschrieben; geht uns die Nachricht zu, Herr von B.-H. habe sei» Portefeuille niedergelegt. Sollte nicht sener im Vorstehenden besprochene und widerlege Ausspruch, Mitveranlassung dieses bedeutungsvollen Schrittes gewesen sein? Wer wird Herr« von B.-H. ersetze«? Werden wir vielleicht unsere obeu ausgesprochene Hoffnung realisirt sehen und werden die Vorurtheile gegen unser so lange nicht allein bedrücktes, sonver» auch verkanntes Volk bald schwinden? Literarischer Bericht. Di? Kchke? istj. DepulirLen-VriAmurlung im Jakr? LM unä ikr? Jette?. Ich beeile mich. Ihnen Mitteilung von einer, mir in diesen Tagen gebotenen literarischen Freude zu machen, und zweifle ich nicht, daß Sie, nachdem der Gegenstand derselben, wie dies demnächst der Fall sein wird, Ihnen vorliegen wird, diese meine Freude ganz gerecht finden werden. *) Anmerkung. Die 7 noachltischen Tröste sind grSßtaitheils sittlichen Charakters, sie sind: Dcebot deS Götzendienstes, der Gotteslästerung, der Unzucht, des Mordes, des Raubes, Te» bot der Handhabung deS Rechts, Verbot des Genusses »o» Fleisch von einem lebendigen Thtere.

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