Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1862)
- Date
- 1862-03-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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94 Etn^r mcnrer Freunde, nämlich ein begeisterter Ungarsrennd, aber ein noch viel beigcsterterer Freund der vielen Tausende von echten ruwcrwandelten Jebudim in diesem viermalhnnderttauscnd unserer Glaubensgenoffen zahlenden Lande, zeigte mir vor einigen Tagen, eine sehr interessante Arbeit über die im ver gangenen Sommer in Pesch tagende indische Notablcn- Lersammlung. Die Arbeit giftet nur so außerordentlich, daß ich nicht aufhörte in den Verfasser so lange aus die Veröffentlichung derselben zu dringen, bis er mir dies sicher versprach.*) Gegenwärtige Zeilen nun wollen ein kleines Schälstein zur Verbreitung dieser wenn auch kleinen, aber sehr gediegenen Schrift beitragen, und sollte cs mich sehr freuen, wenn ich meinen Zweck, diese Arbeit nicht nur unseren ungarischen Glaubensgenossen, für die sie unmittelbares Znterreffe bietet, sondern unfern Glaubensbrüdern überhaupt, für welche eS auch gar Manches zu denken darin gibt, zugänglicher zu machen, auch nur annähernd erreicht haben würde. Ihnen wohl weniger, aber vielleicht Ihren geschätzten Lesern, wird diese ganze Notablen-Versammlung nur eine ziemlich unbekannte Größe sein, da sie von Geburt schon ein Embryo, seit neun Monaten den Weg alles Fleisches gegangen ist. Sie war allerdings nicht dazu angeihan, daß eS besonders angenehm wäre, sie aus dem Grabe erstehen zu sehen; aber Kraft meiner Pflicht als Necensent, muß ich sie schon ans einige Minuten aus dem Grade erwecken- Schade nur, daß ich dem Sprichwörter Os nrortum vHül nmi bene nicht gerecht werden kann. Allo. Die Pesther Kultus-Gemeinde, welche, beiläufig gesagt, schon seit vielen Jahren, hegemonistische und centralifirende Anwandlungen hat, benutzte das Zusammentreten des ungarischen Landtags im April vorigen Jahres zur Berufung einer Versammlung israelitischer Gemeinden nnd Bezirks-Vorstände über Schritte, welche bei den versammelten legitimen Gesetzgebern des Landes in Emanclpations-Angelegenheiten der Israeliten geschehen sollten. Soweit erscheint Zweck und Absicht dieser Versammlung sehr unschuldiger Natur. Allein, wir srich Mein, mit den ungarischen Verhältnissen besonders vertrauter Freund darüber auftlärte, waren schon sofort bei der Aufforderung die Glauben-treuen Ungarns nicht ohne Besorguiß über die Aufrichtigkeit dieses ostensirten Grundes. Veranlassung hiezv gab ihnen der Präcedenzsall, daß eine in den Vierziger Jahren, rein zu politischen, besonders zur Negulirung von Steuer-Angelegenheiten tagende Versammlung, ein wenig in Cultus-Nesormen Geschäfte zu machen anfing, ein sogenanntes jüdische- Religionsbnch, in welchem aber von solchen Kleinigkeiten wie rni'.Ox und überhaupt von specifischen *) Anm. b. Ntd.: Die Arbeit ist seitdem erschiene«; stehe dir Anzeigen in voriger Nummer. Ritual-Gesetzen mit k.imm Sterbenswörtchen Erwähnung geschehen, vom damaligen Rabbiner Leopold Schwad, angeblich als Leitfaden für den jüdischen Lehrling und Gesellen, dann aber cingestandenermnaßen aucb zu-oem Zwecke entwerfen ließ, um es als Inbegriff der jüdischen Religion dem Landtage vorznlcgen und dasselbe als gesetzlich giltig für Ungarn anerkennen zu lagen. Das Jahr 1848 stürmte heran, und zertrümmerte diese wie tausend andere Intentionen. Von dieser Versammlung ist heute nichts übrig als ihr Andenken in der Geschichte; der Geschichte aber, die nichts verschweigt und nichts vergißt, gehört diese Versammlung mit ihren Sprüngen an; ihr gehört auch obiges mir vorliegende Neligionsbuch an. worüber ich Ihnen gelegentlich eine Recension einsenden werde; damit verbinde ich dann vielleicht eine Deurtheilung von interreffanten Nesorm- Borschlägen in Kultus Angelegenheiten, welche in den fünfziger Jahren ein ungarisches jüdische- ComitL der Regierung anempfahl. In Erinnerung nun der obenerwähnten Uebergriffe in das religiöse Feld (und was schon in den vierziger Jahren möglich war, gehörte im Jahre 1861 durchaus nicht zu den Unmöglichkeiten, ja nicht einmal zu den Uuwahrschemlichkeiten) „merkte die überwiegend strenggläubige Mische Bevölkerung die Absicht und sie war verstimmt.* Diese Verstimmung hatte die imposante Folge, daß die größte Hälfte der Eingeladenen nicht erschien und dadurch so ipso, eia Mißtrauensvotum gegen die Versammlung aussprach. Die versammelte Minorität rum tagte, und beschloß, natürlich nicht als Vertretung der ungarischen Israeliten, deren Minorität sie bildete, aber doch wenigstens im Namen ihrer Auftraggeber, daß gar keine positiven Schritte zur Anbahnung der Emancipation geschehen sollten. Es wäre dieses also sehr einfach, und wenig Stoff zu eine« Broschüre. Aber eS waren zwei Nabbinen m echt modernem Style und zugleich Redakteure, Mitglieder dieser Rumpf-Versammlung; Meise! der Vater des unterdeß unselig entschlafenen Karmel und Löw, der des Beu Chananja. Zwei Nabbinen und Redakteure dazu, geben sich nicht so leicht zufrieden; sie muffe» Etwas zu thun haben, wo nicht, so machen sie sich Etwas zu thun. So hat diese Versammlung eine sehr interessante geheime Geschichte — eine rechte Hinterden - Kouliffen-Jntrigue, ein kostbares Pfaffenstück, und dieses letztere ist eben der sehr anziehende Inhalt der vorliegenden Arbeit. Wer diese Charakterzeichmmgen gelesen haben wird» wird sich fortan über Manchenicht wundern, worüber er sonst vielleicht höchst verwundert wäre. Er wird audiesen wenigen Blättern um einige Data mehr darüber bereichert sein, was man von der Treue und Aufrichtigkeit moderner Rabbiner zu halten habe. Gr wird daraus lernen, daß einem modernen Rabbiner