Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1862-03-12 · Heft 11 (12.3.1862) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 11 (12.3.1862)
Date
1862-03-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447036-2447048--01202-2456440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

SS den dem Tode für die Ewigkeit — aber die Söhne und die Töchter unserer Zeit, find steetwa gezwungen zu dem Absalle von Gottes Gesetz, bedroht sie etwa der Tod durch's Schwert, der Scheiterhaufen oder das Wellengrab? Ach, eS zwingt sie einzig, die blinde Sündenlust, die Bequemlichkeit, die Genußsucht, die Eitelkeit und der Wahn. Unsere Weisen erzählen, daß, als Gott beschlossen hatte, dem AmalekS-Enkel, dem Haman, freie Hand zu lasten, da sei wehklagend Elijahu zu dem Berge Nebo geeilt und habe jammernd gerufen: Moschch, Moscheh, du treuer Hirt, der du so oft Verzeihung erstehet bei Gott, so oft Israel von Verderben errettet hast, erstehe auch jetzt aus deinem Grabe denn deine Heerde bedroht Vernichtung. Als Moscheh also vernahm, erschrak er sehr, eilte hervor aus seinem Grabe und ließ sich die Sünde Israels erzählen. „Ist denn Niemand unter ihnen fragte er, der gcsinnungstrcu und fromm, dessen Gebet angenehm bei Gott?" „Wohl, enlgcgnete Elijahu, 'm.i' V'rr, ein wahrhafter Jude, Mardechai, lebt in Susa." „Nun denn, sprach Moscheh, so mag er beten auf Erden, uud ich will flehen im Himmel, OM' 's>ix, vielleicht erbarmt sich Gott." Bekümmert entgegnete Elijahu: „Aber beschlossen ist die Vernichtung und besiegelt!" „Wohl, sprach Moscheh, wenn ihre Seele sich abgewandt hat ganz und gar von der heiligen Gotteslehre, wenn sie wandeln in ihres Herzens Lust und noch gar recht daran zu thun glauben, dann wehe ihnen; wenn sie sich aber bloß haben Hinreißen lasten von Genußsucht uud Leidenschaft, jo wird Gott ihnen verzeihen." Er sprach'- und stieg empor als Flehender vor Gottes Thron. Nunmehr eilte Elijahu zu Mardechai, zählte ihm Alks, was geschehen, nannte ihm die Summe Geldes, mit der Haman die Vernichtung der Inder» erlauft halte, verkündete ihm den von Moscheh ihm gewordenen Auftrag» Da zerriß Mardechai seire Kleider, weinte lau: und bitterlich und ordnete Trauer und Fasten m Susa an. Wie hatte Trauer und Wehmuth alle Gemüther ergriffen! Wenn Jemand seines Herzens Liebling durch den unerbiUcrlichen Tod verliert, und wenn noch so brennend der Schmerz ihn quält — cs naht die Zc.t mit lindem Fittig und fächelt ihm Kühlung zu — unsere Eltern in Persien aber, ihr Schmerz ward brennender mit jedem Augenblick, denn jeder Augenblick führte sie den» Verderben näher. Wenn Jemand verliert ein Kind aus der Reihe seiner Kinder, so sucht er Trost in den übrigbleibenden; unsere Eltern in Persien aber sollten sterbep sehr» Alle, Alle, die ihnen theuer waren. Auch die Kmder hatte Mardechai versammelt, 22000 an der Zahl, und die Kinder weinten und safteten und beteten. ES brachten ihnen ihre Mütter zu essen, aber die Kinder wandten sich ab und riesen aus: Rein, fastend wollen wir sterben mit unserrn Lehrer Mar» dcchai! — Und unser Lehrer Moscheh sprach zu» allmächtigen Gott: „Erhöre doch da- Gebet der Kinder , die nicht gesündigt haben. Siehe dein LE erzieht seine Kinder in Gottesfurcht! Horch, wie sie beten zu Dir und emporrufen all die Verheißungen deiner Propheten, nicht hat sich abgewandt das Herz deines Volkes von der Lehre! Von Leidenschaft nur verleitet, haben sie Raum gegeben der Sünde uud dem Abfall — erbarme Dich, Allerbarmer, erbarme Dich!" Und Gott erbarmte sich, zerriß den Mordbesehl Haman'S und schleuderte ihn dem Könige, iu- Autlitz. MV iinm mnn nv''» ID Und alsobald ließ Er kommen über AhaSver jene schlaflose Nacht, die da Rettung anbahute für Israel! Das Gebet der Kinder also war es vorzüglich, das uns Rettung gebracht hat. Heute, wo sind i» vielen großen und kleinen Gemcütden die Kind«, welche zu Gott zu flehen vermögen, wo ist das Lehrhaus, in dem sie unterrichtet werdet», in dem sie erfahren die Verheißungen der Propheten und die Pflichten des Juden? In den Anstalten anderer Nationen werden vielfach die Kinder erzogen, und vom Judenthume erfahren sie so viel une nichts, die heilige Sprache wird nickt gelehrt, das Gottesbuch bleibt ihnen verschlossen und der sogenannte Religionsunterricht ist meistens so dürr und mager, ja unjüdisch, in ollen Fülle» aber ungenügend. Zu sicher dünkt sich unser Geschlecht. es vertrant zu sehr auf der Zeiten Gunst. Auch unsere Voreltern Lebten geachtet und geehrt im milden Perserreiche, sie waren sogar zur Tafel de- Königs geladen, ihre Schwester war erhoben auf Lea königlichen Tbron. Und doch bedurfte es nur cines Winkes von Gott und jener Wächter des verletzten Weinbergs zeigte fletschend seine Zähne, und alle- Glück und aller Wohlstand war sofort verwandelt in Noch und Elend, in Jammer uns Klage. Gott hat damals unsere Voreltern errettet, da sie zurückkehrten in Neue und Buße zu Ihm. Gott allein ist's, der auch uns reitet, schützt und erhält. Tatst eben der Beweis, daß Israel ist und bleiben wird ein gottgewechtes Volk, daß kein noch so schweres Ver- HLngniß Israel zu vernichten vermag, sondern vielmehr es aus'S Neue zmücksührt zu seinem Vater im Himmel. Ja, Israel in seiner Gesammtheit ist und wird ewig bleiben ein gotlgeweihtcs Volk. — Das Lesen des Buches Esther möge dieses Bewußtsein immer neu in uns erstarken lasten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.