Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1862)
- Date
- 1862-03-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447036-2447047--01196-2456433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
78 überhaupt bereits einen solch beträchtlichen Lesekreis errungen, wie dies zur Publicirung und Kundmachung eines ähnlichen Unternehmens wünschenSwerth, ja dringend uothwendig wäre? Wir möchten dies durchaus bezweifeln. Wir kennen große, namhafte Gemeinden, wo der litbcnSwürdige „Ben Chananja" trotz der gewissenhaftesten Anstrengung bisher noch keinen erheblichen Schaden anzurichten vermochte, wie andrerseits der „Israelit" nur sehr wenig nutzen konirte: sie werden beide nicht gelesen, nicht einmal — gehalten. Denn wie verschiedener Art beide auch rücksichtlich der Tendenz und Richtung sein mögen — irr einem der wichtigsten Punkte gleichen sie einander vollkommen, sie bringen keine Geschäfts- und Marktberichte. Dies ist auch der Grund, warum gar viele Ge- > meiudeu bisher weder zum Bau der „Armenwohj uungen" noch zur „orthodox-iSr. Bibelanstalt" ihr Scherflein beigetragen. Wenn dem aber so ist, warum denn einem Manne verargen, der die schönste Veranlassung bietet, daß auch dte.se Gemeinden an der Ausführung einer nirv sich thatkrastig beteiligen können? And ist letzteres Vorhaben auch von anscheinend minder hoher Wichtigkeit, so müssen wir doch mit Unseren alten Weisen ausrufen: .-H? .iwv Sehr praktisch indcß erscheint uns der Vorschlag des Hin. Rabb. Hildesheimer, daß Herr Boß seine Mission dem höchst wichtigen Bauuntcr- »ehmen zuwenden möge. Letzterer müßte ja hiedurch sein Vorhaben eben nicht gänzlich aufgcben. Ein Mann, der wie Herr Boß sich's zur Lebensaufgabe gemacht, für'S heil. Land zu wirken, dürste auch nach beiden Seiten hin Ersprießliches leisten können! Hm ii«. Zum Schlüsse noch eine erfreuliche Mitteilung über unfern magyq Aschen Fortschritt. In Nr. 5 beS „blsg^Lr iLraaUtL« klagt ein genialer Mitarbeiter -diese- Journals über eine überaus arge Täuschung Bekanntlich wurde von gewisser Seite die Emancipation der Juden in Aussicht gestellt, so diese sich dazu verstünden, mit ihren christlichen Mitbürgern aus „einer Schüssel" zu essen. Nun klagt aber der geehrte Mitarbeiter des > Irr.« die urig. Nation damit an, daß ihm, obgleich er Erlaubtes und Unerlaubt 2s seit vielen Jahren mit gleich gutem Appetite genieße, die Emancipation bis aus den heutigen Tag vorenthalten wird! Klug wäre eS allerdings, so der bitter En täuschte aus gerechter Entrüstung fürder — kein Tresoth äße! M. «. Apostcg, im Febr. Äieder ist eS eine betrübende Veranlassung, die mich bestimmt das Geschäft des Berichterstatters zu übernehmen. Es ist der Tod eines edlen, für die heilige Lehre, so wie für die religiösen Institute des Judenthums glühend begeisterten Glaubensgenossen, den ich zunächst in diesen Blättern registriren möchte. Am 11. dieseschloß nach kurzem Krankenlager der würdige allgemein geachleteMeiS Herr David Nosenthal, besser bekannt unter dem Namen R. David Brody, in einem Alter von 7V Jahren seine irdische Laufbahn. Trotzdem dieser Tage unser Ort, sowie die« ganze Umgegend von den Fluthen der überströmcnden Donau heim» gesucht ist, die nun gar von einer Eisdecke derart umhüllt wurden, daß die Zugänge äußerst mühsam und beschwerlich, ja mitunter gefährlich find, so wurde die Feierlichkeit der Leichenbestattung doch unter Betheiligung einer imposanten Menschenmenge abgehalten, die von allen Seiten, sogar von der Nachbarschaft herbei eilte, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Während ich die Trauerrede hielt, bemerkte ich, daß der thalwudische Spruch: nn ds "V2 O-.rr dp rnzm-; vielfach beherziget wmde und tatsächlichen Ausdruck fand. Unsere Gemeinde hat auch in der Thai alle Ursache, das Hinscheiden R. David BrodyS als ei» schmerzliches, in den EntwickekungSgang deS eommuuale» Lebens eingreifendes Ereigniß zu constatiren. Ungefähr fünfzehn Jahre find verflossen, seitdem der nun Verblichene in unserem Orte seinen Wohnsitz nahm. Nachdem er die verschiedensten Epochen durchs gemacht und sowohl die Gunst als die Ungunst de- Geschickes sattsam kennen gelernt hatte, suchte und fand er hier bei seiner verwittweten Tochter ein Asyl, wo er den Rest seiner Tage ruhig verlebte. Nie bekleidete er ein Amt, obgleich ihm abgesehen von feinem kabbalistischen Wisse» als würdigem Schüler de- CH. Eopher auch thalnmdische und casuistische Kenntnisse zu Gebote standen. Die pecuniären Mittel, über die er während seinehie»