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Der Israelit · 1862-03-05 · Heft 10 (5.3.1862) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 10 (5.3.1862)
Date
1862-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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7S nerung vorgeschlagen. llm dem konfessionellen Standpunkte der Schwörenden jede mögliche Rechnung zu tragen, bleibe ihm die Hinzufügung solcher Worte anheimgestellt, die eine demselben gemäße stärkere Bekräftigung enthalten. Die ausdrücklich für aufgehoben erklärten Paragraphen der allgemeinen Gerichtsordnung bestimmen die besonderen Förmlichkeiten bei den Eidesleistungen der Juden, der nicht unirten Griechen und der Muhamedaner/ — Der Antrag ist von den Führern aller liberalen Fractione« unterstützt, was die Annahme desselben seitens des Hauses wohl schon im Voraus sichern dürfte. Pose«, 17. Febr. Wie tief noch daS Vorurthell sogar in den höheren Kreisen der preußischen Bevölkerung gegen die Juden wurzelt, und wie man dieses Vorurtheil so gerne zu eigenen Gunsten und Zwecken ausbeutet, dazu liefert folgender, verflossene Woche hier stattgehabter Vorfall einen Beleg. An der hiesigen städtischen Realschule fungirt schon seit einigen Jahren der besonders in Geschichte und neueren Sprachen als, tüchtig anerkannte vr. JntroSzynSki.j mosaischer Confession, leider noch als Hilfslehrer. Aber trotz seiner Tüchtigkeit und Nützlichkeit und der warmen Fürsprache des Direktors der Anstalt sowie des Magistrats, ist es ihm nicht gelungen, die definitive Anstellung zu erhalten, weil der Unterrichtsminister noch immer eine von der Liberalität des größeren Theils des preußischen Volkes divergirende Ansicht von dem Artikel 12 der Verfassung hat, welcher lautet: „Der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig vom religiösen Bekenntniß." Der Magistrat und die Stadtverordneten, deren dritter Theil Juden find, einsehend das schreiende Unrecht, haben nun beschlossen, eine Petition wegen der Bestätigung der definitiven AnstellungSfähigkeit des Herrn JntroSzynSki an daS Abgeordnetenhaus zu richten. DaS konnten einige seiner College«, denen er wegen seiner hervorragenden orientalischen Kenntnisse ei« Dorn Im Auge ist, nicht länger mit Stillschweigen übergehen. Sie suchten mit den den Feudalen eigene« Ueberredungskünsten, daß man gegen die christliche Tendenz der Schule handle, wenn man einen Men an derselben definitiv anstelle, den Direktor der Anstalt zu bewegen, sich ihnen anzuschließen, (was dieser auch auder ihm eigenthümlichen Inkonsequenz that, da er sonst immer liberale Bestrebungen für die Emancipation der Juden an den Tsl zu legen pflegte) und ersuchten den Oberbürgermeister/ Geheimrath Naumann, daß die qu. Petition durch seine Veranlassung nicht vor das Abgeordnetenhaus gelangen möchte, widrigenfalls sie fest entschlossen seien, eine Gegenpetition einzureichen. Aus Vorstellung des Oberbürgermeisters aber, daß der Entschluß, die qu. Petition sofort abzusenden, nunmehr vom Magistrat entschieden sei, und daß die Petition bei der vorwiegend großen Majorität der Liberalen und Fortschrittsmänner voraussichtlich ihren Zweck erreiche», die Antipetenten hingegen sich nur Blame durch ihre Opposition holen werden, standen diese Herren von ihrem Gesuche und ihrer Drohung zurück und sollen wie sich das Gerücht verbreitet, den Herren Jntr. dem sie persönlich nicht abhold zu sein vorgebe», sondern nur des Prinzips halber feindlich entgegentreten mußten, um Entschuldigung gebeten habe«. In der gleich darauf am 12. d. stattgehabte» Session der Stadtverordneten hatte nun der Oberbürgermeister diesen Vorfall ganz verschweige» «olle«, und auf eine an ihn gerichtete Anfrage des Stadtverordneten Breslauer (Israelit), ob dieser Vorfall nur ein Gerücht oder begründet sei, Anfanggeantwortet, daß er über derartige Ereignisse Diskretion beobachten müsse, da er die Ehre von bekannte« Persönlichkeiten betreffe und sich nicht gut für die Oeffentlichksit eigne. Da aber mehrere Stadtverordneten gegen diese Ansicht protestieren, so konnte er die Mittheilung nicht zurückhallen. Eine allgemeine Entrüstung und Indignation war die Folge des Eindrucks, welchen das judengehäsßge Auftreten der Lehrer auf die Repräsentanten der Statt gemacht hat.' Noch immer bildet dieser Vorfall de» Gegenstand des lebhafteste» Stadtgesprächs. Die Stadtverordnete» haben nun beschlossen, noch energischer die offizielle Anstellung des Herrn I. z» erstrebe«. Wenn man eine Rundschau auf andere Lander wie Frankreich, England, Italien, Holland, Schweden macht, wie erweitert sich da unsere Brust vor Freude, wenn wir die Fortschritte wahrnehme», welche dort die Gleichstellung der Juden in kurzer Zeit gemacht hat, und wie sich diese Gleichstellung nicht bloß in der Theorie, sondern auch — im voll-

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