Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1862)
- Date
- 1862-02-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447036-2447045--01179-2456414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 2× ep/1047559
OCR text
tzS wo David gekrönt wurde; hier residirte er, bis er Jerusalem eroberte. Hier war eS ebenfalls, wo Absalon die Fahne der Empörung erhob; hier war es, wo Adonijahu die Zügel der Regierung ergriff, um dem Salomo, dem Sohne der Bathseba, den Thron zu entziehen. In der Umgebung von Hebron ereigneten sich die wichtigsten Ereigneisse während der langwierigen Kriege unter den Richtern. In .Hebron war es, wo lange Zeit vor der Epoche der Propheten die Sonnenanbeter ihren Götzendienst trieben, und hier war es, wo sie endlich in ihrer Mitte fanden einen Fürsten, welcher weder die Sonne noch die Sterne anbetete, 2'p^rr r<'^. (Gen. c. 23, v. 6.) Der arabische Name Hebron's, das Mamre der Bibel, ist Beth-el-Kahlil, d. h. das Haus des Vielgeliebten; die Stadt wird so genannt zu Ehren Abraham's, des Freundes Gottes. Hebron ist der höchste Punkt von ganz Palästina, soweit dieses nämlich bewohnt wird; die Stadt liegt 2700 Fuß über dem Spiegel des mittelländischen Meeres. Sie ist größtenteils gebaut am östlichen Rande eines engen und tiefen Thales. welches in der heiligen Schrift das Thal von Hebron genannt wird, und zieht sich von Noroen nach Süden. Hebron hat keine Festungsmauern, und NM es gegen die Beraubungen zu schützen, denen die offenen O'te im Orient ausgesetzt sind, ist die Stadt in drei Quartiere getheilt, die von einander getrennt sind durch Thore, welche des Abends sorgfältig geschloffen werden. Die Juden bewohnen ein besonderes Quartier (Chazer). Die Straßen sind eng, winkelig und finster; die Häuser sind aus Stein; ursprünglich gut gebaut, sind sie heute in merklich verwahrlostem Zustande. Die Dächer sind größtentheils kuppelsörmig, eine in J. usalem und im ganzen Orient, wo das Holz selten ist, sehr gewöhnliche Bauart. Die alte Stadt, deren Ruinen noch sichtbar sind, lag etwas höher hinauf am Abbange des Hügels. Die Angaben über die Bevölkerung Hebron's sind sehr verschieden und variiren von 4000 bis zu 7000 Seelen. Die erste Ziffer scheint sich am meisten der Wahrheit zu nähern. Diese Bevölkerung besteht aus Juden und Muselmännern; man versichert, daß sich kein Christ in Hebron befindet. Sandys, ein engliicher Reisender, welcher diesen Ort am Ansange des siebzehnten Jahrhunderts besuchte, beschreibt das Thal von Hebron als das fruchtbarste und angenehmste, welches das Auge erblicken kann. Die Natur hat es gewissermaßen überhäuft mit ihren Wohlthaten, dem Menschen zum Trotze und all dem Bösen, was zu verursachen ihm gefällt. Sie scheint aus dickem Orte ein wahrhaftes Paradies machen zu wollen. Die Weideplätze Abrahams, immer grünend, sind noch bedeckt mit Heerden, wie in jenen Tag<n, da der Patriarch tränkte seine Schaafe an den Quellen von Beer Scheba; der Gesang der Vögel hat bewahrt dieselbe Süße; die meiste Rose schaukelt sich noch ebenso anmuthig auf ihrem Stamme; der Khnruli zeigt sich noch ebenso furchtsam unter den ästigen Bäumen und die Sonne vergoldet die Landschaft mit demselben herrlichen Lichte, wie damals, da sie zum erstenmal anfging hinter den Bergen von Moad, um diese entzückende Scene zu beleuchte«. Die Weinstöcke und die Olivenbäume geben noch Hecke köstliche und reichliche Früchte. Sir Mose- MoEfiore erzählt, daß er daselbst Trauben von außergewöhnlicher Größe gesehen habe. Diese Trauben geben einen herrlichen Wein, den besten, wie man von ganz Palästina. Die Weinstöcke sind in Teraffen gepflanzt a» den Abhängen des Hügels; sie werden beschützt durch steinerne Thürmc, die gleichzeitig zur Untervringung der Werkzeuge oes Winzers dienen. Der Reisende Dnrbin sah einen ehrwürdige» Araber in lang herabwallenden Kleidern auf die Weinberge zu schreitend, überwachend die Winzer, während halbverschleierte Frauen beschäftigt waren, mit Waschen bei den Cisternen am Abhange de- Hügels. Diese Cisternen sind dem Lande eigenthümlich. Sie dienen zum Sammeln des RegenwafferS und man trifft sie an alle» Höhen. Es gibt deren zwei in der Nähe der Stadt, und die eine ist sicherlich der. Teich von Hebron, wo David den Tod des Jschboscheth an dessen Mördern rächte. Die größte vo» Beiden mißt nach Robinson 133 Quadratfuß bei einer Tiefe von ungefähr 20 Fuß. Sie ist aus massiver Maurerarbeit verfertigt, und die Zeit ihrer Erbauung ist vielleicht dieselbe wie die deS Salomonische« Tempels. Die Grenzen dieser Schilderung erlaube« «nnicht, die Geschichte der verschiedenen Episoden wiederzugeben, in denen Hebron groß und — klein war; einstmals war es die Hauptstadt JudäaS, der Mittelpunkt eines lebhaften und ausgebreitete» Handel-; seitdem hat seine Bevölkerung und seine Wichtigkeit bedeutend abgenommen. Das letzte unglückliche Geschick, welches eS traf* datirt vom Jahre 1834. als Ibrahim Pascha nach eine« Belagerung von einigen Wochen, die Stadt im Sturme nahm und sie der Plünderung überlieferte, aus dem einzigen Grunde, weil sich die Einwohner nicht der Conscription und dem Joche Mehmed AliS unterwerfen wollten. Die jüdische Bevölkerung hatte bei dieser Gelegenheit viel zu leiden, trotz der Versprechungen Mehmed AliS. In einer gewissen Entfernung gesehen macht die Stadt mit ihren Häusern, weißen, alattrn Dächern, welche von iner kleinen Kuppel/überragt werden.