Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1862)
- Date
- 1862-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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V1 vermuthen läßt, was eigentlich bewiesen werden soll. Denn nehmen wir an, daß das Schweinefett ein notbwendiges Jngredienzmittel zurCichorie bildet, so sind die Fabrikanten in Oesterreich gewiß nicht so einfältig, ihre Maare wegen 60 kr. per Cent, zu verderben und selbst, wenn das Schweinefett nur zur Verbesserung der Cichorie dient, so wird doch Niemand so einfältig sein, wegen 60 kr. per Cent, eine schlech-te Waare zu verfertigen. Der Verfasser ergeht sich noch ferner in Schmähungen und der Artikel culminirt auf dem Punkte, wo er den Herr Rabbiner in Serhei öffentlich als einen böswilligen Verleumder und die gelehrten Chemiker Johnson, Strumpf, Wolf als Ignoranten erklärt, wenn sie die Erforderlichkeit von Schweinefett zur Erzeugung einer guten Cichorie behaupten wollen. Gegen all dieses führe ich nun die authentische Angabe des bezeichnten wissenschaftlichen Werkes an, um meinen Glaubensgenossen die Wahrheit nicht vorzuenthalten. Nachdem nämlich das erwähnte Werk 6 Arten Surrogate für den arabischen Kaffee aufzählt, erwähnt es besonders als solches die Cichorienwurzel, welche zwar zuerst nur von betrügerischen Händlern als eine Verfälschung mit reinem Kaffee vermischt wurde; später jedoch wurde zum Schutz so des ehrlichen .Händlers wie des Publicums der Verkauf derselben erlaubt. Die erwähnte, Stelle lautet wörtlich also: »Die Cichorie^ oder wilde Endivie ist ein bei uns seinheimisches Unkraut, welches man mit seinen großen hellblauen Blüthen an vielen Orten verstreut findet. Es hat eine große, weiße, der Pastinak ähnliche Pfahlwurzel, deren Umfang zunimmt, wenn die Pflanze cultivirt wird. Diese Wurzel enthält viel bitter« Saft, welcher dazu geführt hat. sie als ein Surrogat für Kaffee zu g^brauchcn. Die Pflanze wird jetzt um ihrer Wurzel willen viel gebaut In England ist ihr Anbau vorzüglich aus die Landschaften Surrey, Bedsord und Aork beschränkt. Auf dem Contiiient wird sie in Deutschland Belgien und Frankreich viel gezogen. Die fremde wird für bedeutend besser als die englische gehalten und hauptsächlich über Antwerpen und Hamburg in ausge dehntcm Maße bei uns importirt." „Die Wurzel wird ausgenommen, ehe die Pflanze zur Blüthe ausschießt, gewaschen, zerschnitten und gei trocknet, dann geröstet, bis sie eine chocoladenbraune ' Farbe hat. Mit jedem Centn er werde» 2 Pfund Speck geröstet, und die Wurzel verliert! beim Rösten 25 bis 30 Procent. Wird sie gej mahlen und der Lust auSgesetzt, so wird sie feucht und klebrig, nimmt an Gewicht z» und bekommt einen ganz bestimmten Lacnzengeruch und einen zuerst merklichen süßen Geschmack. Sie besitzt in keiner Weise das angenehme Aroma, welcheden echten, gerösteten Kaffee empfiehlt. Wird sie eingeweicht, und zwar selbst im kalten Wasser, sa gibt sie ihm eine dunkle Farbe und einen bitter süßen Geschmack. Vielen scheint die Hinzuthat oo« einer kleinen Quantität dieser Flüssigkeit znm echte» Kaffeegetränk eine Verbesserung, — ein auffallende- Beispiel, wie durch Verfälschung sich ein verdorbener Geschmack bildet, welcher dann, um sein eigene- Berlangen zu befriedigen, die Fortsetzung fordert. Doch hält man die bittere Substanz selbst nicht für ungesund. Sehr viele bittere Substanzen dieser Art haben eine nervenstärkende Kraft, und eS ist nicht unwahrscheinlich, daß die Cichorie dazu gehört." Wollen wir nun nach dieser authentische» Angabe urtheilen, so ist die Cichorie an und für sich mosaisch verboten, da das Schweinefett sich zum Ganzen wie 1 zu 50 verhält; sie ist aber auch al- Beimischung zum Kaffee nicht erlaubt, da die ganze Cichorie rknz rwpz rwDN ist und selbst eine kleinere Dosis nach dem Grundsätze .lirirrH -nv'rr pblNv pre dem Kaffee beizumischen derbsten ist. Unsere Glaubensgenossen mögen sich also bequemen, eine andere Art Surrogat zu gebrauchen. Herrmsnn Noth, Rabbinern Nachbemerkung der Redaktion. Bereits vor mehr als 3 Jahren, kurz nachdem die obenerwähnten Bedenken in Bezug aus den erlaubten Genuß der Cichorie uns bekannt geworden, suchten wir uns durch den Augenschein von de« - Begründetsein jener Bedenken zu überzeugen. Die! theoretischen Angaben in den entsprechenden Werke» trügen in der Regel; ein Theoretiker schreibt*- bet! derlei Dingen dem andern nach und in der Praxis - macht sich'- häufig ganz anders. Wir begaben unL