Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1862)
- Date
- 1862-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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60 die Gegensätze auszusobnen vermag. Herr vr. Sach) steht ans dem Äoden des traditionellen Judentums und sucht sich nicht Ehre auf Kosten der Religion zu erkaufen; dieses Streben wird geehrt, diesem Ernste galt die Feier. Möge der Allgütige dem Herrn vr. Sachs noch ferner die Kraft verleihen, an der Spitze seiner Gemeinde zu stehen und in derselben das Wort Gottes zu lehren. Oesterreichischer Kaiserstaat. Ung. Brod (Mahren) 24. Januar. In der in Prag herausgcgebenen „Lochnersschen Geschäfts- Zeitung" Nro. 1 l. I. wird in einem Leitartikel, überschrieben „der Cichorien Kaffee," gegen einen Artikel des Hamaggid, worin ein Rabbiner aus Polen mit „fanatischer Rede" gegen den Genuß der Cichorie von Seiten der mosaischen Glaubensgenoffen eifern soll, unter Schmähungen, ja Drohungen und solchen nichtssagenden Beweisen polemisirt, daß ich hierdurch auf den Gegenstand aufmerksam gemacht worden bin. Der genannte Rabbiner soll nämlich unter Anführung der gelehrten Chemiker Johnson, Strumpf, Wolf u. s. w., behauptet haben, daß man jedem Centner Cichorie 2 Pfund Schweinefett bei mengen müsse, wogegen nun dieser Artikel die Art und Weise angibt, wie die Cichorie erzeugt wird, ohne daß man Schweinefett beimengt. Der Verfasser begnügt sich jedoch nicht mit der einfachen Angabe über die Erzeugung der Cichorie, daß nämlich die bekannte Wurzel geputzt, gedörrt, geröstet, zu Mehl vermahlen wird und daß dieses Mebl hydroskopisch sei, d. h. daß es die Eigenschaft aus der Luft Feuchtigkeit anzuziehen besitzt und dadurch wird, was man -4m Allgemeinen „fett" nennt; er begnügt sich auch damit nicht, daß er sagt: Dieb ist der.einfache Hergang-der Fabrication, wovon sich der Herr Rabbiner in Serhei und jeder Andere in unserer Fabrik täglich durch den Augenschein überzeugen kann; mit all Diesem wäre der Verfasser auf rechtem Wege, und es wäre unS nicht eingefallen, gegen seine Angaben den mindesten Zweifel zu hegen, würde ihn sein Gewissen nicht angetrieben haben, unS noch folgende Sätze zum Besten zu geben: „Der. Herr Rabbiner schreibt ohne alle Sachkenntnis und bloß vom Hörensagen und gi^äth dabei in einen blinden Eifer, gleich > Jenem, welcher beim Auftreten der Cholera behauptete, daß die Wafferbrunnen von böswilligen Menschen mit dem Krankheitsstoffe vergiftet würden* u. s. w. Der Herr Verfasser sollte doch wissen, daß dergleichen Schmähungen am wenigsten dazu geeignet sind, das religiöse Gewissen zu beschwichtigen. Neberdieß, da die Angabe des Herrn Rabbiners, daß z» jedem Cent. Cichorie 2 Pfund Speck beigegeben werden, noch durch die gelehrten Chemiker Johnson re. verhärtert wird, so schreibt der Herr Rabbiner vielleicht wohl ohne alle Sachkenntnis aber nicht nur vom Hörensagen, und gleicht sein blinder Eifer doch nicht ganz jenem böswilligen Gerüchte von der Brunnenvergiftung. Was wird aber der Herr Verfasser vollends dazu sagen, daß die Angabe des Herrn Rabbiners wörtlich sich vorfindet in einem gelehrten Werke, betitelt: „Die Wissenschaft im neunzehnten Jahrhundert ihr Standpunkt und die Resultate ihrer Forschungen; herausgegeben von einem Verein von Gelehrte« re. unter der Redactron von Vr. I. A. Romberg* B. 3, S. 734? Schreibt diese- Werk auch ohne alle Sachkenntniß, bloß vom Hörensagen? Geräth eS auch in einen blinden Eifer, gleich Jenem, der die Brunnen vergifte» laßt? — Der Herr Verfasser bleibt uns aber auch de» Beweis nicht schuldig. „Wenn, sagt er, man der Cichorie in der österr. Monarchie wirklich einen Zusatz von 2 Pfund Schweinefett per Cent, beigeben möchte, so würde es jährlich ein Quantum von circa 10,000 Cent. Schweinefett ansmachen; da nun der Cent. Schweinefett etwa 30 fl; der Cent. Cichorie aber nur 10 fl. kostet, so würde daraus ei» jährlicher reiner Verlust von 200.000 fl. entstehen.* Er fügt noch höhnisch hinzu: „Wir können dem Herr» Rabbiner in Serhei unser Ehrenwort darauf gebe», daß die Fabrikanten in Oesterreich nicht so einfältig find, um ihre Maare durch eine» ganz und gar ungeeigneten Zusatz z» verderbe» und dafür einen jährlichen Verlust vo» 200,0o0 st. zu tragen." Welch ein Beweist Welche Lächerlichkeit! Wer sieht nicht ein, daß dir Anführung solcher Beweise nur das Gegentheil dessen