Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1862)
- Date
- 1862-02-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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zu wählen, weil ich überzeugt bin, daß eS auch im i jüdischen Leben, wie in Allem die »sechste Großmacht" ist, welche gegen Willkür und Despotie schützt und den Gemeinde-Mitgliedern ihr Selbstbestimmung-recht wahrt und erhalt. — Unsere von jeher zu den bedeutendsten Gemeinden Ungarns zählende und durch die berühmtesten Rabbinen ^rrn '.mo vblps 7N72 '-»,.12 »Z'-iN '2L '».12 ,^v'Nr<PO«22 für ewige Zeiten verherrlichte Cultusgemeinde ist zwar seit dem Fortgänge deS Letzteren ohne geistliches Oberhaupt, und haben wir allerdings nicht wenige, traurige Conlequenzen dieser Verwaisung, wie sie in keiner Gemeinde ausbleiben, zu beklagen; dennoch hat sich im Allgemeinen G. s. D. der echte jüdische Geist in der Gemeinde erhalten. Sie hat dieß größtenkheils dem Umstande zu verdanken, daß in derselben drei durch talmudisches Wissen ausgezeichnete den jüdischen Geist durch Lehre und Beispiel stützen und erhalten. Es ist nun allerdings sehr wünschenswerth, daß das Rabbinat in einer so bedeutenden Gemeinde wie die unsrige ist, sobald als möglich wieder besetzt wird; aber nur unter zwei Bedingungen. Einmal nämlich, daß der Candidat würdig ist, der Nachfolger so glorreicher geistlicher Oberhäupter, wenn auch nicht ganz in intullectueller Beziehung, denn dies dürste heut zu Tage kaum zu erreichen sein, so doch wenigstens nach der Seite deS echten, tiefen, wahren religiösen Lebens, der gesinnnngstüchtigen Gottes-Begeisterung. Dann aber auch, daß ein so wichtiger, ja der wichtigste Act des Gemeinde-Lebens nicht vom Vorstande und Beisitzenden mit höchstens eingeholter Beistimmung der Parteigänger desselben, der Gemeinde oktroyirt und improvistrt wird, daß die Gemeinde nicht von einem io folgenschweren Ereignisse überrascht werde; sondern, daß jedem einzelnen Wahlberechtigten sein volle-, ganzes Selbstbestimmung-recht, sein ihm von Gott und Rechtswegen zukommeudcs Wahlrecht erhalten, daß jede Despotie, jeder Gewissenszwang und jede geistige Knechtung fern gehalten werde. Wenn in einer Gemeinde die Anzeichen vorhanden, daß ein Vorstand mit burcaukratischer Willkür auch nur ein Gemeinde-Mitglied um sein heiligstes Recht der Selbst Negierung bringen will; so kann man nicht früh genug imd nicht laut /genug das öffentliche Wort ergreifen, zum Schutze dieses ersten aller Menschenrechte. Anzeichen dieser Art find nu» 1» unserer Gemeinde wohl vorhanden, und die» drängt und treibt mich vor die Oeffentlichkeit, um warnend und mahnend meine Stimme zu erheben. Der CtLtuSvorsteher Hieselbst hat vor einigen Wochen Herrn Hirschfeld, Rabbiner in Fünfkirch en, zur Trauung seiner Tochter herberufen; derselbe ist diesem Rufe gefolgt. Wie discret und redlich dies letztere war, in einer Gemeinde, wo hiezu drei heimische bestellt sind, will ich hier nicht untersuchen und kann ich solches der Beurteilung de- Lesergetrost überlassen. Derselbe Vorsteher hat Herr» H. «» darauffolgenden Sabbat mit der Predigt betraut» wodurch eine Rabbinats-Besetzungs-Wühlerei angebahnt werden sollte. Einige Tage darauf hat die Partei desselben ihn von Fünfkirchen, wohin er zurückgekehrt war, zur Fortsetzung dieser Wühlerei zurück geholt; Herrn H. hat man dann wieder eine Pedigt halten lassen, alles ohne Einvernehmen der und der Gemeinde als solcher. Wie viel Discretion in allen diesen Schritten enthalten, lasse ich wiederum dahingestellt. Was ich aber durchaus nicht unberührt lassen will, waich vielmehr nachdrücklichst betone, weil bei dieser höchst wichtigen Angelegenheit Alles darauf ankömmt, ist Folgendes: Ich gebe zu, daß es Gemeinde-Mitglieder geben mag, welche das Ideal eines Rabbinerin einer Persönlichkeit finden, welche nichtweniger als für diesen Stand erzogen, d. h. da eS allerdings bei uns keinen eigentlichen geistlichen Stand gibt und geben soll, ununterbrochen den reichhaltigen Materialien talmubischen und rabbinische» Wissenabgelegen; vielmehr, wie eS einem on ck!t zufolge im vorliegenden Falle sich ereignet haben soll, daß sich ei» Correspondent einer politischen Zeitung, plötzlich in eine« Rabbiner metamorphostrt hat. Ich gebe dieger» zu. Andrerseits aber weiß ich auch, daß eS eine kompakte Patter in unserer Gemeinde gibt (dieselbe hat Gott sci Dank über mehr als 80 Gemeindeglieder zu verfügen), deren Ideal ganz wo anderliegt- ' Diese Partei verlangt von ihrem Rabbiner, daß er . von Jugend auf dem talmudischen Studium mit Leib und Seele angchött hat; sie verlangt, daß ihr dereinstiger Rabbiner anS religiösem Drange da-Thora-? Studium achtet und schätzt, sie verlangt, daß derselbe j im praltischen Leben, we m auch nicht den allerstreng-