Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1862)
- Date
- 1862-01-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ZS hundertjähriges Jubiläum. Da fast sämmtliche Mitglieder der hiesigen Synagogengemeinde zugleich Mitglieder des genannten Vereins sind, so wurde der ganze Tag höchst festlich begangen. Morgens, nachdem der Frühgottesdienst beendet, begaben sich die Mitglieder des Festcomite's nach dem alten und von dort nach dem neuen Friedhofe, woselbst ein Denkstein zur Erinnerung des Tages errichtet wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt Herr Landrabbiner vr- Meyer eine kurze Anrede an die Anwesenden. Um 12z Uhr Mittags fand in der Synagoge die Abhaltung von rvp 2"' Start; den daran sich unmittelbar anschließenden Act, bildete der um 2 Uhr beginnende Festgottesdienst. Selber wurde von Herrn vr. Meyer mit einer der Feier des Tages entsprechenden, die Zuhörer tief ergreifenden Rede eröffnet, in welcher er besonders die uneigennützige Tendenz dieses schon so lange bestehenden Vereins schilderte, der es sich zur Aufgabe gemacht, Todten die letzte Ehre persönlich zu'erweisen, damit dieser Liebesdienst nicht durch Miethlinge ver richtet würde. Hiernach folgte Todtenfeier für die Stifter des Vereins. Der Totaleindrück der einundeinhalb Stunden dauernden Feier war ein tiefer und feierlicher. Um fünsundeinhalb Uhr begann ein Festessen in dem Local „der Börse," an dem circa 350 Personen Theil nahmen. Während des Mahls wurden verschiedene officielle Toaste ausgebracht. Eine angenehme Sensation erregte das plötzliche Erscheinen des Seniors B ödecker, welcher als sehr human bekannt ist. Auf den ihm von vr. Meyer gewidmeten Toast erwiederte derselbe, daß der Verein sich dieselben Principien zum Vorbilde nehme, welche ihn bei ^er Gründurg seines Schwesternhauses geleitet, daß diese nämlich in neutralem Boden wurzelten. Während des Essens wurde den Anwesenden ein freudiges Intermezzo zu Theil. Herr Solling von hier, hatte sich nämlich angelegen fein lassen, einen Extract von den Hauptgesängen, welche an den Festtagen gesungen werden, zusammenzusetzen. Und so ertönte plötzlich vom Orchester die uralte, wohl jedem Inden bekannte Weise nx2 und so der Reihenfolge nach alle übrigen Hauptfest gesänge des Jg!hres. Unwillkürlich stimmten Viele die bekannten Melodien mit an, und als die bekannten Melodien der Sedernqcht an die Reihe kam«, stieg der Jubel apss Höchste. Während des Mqkl3 wurde eine Schrift, dem Verein gewidmet, versag von Herrn Krimpte, herumgereicht,. welche Beifall fand; ebenso die kurz gefaßte Geschichte des Vereüvit, welche der Verfasser, vr. Meyer, an die Mitglieder verthcilen ließ. Zum Schluffe wurden von verschiedenen Vereinsmitgliedern bedeutende Summen z» milden Zwecken, gezeichnet. .... ... Gießen, 10. Januar. Es verbreitet sich hg- Gerücht, es werde der Advokat Rose pb erg (i-rae? litischer Confefston) Bürgermeister der Stadt Gieß« werden. ...... Karlsruhe, 20. Jan. Nach mehrivöchentlichek Ferien ist heute die zweite Kammer zu ihrerß. Sitzung zusammengetreten. Der Präsident de- Ministeriums des Innern legt zwei Gesetzentwürfe vor, betreffend die Aufhebung einiger Beschränkungen, bezüglich Vürgerannahme und Verehlichung, betreffend die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten. Nach der kurzen Erläuterung des Präsidenten bezweckt der Entwurf sofortige. und vollständhe: Gleichstellung mit den zwei iwthivendigen UebergangSbeschränkungen bezüglich des Bürgergenusses und der Armenunterstützung. — Preußen. ' Berlin, den 14. Jan. We die „Torr. St?rn" erfährt, hat der Justizminister v. Bernuth mittelst Circularverfügung die Gerichte ermächtigt, RechtScandidaten jüdischen Glaubens als StaatsanwattSgehilsen zu verwenden. Derselben Correspondenz. zufolge hat Herr v. Bernuth im StaatSministeriüm den Antrag gestellt, der VerfassungSurkunde entsprechend, den Gerichlsassefloren jüdischen Glaubenden Zutritt zu richterlichen Aemtern zu gestatten. Hierzu bemerkt die „Verl. Allg. Ztg.": „Wir begrüßen diese Nachricht, an derer Bestätigung wir picht zweifeln mit aufrichtiger Genugtuung, als eine» neuen Beweis dafür, daß die Regierung ernstlich dem Drehen und Deuteln an klaren Bestimmungen her VerfassungSurkunde die Spitze abbricht." ' . Berlin, den 15. Januar. Die Nachricht der „Eorreöspcnidenz Stern" über die Anstellung jüdischer Nechts-Candidaten und Gerichts-Assessoren im Staats*