Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1862)
- Date
- 1862-01-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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34 öffentlichen wir die jüngste Antwort, die wir unfern Gegnern gaben, woran wir um unserer Ehre und um der Sache willen, für die wir einstehen, die Erklärung knüpfen, daß nicht wir es sind, die das alte, von unseren Vorfahren ererbte und einzig wahre Judenthnm wie einen vom Pöbclhausen zersetzten Leichnam vor die Füße unserer uichtjüdischen Mitbürger warfen, und dessen sanktionirte tausendjährige Gebrauche und Observanzen vor den Augen einer competenten Behörde als „csüksäg" und „dolonclsäß« bezeichneten. Nicht wir sind eS, die unter dem Mantel des Fortschritts und auf Kosten der veredelten Gesittung des 19. Jahrhunderts einen in Bubenstreichen, Fenstereinwürsen rc. sich kundgebenden rohen Vandalismus übten, der wohl in den Annalen der jüdischen Geschichte vereinzelt dasteht. Wir sind ferner nicht diejenigen, die den rühmlichst bekannten, gesinnungstüch? Ligen Rabbiner vr. Joseph Guge »heim er, einzig und allein, weil er den Muth hatte,, für das Gesetz in die Schranken zn trete», und durch die Macht der Wahrheit, die sich in seinen Worten äbspiegeltc, die freche Lüge zu Boden schmetterte, durch fortwährende Verfolgungen um sein Leben zittern machten. — Nirt wir sind es, die durch eine falsche, auf eine horrende Lächerlichkeit basirende Interpretation des Nekom leevsQu gegenüber der Obrigkeit, einen Stein der Verdächtigung auf unsere Heimgegangenen menschlich großen Väter geworfen. Schließlich sind wir es auch nicht, die unter der Decke der Vaterlandsliebe unsere Glanbensbrüder ob ihrer Anhänglichkeit an ihren väterlichen Glauben auf den Pranger öffentlicher Verleumdung Hülstellen und dieselben als „Lernet rsickölc", VaterlandSverräther rc. in den Augen hiesiger Bürger brandmarken, als ob die echt jüdische Brust zu eng wäre, für Gott und für das Vaterland ein Gefühl zu haben, als ob das echt jüdische Herz zu kalt wäre, um für Gott und das Vaterland heiß zu schlagen. — Dies alles sind wir nicht, sonder» wir sind der seit Jahren geknechtete und unter dem Joche grenzenloser Willkür leidende Theil der hiesigen Gemeinde, die sich trotz aller Unbill von Seiten der sich so nennenden Fortschrittspartei immer passiv verhielten; jetzt aber entschlossen wir uns endlich, zur Wahrung unseres heiligsten Interesses, unseres angestammten jüdisch-orthodoxen Glauben-, dessen Satzungen, Observanzen und rituelle Einrichtungen wir einzig und allem nach unser» traditionellen von der Gcsammtjudenheit angenommenen CodizeL als heilig bindend unabänderlich anerkennen, und zur ferneren Vermeidung jeder Zwietracht, eine besondere Gemeinde zu constituiren, in der alle Institute des Judenthums würdig vertreten sein sollen. Hiebei werden wir unserem Vaterlande gewiß mit derselben Treue anhängen, als unsere „rnag^ar rsickük" sich nennenden Gegner. Die mehrere Jahrtausende zählende / Geschichte der Juden liefert die sprechendsten Zeugnisse, daß der gesetzestreue Jude die opferwillige Hingebung an die Interessen des Vaterlandes unter allen Verhältnissen als heilige Pflicht betrachtet. Der am 21. Juni 1861 von unseren Gegnern a» uns gerichtete Aufruf lautei: Liebe Brüder! Schon zu lange dauert der bedauerliche Akt Eurer ohne eigentliche Ursache erfolgten Losreißung, welcher bis heute nicht nur für das Judenthum betrübend ist, sondern auch für das Privatleben hier einen allgemeinen schädlichen Charakter angenommen hat. Ermannet euch daher, Glaubensbrüder, laßt alle persönlichen Abneigungen und Privatinteressen audem Spiele und wenn ihr außerdem noch andere Ursachen habt, so gebet sie uns schriftlich zu erkenne», und die ganze Gemeindevertretung wird mit vollem Ernst darüber berathen, und wenn es nur möglich, sich zu Euren Gunsten entscheiden. Aber zugleich, geliebte Brüder, müssen wir Euch bemerken, wenn auch dieser persönliche Schritt bei Euch zweck- und nutzlos bleiben sollte, so habt Ihr uns gezwungen, von allen gesetzliL erlaubten Mittel» Gebrauch machen zu müssen, um die hiesige CültuSgemeirwe sowie allerorts in Eins zusammenzubringen, denn so wie es jetzt hier besteht, darf und kann es nicht bleiben. Laßt daher unfern Brnderruf nicht in den Wind verhallen, achtet nicht auf die verderblichen Nathschläge Einzelner, sondern höret auf den Ruf von 150 Glaubensbrüdern, denn nur so haben wir GotkeS Segen z» erhoffen; wo Friede und Eintracht ist, wohnt Gott. Zur näheren Verständigung bemerken wir Euch, Brüder, daß der 23. Juni 1861 als letzter Term!» zur gegenseitigen Verständigung heute festgesetzt worden ist. Alba (Stuhlweißenburg), am 21. Juni 1861. Aus der VorstandS-Ausschußsitzung. Dieses Schreiben wurde von uns durch folgende Erlliirung beantwortet: '' Liebe Brüder! Mit inniger Freude hat es uns erfüllt, aus Eurer Zuschrift vom 21. v. M. entnehme» zu können, daß Ihr gesonnen seid, die Ursachen, vie uus zu unserer Trennung von Euch veranlaßtea, wen» eS nur möglich ist, zu beseitige»; da dies Euch, liebe Brüder, sehr leicht möglich ist, sind wir gern bereit. Euch jene Ursachen mitzutheilsn, wodurch Ihr sehe»