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Der Israelit · 1862-01-22 · Heft 4 (22.1.1862) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 4 (22.1.1862)
Date
1862-01-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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26 Lel, um zur Erfüllung seines israelitischen Berufes zu gelangen; und weil er sie als die Schöpfung des ewigen Gottes weiß, so haben sie für ihn ewigen, unzerstörbaren Werth und Bedeutung, ist für ihn ihre zeitweilige Suspension kein Beweis für ihre bloS temporelle Giltigkeit, vielmehr harret er mit zuversichtlichster Gläubigkeit auf das Ende der vorübergehenden Unterbrechung dieser Institutionen, und weiß er mit der freudigsten Gewißheit, daß sie zur Messiaszeit in voller Integrität wiederhergestellt werden sollen. Dies gilt von all den rinr? sowohl als auch von all den gesetzlichen Bestimmungen, die von Tempel und Priesterthum bedingt werden. Deßhalb aber empfindet er mit innerster Seele das roße Wehe, das über Israel mit der Zerstörung eS heil. Tempels zu Jerusalem hereingebrochen ist; deßhalb kann der Galuthjammer durch die zweitausendjährige Dauer seines Bestandes iu ihm nicht abgeschwächt werden; steht cr sich ja all der Heilmittel beraubt, um -sei» Leben in Übereinstimmung mit denjenigen Forderungen der Religion zu bringen, die einen so bedeutenden Einfluß auf die Heiligung desselben auszüüben im Stande sind, weiß er ja, daß Israels Beruf ein .iduv op, Gottes Eigenthum zu werden, nimmer und nimmer ohne Tempel und Priester sich verwirklichen «kann, und darum versenkt er sich mit allen Geistessehnen in Israels Vergangenheit, in welcher all die heiligen Anordnungen des Judenthums noch im lebendigen Fluß und Gang waren, und' dem Bekenner desselben eS möglich machten, immer hoher und höher an der Leiter israelitischer Vollkommenheit emporzusteigen, darum umfaßt er mit allen Herzensfasern die Zukunft Israels, in welcher diese heilvolle Vergangenheit nur noch in erhöhterem und'verklärterem Glanze aus dem Grabe der Zeiten erstehen soll, dämm aber erfüllt die Gegenwart mit namenlosem Schmerze seine Seele, weil die Vergangenheit eben veraangen und die Zukunft noch nicht gekommen ist, und er also auf die Ausübung so vieler Gebote, die sein Dasein im Lichte israelitischer Weihe, verklären und heiligen können, verzickten muß. Dies der Inhalt und die Bedeutung des Galuth. Unsere Weisen, gesegneten Andenkens, die einen solchen Schmerz in jedem Jubelt voraussetztcn, haben daher die Instrumentalwie die Vocalmusik als mit d<m Galuthbewußtsein unverträglich, verboten, (stehe Glt 7. a '->ü? .122 inx und darauf Orach Chaj. 560, 3); und nur ausnahmsweise, wo wie bei Hochzeiten es ausdrückliche Forderung der Religion ist, eine freudige Stimmung hervorzubringen (steh Berach. 6 d.) ist Spiel und Gesang erlaubt (O. CH. id.) Beim Gottesdienste aber, wo der traurige Gegensatz von jetzt und ehedem in aller Jtüensivitat unsere Seele erfaßt, wo der Priester den geweihten Mund nicht mehr öffnet, um den Gottessegerl über die betende Gemeinde zu sprechen, «s das Opfer, dieser Culminatioasprrnkt des jüdische» CnltuS, fehlt, wo wir nnS von allen Zeiten der Unzulänglichkeit aller unserer Bestrebungen. Gott näher zu kommen, erst recht bewußt werden; im Gottesdienste, da mußte der Klageruf des Psalmisten -pre rnix -z, 'u -vo rix i'oo um so mehr Matz greifen, und selbst für.122 rn'2, obgleich nach Rambai» (Kle Miko. 3) im heiligen Tempel zu Jerusalem .->S2 7,1'V war und also leicht die Zulassung des Gesanges beim Gottesdienste begründet werden konnte, bedürfte es erst eines besondern Anspruches der Weisen (Jalk. Schim. Mischl. 932 '2 cix 122 '.21 um denselben zu gestatten (stehe O. CH. 53 11. das.). Auf diesem Standpunkte befindet sich ganz und gar der orthodoxe Jude. In dem freieste»- Landeder Welt empfindet er seinen Galuthsch nerz, denn für. das, was seine Brust mit Wchmuth erfüllt, kann ihm die Erde mit all ihren Gütern, auh den höchste«, keine Linderung gewahren; die Unmöglichkeit, seiner israelitischen Aufgabe vollkommen Genüge z» thun, das Bewußtsein, einen so großen Tb eil der göttlichen Vorschriften unerfüllt lassen zu müssen, die Eckenntniß, daß es ihm bei aller Anstrengung dennoch versagt bleibt, das Hochziel seines Lebens, d,^,- Gott eigen zu werden, zu erreichen: dies Alles erfüllt mit tiefer Trauer seine Seele, dies Alles treibt ihn mit heißem Verlangen zu Gott hin, um die Restauriruug des Zionstempels, um die Herbeiführung der Zeit des Messtas inbrünstig zu erflehen, damit es ihm ermöglicht werde, die Gnadenfülle und die Segnungen auch derjenigen Institutionen des Jnde»- thums in sich aufzunehmen und durch dieselben sich z» heiligen, denen im Galuth der Bode« zu ihrer Realistrung durchaus fehlt. Auf einen diesem diametral entgegengesetzte» Standpunkt hat die Reform ihre Jünger g.stellt. 7 Der Reform geht das religiöse Bewußtsein gänzlichin die Gegenwart auf; für die Reform ist die jüdische Vergangenheit die zeitlich abgeschlossene Geschichtsepoche des jüd. Volkes, in welcher bestimmte That» fachen des religiöse» Geistes, die jedoch nur für diese Epoche selbst eine obligatorische Giltigkeit hatte», in die Erscheinung getreten waren; als wären die Anordnungen des JudenthumS ein Produkt des menschliche n Geistes beschränkt die Reform dieselbe sowohl local als temvorell, und vindicirt deßhalb der Gegenwart das Recht aus sich selbst heraus diese Anordnungen theils zu modificiren, IheilS gänzlich zu abrogiren und durch andere aus fremde» Kreisen herübergenommene zu ersetzen. Die Opser» gebote haben für die Reform keinen absoluten, sonder« nur eine» relativen Werth, haben für sie keine ewige, sondern nur eine transitorische Bedeutung, der Stand-

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