Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1862)
- Date
- 1862-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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18 G.isie unsrer G.bttordnuvg sihr wenig paßt, und die Adäiiverung und gewaltsame Verstümmelung dieser lenzeren nnnde die nnmittribare Folge davon sein, doch davon ein anderes Mal. — Air halten jetzt an der zweiten, von uns zuletzt zu behandelnden Frage: sind außer den Grün den gegen die Einfühl ung von Instrumentalmusik im Allgemeinen, noch besondere Gründe gegen das dazu aaeeriehene Instrument, die Orgel, vorhanden? Das Gefühl von der Unzulässigkeit der Orgel in der Synagoge ist so tief in das Bewußtsein unseres Volkes eingedrungen, daß selbst Männer, die dem orthodoxen Judeuthume außerordentlich fern stehen, sich gegen die Einführung derselben ausgesprochen haben. So kam uns vor einiger Zeit eine Rede zu Gesicht, welche Herr vr. Luowig August Frankel! vor dem Vorstände der isr. Gemeinde zu Wien, bei Besprechung der in Rede stehender Frage, gehalten. (Ben Chanan'ah Nr. 25 des vor. Jahres.) Herr Frankel, bekannt als Dichter und als Verfasser des Werkes „nach Jerusalem" steht dem traditionellen Jvdenthum so fern, wie irgend Jemand. Seine Rede enthalt, abgesehen von manchem U wahren, so viel ' Treffendes, daß wir uns nicht ver'ag.n können, die- ' selbe hier wiederzugeben. Herr F. sprach: , „Meine Herren! Ich erinnere mich, daß seit i Jahrzehnten über die Einführung der Orgel in die! Synagoge gesprochen und geschrieben worden ist. ' Anderen, als eben rituellen Gebieten zugewendet, habe ich die Motive für und gegen die Orgel nur zufällig und flüchtig gehört, kaum gelesen.! Es kann nur somit leicht wide: fahren, daß ich! bereits Vorgebrachtes wiederhole, und ich bitte Sie, § geehrte Herren! darum um Verzeihung. Nur vor einer Gefahr bin ich geborgen, daß sie glauben könnten, ich werde gegen die Orgel aus orthodoxen Gründen sprechen. Gestatten Sie, sehr geehrte Herren! ohne weitere Einleitung einem Laien folgende Betrachtungen, die rein subjektiver Natur und keinerlei allgemeine Geltung zu beanspruchen so unbescheiden sind. Wenn wir durch eine Straße gehen und Orgelklangs vernehmen. so steht vor unserer Phantasie der Messe lesende Priester und wir empfinden Weihrauchdust; gewiß aber fällt uns nicht ein, daß wir uns in der Nähe einer Synagoge befinden. Wie aber muß die Phantasie und die fromme Anschauung de- Juden verletzt sein, der keine allgemeine BildungSl Elemente in sich ausgenommen hat, und der in einer solchen Erscheinung immer nur das „Okrrkos ks§o-! gim« erblickt. Wenu eine Gemeinde die Aufgabe hat, eine Synagoge zu tauen, so wird sie, wenn von richtiger! Kunstansicht geleitet, dieselbe gewiß nicht im gothischen Stile aufführen. Die Kreuzsorm dieses Baustiles, welcher ans der christlich romantischen Anschauung hervorgewachsen und mit der Kirche identisch ist, paßt wenig oder eigentlich gar nicht für das jüdische Got- > teshaus.! Die Orgel ist, wenn die Bezeichnung gewagt : wird, das klingende Christenthum, die Gothik das - gemauerte. Wir wollen von diesen Motiven, die mehr mit! der Phantasie Zusammenhängen, zu denen übergehen, die an den Verstand appelliren.! Es existiren Millionen Christen auf der Erde, i denen der Gebrauch der Orgel, dieses für die! Kirche ausschließlich gebrauchten Instrumentes, nahe liegt. Aber die unirteu und nicht unirtcn Griechen haben in ihren hunderttausend Gotteshäusern keine Orgel und zwar aus zwei Gründen nicht: Weil zwischen dem Menschen und Gott keine vermittelnde Stimme sei«: soll. Der betende Mensch spricht unmittelbar seinen Schöpfer an und schickt nicht gedankenlose Töne als ein „Bitt für uns" zu ihm empor. Und weil die Menschenstimme mächtiger, erhebender, als die der Instrumente ist. Aber selbst der katholischste Mann der Erde, wenn er die tiefsinnigste Feier begehen will, er bedient! sich der Orgel nicht. In der Sixtinischen Kapelle i in Rom ertönt nur Bocalmusit, hier redet die Men-! schenstimme allein zu Gott und ebenso wird in der Peterskirche in Nom keine Orgel laut. Warum soll nun die Synagoge ausgeben, was sie seit Jahrhunderten besitzt, den Gesang der Menschcnstimme, die unmittelbare Sprache zu Gott? Ich bin in der Lage, die Meinung des größten jetzt lebenden Tondichters gegen die Orgel, selbst ln der Kirche, ansnhren Vnd ein schlagendes Beispiel, das seine Ansicht illustrirt, »ritcheilen zu könne». A!r