Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1862)
- Date
- 1862-01-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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vr. pdil. G. Hirsch aus der Urne hervorgehea. Wir waren bei einer Wählerversammlung zugegen, als ein christliches Mtglied derselben den Candidaten Kosch mit den wenigen Worten schilderte: Er ist ein ehrenwerther Charakter, ein tüchtiger Redner und parlamentarisch bewährt. Ein schöneres Lob kann ein Christ einen» Juden öffentlich nicht ertheilen. Wir fügen dem hinzu: Kosch hat Sinn und Verständniß für das alte ehrwürdige Judenthum, ist Vorsitzender unserer Nepräsentanten-Versammlung und ein vieljähriges Vorstandsmitglied der wohlthätigen Gesellschaft. Er ist einer der renommirtesten Aerzte unserer Stadt. Von Johann Jacoby brauche ich nur wenig zu sagen. Sein Name ist bekannt; aber das dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß er mehrere Schriften zu Gunsten der Juden geschrieben hat und daß er der Mitbegründer der von unserm Oberrabbiner Herr I. Meklenburg approbirten Königsberger Synagogen- und Begrabnißordnung ist. Stadtrath Hirsch ist eine Autorität im Gewerbefach und Mitglied unserer Nepräsentantenversammlung. — Aus P ölen hört man nichts Erfreuliches. Die jüdische Geistlichkeit in Warschau sitzt noch immer gefangen, und Gott weiß, wie es ihr ergehen wird. Der Handel dorthin geräth in Stocken, während die alten commerziellen Beschränkungen fortdauern. Wir haben in diesen Blättern mehrmals Beschwerden aus Thora darüber gehracht, daß dortige Kaufleute jüdischen Confession, Welche in Folge ihrer Geschäftsverbindung öfters nach Warschau zu reisen geaothigt sind, eine besondere Tageszettelsteuer in jener Hauptstadt entrichten müssen, während Engländer und Franzosen gleichen Bekenntnisses von dieser schmählichen Steuer befreit sind. Jetzt gehen uns ähnliche Klagen aus dem Königreiche Polen selbst zu. Alle russischen Provinzialen jüdischer Confession, die nach Warschau kommen, mußten Jahr aus, Jahr ein einen Tageszettel lösen, angeblich zur Unterhaltung des dortigen israelitischen Krankenhauses. Aber, fragt unser Correspondent, wer wird dort umsonst ausgenommen und wie ist die Behandlung? Diese Abgabe dient nur zur Bereicherung Einzelner und ist für die Gcsammtheit eine unerträgliche Last, die endlich von den Schultern abgewälzt werden muß. Frei seirr wollende Menschen, als welche sich die Polen gebehrdeü, dürfen nicht länger solche schmähliche Abgabe von einem großen Theile ihrer Mitbürger durch privilegirte Pächter erheben lassen, oder sie sind det Freiheit nicht würdig. Wir entsprechen gern de« dringenden Gesuche, diese Angelegenheit zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, und werden uuS freuen^ wenn dem gerügten Uebel recht bald gründlich ass» geholfen werde. Almoni." OesterreichischerKaiserstaak ) Wie», im Dezember. (Schluß). Jetzt unsere vorläufige Antwort, ^ä. 1. wird ununsere Minorität zum Vorwurfe gemacht. O! diese Pfaffendespotie! Nach Majorität wollt Ihr über GewiffeuSfragen abstimmen, niedertreten wollt Ihr unser uw» verjährbares Recht, unserer Ueberzeugung gerecht z» werden? Majoritätsberechtigung wollt Ihr in religiösen Forderungen des Gemüthes statthaben laffenz die uns innerhalb des Gesetzes geboten, und nur so einen Sinn haben kann? Sie haben, H. Jellinek, hiermit Ihrer Partei einen gefährlichen Dienst erwiesen; wir nehmen hiervon bereitwilligst Akt, und erlauben uns sofort eine Consequenz daraus zu ziehen. Weil nämlich Eure Partei nur eine kleine Minorität, (eine viel kleinere, als die unsrige zu Euch) zu der Anzahl der christlichen Mitbürger i» der Hauptstadt ist; warum ordnet Ihr Euch nicht auch der Majorität unter und tretet, wenn eS die Christen, wie so oft, verlangen sollten, mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel, mit Kindern und Kindskindern nnivi b) -po -.z, in's jenseitige Lager, was prinzipiell ganz dasselbe wäre? Oder vielleicht — --? Wir aber glauben, daß Eure Reform, wen» auch noch so bezaubernd, noch so mächtig, und hätte sie auch eine Anzahl von Schwachköpfen berückt, der einfachen, klaren und nackten Wahrheit gegenüber doch Nichts, gar Nichts vermag, und daß die Majorität nur innerhalb ebendeffelbigen Gesetze-, dadas '-virr vorschreibt, und zwar nur da zu entscheiden habe, wo die Wahrheit selber zweifelhaft, und nicht durch Vergleichungen und Folgerungsschlüffe unzweifelhaft aus dem Gesetze nachzuweilen ist. Was den 2. Punkt betrifft, so stellen wir entschieden in Abrede, daß unsere heiligen Ceremonie», wie on'pi von den wirklich gebildete» Andersglaub.ndeu (und nur an diese denkt der ver-*