Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Rr. 1 des Israelit. ausschließlich herrschend, Auffassung von der Aufgabe des einzelnen Juden eine wahre und richtige ist; wenn Entfaltung äußern Prunke- und bsrndenden Glanzeein dem Judentum sremdes Üsjkment ist, und dawahre jüdische Wesen in dem Leben in Gött,LEeht.. ist ,defli Anbau der inner» Welt, in der Geistespflege stjrc ^«MÜthsveredelung; wenn demnach die wesentltcken Merkmale elr^er, jüdischen Größe nicht die Umfangsgröße der sogenannten jüdischen Novelle» und Romane, nicht die Zahl der PttÜionm, nicht die lange Reihe von Jahren stadtratbllcher Funktion, auch nicht derkostspirlig« Bau prachtvoller „Tempel*, sondern Frömmigkeit, Bescheidenheit, Liebe zu Gott, uugeheuchelte Treue gegen seine heilige Lehre, wahre Ehrfurcht, vor deren Trägem, im wahren Sinne de- Wortejene talmudisch jü, bische Wohtthätigkeit, di« ihren Ausdruck ist der Förderung der u. s. w. findet, wenn diese Eigenschaften die wesentlichsten Merkmale einer jüdischen Größe bilden: so hat die Pessel Landauer, den Verlust einer jüdischen Größe ersten Rangeerlitten.. Schon früh in,dem Alter, wo die meisten Men schm noch tändeln, hatte diese edle Seeles angeregt und gehoben nicht leicht zu fassende Aufgabe einer jüdischen Frau in der gan. zm Bedeutung deS Worteerfaßt; und von nun an kannte sie keinen höhrrn Wunsch, hatte fie kein ander- Ziel, als ihr Lebm Und da ihr bald — sie heirathet« nämlich nach damaliger Mt« scher Sitte im sechzehnten Jahre — dagroße Glück zü Eheil geworden, in den bedeutenden GlückSgütern und der Aufopfer, ungsbereitwilligkeit ihrenicht weniger wegen seines frommen Wirkens als seines Rrichthumnamhaften Mannes, Raphael Landauer, die größte Aufmunterung und die sicherste Stütze gegen alle Hindernisse, di« sich einer solchen Lebensaufgabe entgrgenzustellm pflegen, zu finden; so vermochte ihren, namentlich bei ihrem Geschlecht, so seltenen Willensstärken Charakter, der zwischen Wille und Handlung keine Brücke kannte, für den Ge» nißretchen Leben- Nicht-, kein Opfer, kein noch so gewaltiges Ereigniß von der einmal rtngrschlagenrn Bahn abzulenkrn. Diese glänzende Laufbahn «öffnete sie damit, daß fl» das von ibrem.Vater und ihrem. Manne mit großem Kostenaufwand errichtete und mit einem ent< sprechenden Legate bedachte in Hürben -"woran selbst si, keinen geringen «ntheil hatte — mit Betten, Polstern und Bettflaschen versah und u «hrrre mittellose Talmndbefliffene dieser Anstalt beständig, da- -anze Jahr hindurch an ihrer Hasel hatte. Dies«, fick auf's Kleinste erstreckende und t»'- Etnzelnt gehende Fürsorge war bei ihr über nicht, wie man «- sonst im Libm gewöhnlich bet dm tn der Regel mit Launen geprägte» Reiche» findet, eine ausschließliche Lieblingsbeschäftigung, auf die fie sich gar viel zu gut gethan und alle- Andere »ernachläsfigt hätter vielmehr «freuten sich alle Hilfsbedürftige», die sich einmal » sie gewandt und ihre Unterstützung in Anspruch geaomm« hatte», ununterbrochm und pünktlich ihrer vertraulichen, warme» stad wohlthLUgen Thellnahme. Wie manchem Armen wird nicht die so griste-stärkmde und gemütheerhebende. fabbathllchr Feier zur wahren Qual durch die ih» die ganze Woche peinigend« Soitze, am Sabbat, den» Lage der Ruhe und Erholung, die m fich schy, sie unermüdliche Frau Landauer habe schön für LNI'j? Fische, Mehl und Oel gesorgt. Auch konnten sich dieselbe» dm nehmen Augenblicken l-rs Freudenfeste-, de- M2V welches Fest durch den Hinblick auf sein.Gefolge, dm Winter, für so viele der Unglücklichen sein« Bedeutung verkett, ganz ungestört. hingebeaZ in der festen Ueberzeugung, daß auch diesmal, wie alljährlich ihre Wohlthäterin für dabeste Holz gesorgt habe; hatte doch diefelbe ihren Wald zu ihrem Gebrauch bestimmt! Albesonders bezeichnend für die Art und Weise, wie ihr Heller Geist dm tiefen Gehalt der väterlichen Religion aufgefaßt, verdient wohl folgender Zuhrrvorgehobm zu werden. Ohne Unterschied der Confessio» «hielten alle unvermögenden Kranken Hürbm's Stippen und zur Zeit der ReconvaleScer.z Fleisch. Aber ihr wohl» rhätige-, wachsame- Auge beschränkte sich nicht nur auf HSrbm all««. Die von ihr ta die Rah« und die Ferne regelmäßig g». schickten, bedeutenden Spenden verbrrireten so ihre» Nam«, «, höchst selten ohne drei Gäste aus den entferntesten Gegenden in der vertraulichsten Tischgesellschaft fand. Btt solchen Gelegenheit», wäre es dem Ankömmling durch di« Einfachheit ihrer Kleidung, den Anwesenden dir gepriesene Frau herauszufinden. Mnßt» man ab« ihr ungekünsteltes Wesen, ihre Leutseligkeit und Domuth schon im gewöhnliche» Umgänge bewundrr», so glaubte blicken nahm ihre schlanke große Figur, die durch dm Seel«, »drl und de- Bewußten eines sittlich reinen, tugendhaften Lebmein« in unserer Zeit höchst seltene tmpontrmd» Erscheinung dar»