Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufschwünge begriffen; wir heben unter den dort er« scheinende» jüdischen Zeitungen. Hamewaffer le Galizien" hervor; derselbe hat vorzugsweise eine politische Tendenz. Die Redaktion, bestehend aus den rühmlichst bekannten Herren Josef Lohn und I. Menkes, verfährt mit Umsicht und Geschick; die Tagesereignisse j werden in elegantem Hebräisch, danur manchmal selbst bei gewöhnlichen Begebenheiten einen zu große» Schwung nicht vermeidet, erzählt, und das Feuilleton bringt beachtcnSwerthe Abhandlungen, die rabbinische Literatur betreffend, Lebensbeschreibungen großer Männer rc. Die religiöse Tendenz ist überwiegend orthodox. Dieser letzte Punkt hat den Redakteuren Schmähungen von Seiten einiger CorreSpondenten reformfreundlicher Blätter zugezogen, die eS sogar nicht verschmäht haben, den Styl der erwähnten Zeitung als unhebräisch zu verdächtigen; hierdurch haben sie sich jedoch nur selbst lächerlich gemacht, da sie sogar biblisch e Ausdrücke als Beispiele des angeblich schlechten Hebräisch darstellen. Jene Schmähungen können nur zur Empfehlung des Blattes beitragen. — In Preußen harren die Angelegenheiten unserer Glaubensgenossen noch immer der Entwickelung. Es ist bei dem jüngsten Krönungsakte in Königsberg beklagt worden, daß die jüdische Confession hiebei r.icht ossiciell vertreten war. Unser Königsberger Correspondent (Almoni) schreibt uns hierüber Folgendes:! .Königsberg, den 17. Dezember. Ich kann nicht daS Jahr Ml verfließen lassen, ohne Ihnen noch einmal von hier aus zu schreiben. Königsberg war in diesem Herbst wegen -er hier stattgesundenen Krönung Wilhelm I. von Preußen wieder einmal epochemachend und zog von allen Welttheilen Zeugen und Deputirte herbei. Auch an israelitischen Nobilitäten hat es dabei nicht gefehlt. Selbst ein Mitglied des städtischen Festcomite's war ein Jude. In keiner Stadt Deutschlands herrscht seit Jahren schon ein so geselliger Verkehr zwischen Juden und Christen als gerade bei uns, in der „Stadt der reinen Vernunft." Daß aber die Synagoge M solche bei der Krönung hier nicht vertreten war, während doch bei dem festlichen Einzüge in Berlin auch die dortige jüdische Geistlichkeit in ihrer Amtstracht sich betheiligen durfte, an dieses Zurücksetzung hat lediglich wohl nur unsere Provinzial- Und Localbehörds Schuld und war dieselbe gewiß nicht im Sinne Sr. Majes. stät des Königs, dessen Gnadenbezeugungen alle» Confessionen auf gleiche Weise zu Thcil wnrdemZu den Ncudccorirtcn gehört auch ein Vorstands-Mitglied der KönigSberger Syuagogen-Gemeinde, Herr H. W. Wiener, der sich namentlich um da» Proviuzial- Blindeninsiitut vielfach verdient! gemacht, so wie gleichzeitig ein Mitglied der Repräsentanten-Bersammlung derselben Gemeinde, Hr. Banquier Mor. Simon zum Commerzimrath ernannt worden ist/-*-.* DaS HanS der Abgeordneten^ dessen. Mitglieder« wähl zur neuen Legislatur-Periode soeben vollendet ist, zieht mit Recht alle Augen auf sich. Wird dasselbe endlich eine definitive Regelung der politischen und bürgerlichen Rechte der israelit- Bevölkerung in Preußen bewerkstelligen? Bekanntlich bleibt in dieser Beziehung noch Vieles zu wünschen übrig; daS preußische Herrenhaus ist noch immer so gestaltet, daß es sich wie ein Hemmschuh an die Entwickelung der preußischen Gesetzgebung hängt, und einzelne Entscheide einiger Minister sind nicht dazu geeignet, die Sympathien unserer Brüder in Preußen zu erlangen. Dem F. I. schreibt mau über die, auch m diese» Blättern mehrfach besprochene Frage der Zulassung der Juden als Professoren a» der Universität in Königsberg, von Berlin aus Folgendes : „Der Entscheid des Herrn v. Bethmann-Hollweg in der Frage, ob eS der Universität zu Königsberg in Zukunft gestattet sein soll, Katholiken und Juden als Professoren zuznlassen, hat hier m gelehrten Kreisen einen beinahe allgemeine« Tadel gefunden. Man fragt sich vergebens, wie die Aufrechthaltung des bekannten Statuts in einem paritätischen Staate, bei einer sich dagegen erklärende» Majorität und bei dem klaren Wortlaute der Verfassung in unseren Tagen noch möglich war. Wen» der Minister glaubt, durch einen derartige« Entscheid die projectirten „moralischen Eroberungen" ins Werk setzen zu Helsen, so dürste er sich doch wohl recht arg irren UebrigenS verlautet, daß die unerquickliche Angelegenheit vor den nächsten Landtag gebracht werden soll und daß auch diesmal wieder wahrscheinlich von der medicinischen Facultät in Königsberg die Initiative ausgehen wird. Bekanntlich war siees