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Der Israelit · 1862-01-01 · Heft 1 (1.1.1862) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 1 (1.1.1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 Zkit ist diese große Monarchie in eiaer Umwandlung begriffen, welch? viel zu Gunsten unserer-Glaubensgenossen heroorznbringen verspricht. Es ist gerade ein Jahr, daß der neue Staatsminister v. Schmer ling ein Rundschreiben an die Statthalter erließ, in welchem cr aussprach, daß es der Wille des Kaisers sei, daß freie Religionsübung gewährt werde, daß auch die bürgerlichen und politischen Rechte vor jeder Beeinträchtigung gewahrt und die wechselseitigen Beziehungen der verschiedenen Confessionen auf dem Fuße der Billigkeit und wahren Nächstenliebe geordnet werden. Die großen Schwierigkeiten, auf welche die Neugestaltung Oesterreichs gestoßen, haben bis setzt diese erhabenen Intentionen eines hochherzigen Monarchen und seiner erleuchteten Negierung noch nicht in ihrer vollen Ausdehnung zur Wirklichkeit gelangen lassen. Indessen hat der Kaiser einen Israeliten, den Baron v Rothschild, als lebenslängliches Mitglied in den Reichsrath berufen, und auch in dem Abgeordnetenhause hat ein Glaubensgenosse, Kuranda, seinen Platz gesunden; viele druckende Ausnahmsgesetze sind bereits aufgehoben, und ein freisinniges Neligionsedict ist vorbereitet, um die religiösen Verhältnisse des Kaiserreichs nach dem Willen des Monarchen zu ordnen. ES dürften jedoch noch viele Schwierigkeiten zu überwinden sein, ehe jenes Edict Gesetzeskraft erlangt. Das Frankfurter Journal meldet hierüber Folgende-: »Wahrscheinlich zu einem sehr ernsten Kampfe zwischen dem Nbgeordnetenhause und der Regierung wird auch das Religionsedict Veranlassung geben; und eS ist nicht unwahrscheinlich, daß die ganze Debatte völlig resultatloS bleiben wird. UebrigenS dürften die Berathungen hierüber jedenfalls bis zur nächsten Session aufgeschoben bleiben. Die Regierung selbst fürchtet eine gewaltige Agitation, die von clericaler Seite über da- Religionsedict in Bewegung gesetzt werden wird, wozu es nicht an merklichen Anzeichen fehlt, und Angesichts der politischen Lage des Reiches könnte der Sturm leicht sehr gefährlich werden. Staalsminister v. Schmerling sucht daher auch jede Agitation zu beschwichtigen, und soll bereits erklärt haben, daß die Annahme des ReligionSedicts im Abgeordnetenhause ihn zwingen würde, von seinem gegenwärtigen Posten zurückzutreten." Dieser letzte Passus ist uns ziemlich unverständlich, denn wir können unmöglich glauben, daß Herr von Schmerling einem Edicke entgegensteht, daS seinen eigenen Ansichten und Absichten Ausdruck verleiht. — Unter den einzelnen KronlLndern Oesterreichs ist eS namentlich Ungarn, welches unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Ungarn war indem verflossenen Jahr der Schauplatz der lebhaftesten politischen Kämpfe; die politische Erregtheit mußten namentlich unsere Glaubensgenossen bitter empfinden» Excesse, einzelner neuconstituirter nationaler Gerichtshöfe, gegen unsere Glaubensgenossen verübt, wolle» wir hier um so lieber verschweige», da fie nur vereinzelt vorgekommen find. Aber nicht zu verzeihe» ist eS, daß die ungarischen Patrioten nicht sofort die Emancipation der Juden in ihr Programm ausgenommen haben Erst in der zwölften Stunde, im Augenblicke der Auflösung des ungarischen Parlaments wurde die Emancipation als wüyschenswerth ausgesprochen. Daß ein solches verspätetes Geschenkdessen Absichtlichkeit offen zu Tage liegt, nur wenig Anspruch aus unsere Dankbarkeit hat, brauchen wir wohl nicht erst auszusprechen. Wir wollen damit jedoch durchaus nicht sagen, daß unsere ungarischen Brüder ihrem Patriotismus für das engere Vaterland entsage» sollen, wir wollen fie nur auf ihre Pflichte» Hinweisen, welche fie gegen das Gesammtvaterland und de» angestammten Monarchen zu erfüllen haben. Es ist bei derartigen Conflicten für de» Juden da- Allerbeste, still und geräuschlos seine Pflicht zu ihun, und wie unsere h. Religion einen stillen und bescheidene» Wandel mit Gott vorschreibt (rvb pnn), so ist eS auch am gerathenfie«, jedes Hervordräng« während der politischen Stürme zu vermeide» und still und bescheiden den rechten Weg zu «ander«. — JaBSh « eu haben emzelne Judenverfolgung« den Unwillen und die Entrüstung der ganz« gebildeten Welt hervorgerufen. — In Mähren herrscht jetzt unter unfern Glaubensgenossen in religiöser Beziehung ein reges Treiben; ehandelt sich um die definitive Besetzung des Land-RabbinatS; möge Gott unsere dortige Brüder hierbei de» recht« Weg führen. — Ja Galizien ist in Folge der größere» gewährte« Freiheiten die hebräische Literatur im

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