Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1861)
- Date
- 1861-12-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Hen Jude» ihre völligen Menschenrechte sinzuräumen. Wie würdig gerade die Juden Mecklenburgs dessen! sind, würde am Besten aus einer statistischen Berechj nung hervorgehen, in welcher das Bcrhaltniß der I politischen, kriminalischen und fiskalischen Verbrechen, der unehelichen Geburten rc. unt/r den Juden, gegenüber den andern Land» sbervohnern' dargestellt würde. — Es würde sich aus dicker Berechnung ergeben , daß das in jeder Hinsicht musterhafte Betragen der Juden Mecklenburgs die Erkheilrmg der!ihnen gebührenden Menschenrechte fördern muß. — > Diese Ansicht wird auch durch die Anerkennung! begründet, weiche der mecklenburgische Jude von sei-? nen Mitbürgern genießt. — So feierte^ vor Kurzem! ein ehrwürdiger Greis in Gadebusch seine goldene Hockzcit; fast von allen Juden des Landes wurde er mit Gratulationen und Geschenken erfreut, und auch die christlichen Mitbürger standen nicht zurück, diesem! (Ireise seinen -Ehrentag zu verherrlichen. Wenn auch der Pöbel, sowohl aus den niedern als höheren Klaffen, die Juden Betrüger und Arbeitsscheue schimpft, so muß er ihnen doch das Gegentheil aus Heberzcrrgurrg zugestehen, und man sicht deutlich, daß die Zeit nahe ist, wo jedes Vorurtheil fallen muß. — K.. z. Preußen. Exkn. Den 3. Tecember r/m feierte der t 00jährige Greis, unser ehrwürdige Rabbiner, Herr W. I- Klausner, sein üOjahriges Tienstjubiläum in hiesiger Gemeinde. ES versammelten sich auf vorangcgangene Anoc'uimng dcS Comile'S eine große Anzahl Frauen, Jungsraucn und Mänrur aus allen Ständen und Klaffen im IlLtel cke Inaris. Hier thciltcn sich die Versammelten, und in drei großen Abtheilungen bewegte sich etwa gegen 10 Uhr Vormittags der ganze Zug in feierlicher Stille über den Markt nach der Wohnung des Jubilars. Im ersten Zuge schritten 12 Mädchen (von Frauen begleitet), weiß gekleidet, von denen 4 ein gef icktes Ruhekissen, auf dem ein LorLeerkranz ruhte, vorantrugen; im zweiten Zuge folgten die Männer, und unter ihnen als Vertreter der Stadt der Herr Bürgermeister und noch andere christliche, höchst achtbare Bürger, geführt von dem evangelischen Pfarrer Herrn Pastor Thede»; dem dritten Zuge schloffen sich die Deputationen der auswärtigen Gemeinden an, geführt von Herr» Rabbiner Dr. Gebhard aus Br!omberg. Hier angelangt, trafen die Gratulanten den ehrwürdigen Greis im Bette schlummernd; (er war acht Tage vorher! erheblich erlrar.kt, und befand sich am Tage deS Festes in der Genesung). Der Anblick machte, auf die Menge einen so rührenden Eindruck, daß Referent in Mer Augen Thränen bemerkte. Jetzl erwachte der Greis, und eins der Mädchen trug, nahe vor dem Bette stehend, ein für dieses Fest paffendes Gedicht vor, und überreichte Geschenke und Glückwünsche. Herr Pastor Theben fühlte sich in diesem wahrhaft ergreifenden Momente veranlaßt, zur Verherrlichung des feierlichen Actes beizutragen, und richtete begeisternde Worte an den Jubilar; dir tiefe Stille ließ jeden Seufzer des greisen Rabbi vernehmen. Dank dem Herrn Pastor, der durch diese würdige Handlung gezeigt hat, daß er ü?" jedes Vorurtheil erhaben ist. Hierauf sprach Herr vr. Gebhard feil.- Wünsche in hebräischer Sprachbaus'und gab dem Feste somit die rechte Weihe. Die Deputationen auS Bromberg, Samoczynh Gollancz und Janowicz übergaben hierauf ihre Glückwünsche, begleitet von 3 colloffalen, geschmackvoll gearbeiteten silbernen Pokalen; die hiesigen Gemeinde-Mitglieder beschenkten den Jubilar mit baarem Gelbe, was auch von nah und fern in reichlichen Spenden geschah. Nachdem nun von allen Anwesenden die Gratulationen erfolgt waren, st^te sich der ganze Zug wieder in Bewegung zur gottesdienstlichen Feier in der Synagoge. Auf dem Wege dorthin schloffen sich Frauen und Männer aller Consessionen dem Zuge an, und nachdem vom Kantor einige Psalmen im Tempel recitirt waren, bestieg Herr Dr. Gebhard die Kanzel, beleuchtete die Bedeutung des Tages und schilderte in so kräftigen und gediegenen Worten das Leben und Wirken des Jubilars, daß fein Andenken nicht sobald in den Herzen der Zuhörer erlöschen wird. Tank auch ihm, daß er durch seine ergreifenden Worte den: schönen Tage den wahren Glanz verliehen hat. Cm Psalrnlied beschloß die gottesdienstliche Feier und damit auch das Fest des Tages. Kaum hatte sich die Sonne ihrem Untergänge geneigt, als im Hüte-