Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1861)
- Date
- 1861-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Zu Euch, Ihr Bessergesinnten, Ihr Einflußreiche« in unserer Heuern Gemeinde, zu Euch ertönet darum meine Stimme ^O-18 Wollt Ihr sie retten,, diese unsere Gemeinde, die uns trotz aller ihrer Schwäche::, doch so lieb und werth ist, an die sich doch so viel theure Erinnerungen aus der Vergangenheit knüpfen, — so gibt, es nur Ein Mittel: Gründet eine jüdische Schule! Was eine gute Schule. für die religiöse Erziehung vermag, wißt Ihr; Ihr wißt ebenso, wie nur auf unfern Kindern die religiöse Zukunst unserer Gemeinde beruht. So mögen wir denn Massen von aller Neformenflickerei, und lieber eine Pflanzstätte herrsch? Len, auf welcher unsere Kinder und Enkel das Judentum wieder erkennen und hochachten lernen. Begnügt Euch nicht mit einer sog. Neligionsschule; sie. schadet vielmehr, als sie nützt! Wenn unsere Kinder christliche Schulen "besuchen, und den besten Theil der Schulzeit .sich «-gearbeitet haben, dann bringen sie in die Neligionsstunde keine geistige Frische mehr mit, dann ist es ihnen Bedürsniß, ihrem jugendlichen Uebermuthe einmal freien Laus zu lassen, und sie werden sich in der Neligionsschule um so eher Luft zu machen suchen, als der Gegenstand ihnen als Nebensache, von untergeordnetem Werth und Interesse erscheint. Wie schwer auch der Beruf des Lehrers ist: keiner ist undankbarer, mühsamer und dornenvoller als der des jüdischen Religionslehrers in größeren Städten, keiner ist von geringerm Erfolg gekrönt! — Für die Kasseler Gemeinde zumal jist eine jüdische Realschule noch Bedürsniß aus localen Gründen, wie, wir weiterhin sehen werden. Zwar ist hier die irrige Ansicht noch im Schwung, daß unsere Kinder mit den andern Ccmfessionen gleiche UnterrichtSanstalt. besuchen müssen, um dem NeligionZhaß die Nahrung zu entziehen; allein von dieser falschen Voraussetzung ist man anderswo schon längst zurückgekommen. — Die Kasseler Jugend ist ohnedies nicht eben die loyalste, eS ist wenig, was unsere Kinder an Sitte und Anstand von ihr annehmen können; und wenn wir noch den bedenklichen Umstand hervorheben, daß ' in Kassel dem Schulunterricht von Oben herab enge. Schranken gezogen sind, so haben wir flüchtig auch, die Nonzente berührt, die uns bestimmen müssen, selbst abgesehen von dem religiösen Bedürsniß, eine gute Schule m unserer Gemeinde , zu stifte«. Darum lasset das Vorurtheil fahren, als' wenn die Amalgamation der Conseffionen schon bei den Andern, beginnen müsse! Sind unsere ^öhne und Töchter nicht selbstsüchtige Allkagsmenschen, die über die Schölle sich nicht zu. erheben vermögen, dann wird ihnen die Geringschätzung zu Theil, die sie verdienen, trotz aller l Schulcameradschast ihrer chnPicheu Mitbürger. Werden sie sich aber. als sittemeine und rechtschaffene Männer und Frauen einst auszeichneu, wie unsere Religion es will, dann werden sie sich die Hochachtung aller Edeln erwerben, obwohl sie nur — eine gute Judenschule besucht haben. . . B. M. (Schluß folgt)-' ^-' Ans Bayern. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir Israeliten Bayerns, nachdem nun die Königl. Sanktionirung in Betreff des MatrikekgesetzeS erfolgt ist, verpflichtet sind, dem Allmächtigen hiesür in alle« inländischen Synagogen öffentlich zu danken. Ja, eL wäre nicht zu viel gethan, wenn wir ein Freudenfest hier veranstalten würden. Denn buchstäblich läßt siH hieraus anwenden w-mvcm heute wälzte ich MizrajimS Schmach von Euch atz. Bei genauer Betrachtung war jenes Gesetz in Hinsicht der Ansassigmachung noch weit drückender, da doch in Aegypten der Verehelichung durchaus keine Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Brüder, wie Viele konnten'erst, nachdem ihr Haupt grau geworden, zur Gründung eines häuslichen Heerdes gelangen! Wie Vielen, gelang es gar nicht, in Folge jenes Phargonische'n Gesetzes! Wie Viele mußten ihre Heimath verlassen und sich m ein Land begeben,.wo sie zwar diese Beschränkung nicht fanden, aber durch viele andere, ihr Seelenheil beeinträchtigende Verhältnisse mehr verloren, als sie gewonnen hatten! Da nun der Himmel unser langjähriges Seufzen erhört, und uns von dieser drückenden Fessel befreit hat — wessen Herz konnte da wohl noch kalt bleibe«? Wessen Gemüth wird da nicht von heißem Eifer erglühen, dem himmlichen Vater lzu danken, daß Er die Herzen der beiden hohen Kammern, die Herzen der humanen Negierung, (die schon bei dem Ausschüsse der beiden Kammern ihre huldvollen Absichten kurckgcgeben, daß sie nicht nur den Beschlüssen der Karnmeru in dieser Beziehung nicht entgegen sein werbe, . '12 n > tr N >