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Der Israelit · 1861-11-20 · Heft 47 (20.11.1861) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 47 (20.11.1861)
Date
1861-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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-vermag ihn von seinem Wahne LU heilen. In unserer Synagoge sind doch nun schon so viele Verbesserungen eingesühtt; wir Haben dem PubMm j von einigen Bericht erstattet — unser geehrter Radbüier hat deutsche Gebete eingesührt, er hat einen großen TheiL der gestrichen, wofür Psalmen xecUlrt, Lieder gesungen, Predigten gehalten werden, z und doch hat die Religiofitüt mit jedem Jahreij uH! vielleicht eben darum j abgenommen. WaS jW denH nun noch geschehen? und welche heilsame j Folgen sollen dadurch für unser Judenthum erzielt werden? j Möchtet Ihr es hoch nicht vergessen Brüder, daß Gott zu uns gesprochen «Ihr soN nicht leet vor meinem Angesichte erscheinen!" Wenn Ihr am statt, wie unser Herr Rabbiner es weise angeordnet hat, lOmal*), nach den Leber 20. mal 2^ M'N betet und singt, und wenn Ihr täglich oder allsabbathlich im Gotteshause mit obligater Orgelbcgleitung Lob- und Dankesgesänge anstimmt, ach, so erscheinet Ihr — so erscheinen wir — dennoch so blutarm, so leer vor seinem Angesichte, weil wir ihm nicht das Beste, uns selbst, mitge- Sracht, und wir ihm auch nicht das Mindeste zu opfern bereit sind, was unsere Bequemlichkeit beeinträchtigen könnte! WaS soll uns nun ein verbesserter Gottesdienst fruchten, wenn unsere wichtigsten und heiligsten Institutionen brach und unbenutzt liegen? Lasset uns, wenn etwas Wesentliches geschehen soll, darum nicht mit der Synagoge beginnen, lasset, ehe wir in Gottes Haus einkehren, Gott erst in unsere- Häuser einkehreu, welche dem jüdischen Gesetz und der jüdischen Sitte so fremd geworden sind. Lasset ANS nicht zu Quacksalbereien unsere Zuflucht nehmen, sondern einmal, soll unsere Gemeinde dauernde Genesung finden, eine radikale und naturgemäße Kur gebrauchen, und lasset, *Jhr, denen ein Einstuß vergönnt ist, den günstigen Moment nicht vorübergehen, ohne ihn gewissenhaft zu benutzen; wer weiß, wann er sich Euch wieder darbietet! Der Arbeit ist viel, aber der Tag ist kurz. Nützet ihn! Er ist nur so lange Euer, bis die Sonne sinket. — B. M. . ' (Fortsetzung folgt.) näwlich drei mal Nack drei mal nach Md vi« mal / (Hierbei eil M e ck l e ub « hg. s't', i .1'' 1 Von der WarnvD im NovW. Ms« Landtag trüt zusammen nsd wird mit sein« Landschaft und Ritterschaft uns Juden um keinen Schritt aus unserer exceptionellen Stellung zum Staate und seine» Bürgern heravsbringen. Nirgend mehr in Deutschland, ja in ga«H Europas die Türkei MW miti gerechnet, haben, die Jude» einen so erniedrigten Standpunkt wie hier. Daß es noch Städte gibt, wo Juden, gar? nicht wohnen dürfen, daß sie von den Dörfern ausgeschlossen bleiben, nun das Legt vielleicht in den HeimathSgesetzen, die hier noch gelten und die in ihrem ganzen Inhalte sich als die Geburten des feudalsten Feudalismus zn erkennen geben. Aber selbst wo wir wohnen dürfen, können wir ohne besonderen ConsenS kcinHauS, keinen Garten kaufen, ja nicht einmal ohne solchen besonder« ConsenS eilt Haus oder Garten ererben, müssen wir besondere Privilegien haben, um unS ein Geschäft oder Gewerbe einzurichten, und hängen überhaupt von der Omnipoten; der Herren Bürgermeister ab, die uns fo zu sagen die Existenz als besondern Ausfluß ihrer Gnade gestatten und darum auch verweigern dürfen. Wir schleppen hier ein großes Stück gelben Fleckes mit uns noch herum, und Deutschland hat hier seine Achillesferse, an der noch wohl lange Zeit das Menschenrecht verwundet werden wird. Aller Glaube an eine Besserung unserer social-politischen Zustände ist so gänzlich aus dem Herzen der hiesigen Juden geschwunden, daß man eS gar nicht mehr versucht mit einer Petition vor den Landtag zu treten; das ist ein wahrer politischer Pessimismus, wo selbst die Hoffnung auf eine günstigere Gestaltung der Situation keinen Raum mehr im Herzen findet, oder was vielleicht noch schlimmer, man fürchtet noch um das Wenige zu kommen, wessen man sich in dieser verkümmerten Lage zu erfreuen hat, wenn man den Landtag erinnert, daß eS Jude« gibt und ße bezahlen den jüdischen Leibzoll — vnkxo Schutzgeld nicht mehr. Preußen. WrrS Berlin, 7. Novbr. wird geschrieben: Zn den Schattenseiten des jetzigen Ministem gehört noch k Beilage.)

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