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Der Israelit · 1861-11-20 · Heft 47 (20.11.1861) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 47 (20.11.1861)
Date
1861-11-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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56L aufgehört seit ewm?r Zeit, weil man gedacht hat, daß da« Iudeiilhum gerrug zurückgeführt, genug erniedrigt wäre, so daß selbst der Rabbiner, der am meisten der Wiffenschaften und Tugenden beraubt, sie zu erreichen vermöchte. Seien wir überzeugt, daß daS resormatorische Werk wieder beginnen wird, sobald der Rabbiner sich wieder unterhalb dieses verstümmelten, abgeschwächten, erniedrigten'JudestthumS befindet. i i " Da der moderne Rabbiner nicht das theologische Wissen seiner Vorgänger besitzt, da er nicht, wie. ehemals , um sich zahlreiche Schüler versammeln kann, um sie in der Thora zu unterrichten, da er nicht in der Synagoge jene glänzenden, religiösest Zusammenrünste zu halten vermag, welche unsere Vater so sehr «ntzückten, so muß er seine ganze Wirksamkeit darauf beschränken, magere Moralpredigten zu halten, welche er nötigenfalls aus einem Buche abgeschrieben oder von einem andern hätte verfassen lasten können. Der moderne Rabbiner befreit sich auch dadurch, daß er den CultuS zu rcformiren sucht, daß er alte und heilige Gebräuche zu unterdrücken sich bemüht, daß er mehr und mehr das religiöse Gefühl unserer Glaubensgenosten und die Achtung vor den heiligsten israel. Traditionen erschüttert, von einer Verlegenheit; es ist diejenige, GewistenSfragen zu entscheiden, rnbxV zu beantworten, ein Urtheil über religiöse Fragen, welche er wenig oder gar nicht kennt, abzugeben. Wett entfernt ist der moderne Rabbiner davon, die Aufgabe zu erfüllen, welche der Prophet dem isr. Volkslehrer aufcrlegl: „ Eine Lehre der Wahrheit ist in seinem Munde, keine Falschheit findet sich auf seinen Lippen, er wandelt vor nur friedvoll und den Gesetzen gemäß, und Viele bringt er zurück von Sünden; die Lippen deS Priesters bewahren die Erkenntniß, Belehrung sucht man aus seinem Munde, denn ein Bote des Gottes Zebaoth ist er" (Maleachi ll. 67) der moderne Rabbiner, weit entfernt diese Ausgabe seines Amtes zu erfüllen, muß er nicht vielmehr im Gegenbeil mit einer gehcimen Genugthuung sehen, daß die isr. Wissenschaften und die iSr. Tugenden wenige Fortschritte in leinen Gemeinden machen, und daß er sich also trotz seiner Mittelmäßigkeit und Unbedeutendheit eine gewisse Ueberlegenheit bewahrt? Was . würde er machen, wenn nach einem andern Prophetenwort alle Kinder Israels wären Belehrte des Ewigen vm und kn Bezug auf Tugend und Kenntniß über ihren Rabbmen standen? Liegt darin etwa das Geheimniß jener schöne» Milde, jener wundervollen Toleranz, welche alle Verbrechen, jeder Skandal, alle Verletzungen des göttlichen Gesetzes, alle Angriffe auf die iSr. Sitte bei gewisse« Rabbmen finde»?*) ' ' Der moderne Rabbiner hat sich, nachdem er aufgehört hat ein Mann deS Gesetzes z« fein, zu einem Manne der Ceremsmen, zn einem Hofmarschall des CaltuS gemacht; seine Beschäftigungen, seine Sorgen, seine Studien gehen dahin, mit eleganter Manier ein Costüm zu tragen, mit Salbung ei« Gebet in der Landessprache herzusagen, feierlich die Hände auSzustrecke» und mit Heiligenschein die Augen emporzuheben; sein Schneider und sein Lehrer der Deklamation und der Haltung sind für ihn wichtigere Autoritäten als die Codices des Judenthums, die Rischonim und Achronrm. „Ihr habt euch gemacht, spricht Gott, Priester wie die andern Völker: Wer immer nur feine Hand weiht mit einem jungen Stiere und sieben Widders ist Priester der falschen Götter* (2. B. Chron. 13,9.) Ist eS nicht dieselbe Entweihung deS Mische» Priesterthums, wenn die rabbinische Funktion zurückgeführt ist bis auf einige Ceremom'en im Tempel, wenn daS heilige Amt einzig im Ornate wohnt und mit ihm verschwkndet, wie die Nolle des Schauspielers mit seiner Tracht? Wir achten und lieben den Rabbineu, wir haben Ehrfurcht vor ihm, wie wir vor Gott Ehrfurcht haben — O'QV — wenn sein Werth, sein Titel und seine Weihe sind in ihm, nicht außer ihm in erborgten und fremden Dingen. Unsere alten Rabbineu vermieden den Schein, die Schaustellung, die Parade; sie suchten nicht immer das öffentliche Aufsehen, wie ein Bild, daS da zur öffentlichen Anbetung ausgestellt ist; sie verbargen sich bescheiden wie Adam, vor Gott und den Menschen, denn sie hatten wirklich von dem Bäumender Erkenntniß gegessen, und hatten nicht nöthkg des kirchlichen Schau- Gepränges, um als die treuen Wächter und die Be- Änrnrrkung der Redaktion des ILrae'.it. Man braucht aur in der Philipps»» schm Zeitung a-ch-uk.-sea, wie viel flch di« Herr«» darauf zu Gute thua, daß. trotzdem fl« s» leicht find, fl« dennoch in religiöser Beziehung schwerer wiegen, alS dl« große Masse ihrer Gemeinde.

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