Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1861)
- Date
- 1861-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2446984-2447030--01025-2456247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- I Mischen Religionsunterrichts deigcbracht wird; sie sehen wie die Aeltern den Sabbat entweihen und eutw.ihen ibn bald selbst; sie werden genährt von un Mischer Kost, erzogen in christlichen Schulen und Peusiouüten, gebildet durch uichtjüdischen Umgang; völlig entsreyldes der Religion der Väter, gilt ihnen diese am Ende gar nichts mehr. Das sind die Knaben, denen bei der Dar Mizwah-Feicr die Lerachah mit deutschen Buchstaben vorgeschrieben werden muß, das sind die Jünglinge, Herren als Trauernden das Kadisch-Gebet mit deutschen Buchstaben vorgeschriebe» werden muß, das sind die Männer, die wenn sie ein- und zweimal im Jahre an Wochentagen, das ist bei Gelegenheit des Iahrgedächtnisies ihrer verstorbenen Lettern in der Synagoge erscheinen, nicht mehr die Denkriemen anzulegen verstehen; das sind die jüdischen Frauen, welche die Pflichten der jüdischen Hausfrau und Gattin auch nicht einmal dem Namen nach noch kennen. Männer und Frauen von diesem Schlage bilden in vielen größer» isr. Gemeinden Deutschlands bereits schon die Mehrzahl. Was soll nun aus den Kindern dieser Männer und dieser Frauen werden? In dieser Werse Juden zu sein und Inden zu bleiben ist ein Ding der Unmöglichkeit. Tie Religion ist dem menschlichen Herzen, und namentlich drin Mi scheu Stamme ein viel zu großes Vedürsniß, als daß die Religionslosigkeit dauernd werden könnte. U m - kehr oder Abfall ist hier die Alternative. Sosehr wir auch die erste wünschen und den zweiten abzuwe-den uns sehncrr — in jedem Falle ist die Zukunft Israels unser! Hören wir nunmehr wie der geistvolle Vorkämpfer des französischen Judentums, Herr S. Bloch, die religiösen Zustände der Gegenwart auffaßt: Es ist erlaubt zu glauben, sagt er, ja zu behaupten, daß die Reform ins isr. Cultus, vorzüglich in Deutschland, und all die reformistischen Versucht die in Frankreich und anderswo gemacht worden die Frucht deri Umwandlung des Rabbiners sind. Sehen wir Zu, wie so: das alte Judcnihum, das heißt das! einzig wahre, das einzig göttliche, das einzig unsterbliche, legt seinen Kindern heilige Tugenden, eine große Strenge der bitten, materielle, oftmals mühevolle Entbehrungen, ein Leben der Minheit, der Entsagung und der Heiligung, vor ÄLem aber deu Erwerb und den Besitz der heiligen Wissenschaften auf; dieses! Judenthum hatte nöthig als Orgape, als RepräsentantU,. kurzr, als Rabbinen, Männer,.selche sich he.sgndsy auf der>j Höhe all dieser großen Dinge,' welche waren d-S t Muster, aller Tugenden und die leuchtende Fackel!., göttlicher Erkenntnisse. Diese hatten nicht nöthig - das Judenthnm zu resormiren; sie bemühten sich vielmehr während ihres ganzen Lebens sich zu dem-. selb?» mehr und mehr zu erheben, und sie gelangten dorthin. Die Verdienste des Rabbinen warenpM. Bürgschaft für die Unverletzlichkeit der Religion, wie die Tugend des Bürgers der Schutz der Gesetzeseines Landes ist. - Aber als sich in Israel Männer erhoben haben, die da nehmen wollten den Titel eines Rabbineu, eines Priesters des Judenthnms, ohne sich zu unter-, ziehen den Pflichten desselben, ohne seine Tugenden' anszunben, ohne seine Wissenschaft zu erwerben, da-! mals war die Reform des Judenthunis selbst eine Nothwendigkeit. Das Judenthune mußte sich erniedrigen, damit diese neuen Lehrer hinanznrcichen vermochten, cs mußte sich verringern, zusammenschrumpsen, sich verkleinern, sich mehr und mehr verkürzen, gerade so wie man das Kleid eines Niesen zerschneidet, wenn mau will, daß ein Zwerg es tragen soll. Da entstand denn jene so bekannte und hochtrabende Phrase: „Den Cultus auf die Höhe des Zeitgeistes zu bringen*, welches inr Grunde nichts Anderes sagen will als:, die Religion also erniedrigen, daß der Rabbiner hinanzureichen vermag. In diesem Sinne hat sich bereits Göthe ausgesprochen: . .Was ihr den Grifi dkr Zritm heißt, : . Tas ist im Grund der Hcrnn «igcnrr Grist." , , Seien wir deshalb versichert, daß je größer die Reform in einem jüdischen Tempel desto kleiner der Rabbiner ist. Die Synagoge mußte also nach und nach anshören der Aufenthalt des Allerhöchsten zu sein, um das Kleid des Rabbinen zu werden, der Gottesdienst mußte unaufhörlich der Schwere der Reform überliefert werden, damit er dem Maaße des Rabbinen angcpaßt sei. Dieser ist's, welcher heute zu Israel spricht: machet mir ein Heiligthum, welchepaßt für meine Person und welches ich ertragen kann! . . . . Die Religion mußte Herabsteigen, weil der Rabbiner nicht zu ihr emporrusteigen vermochte. Die Reformen sind Zurückgctreten oder hohen