Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1861)
- Date
- 1861-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton.^) Oeh neue Richter.!, ' -!!' s .-!! (Eine morzenländische Erzählung.) j , In einem Lande des fernen Ostens lebte ein König, weise und wohl wissend, was gottgefällig war; sein Volk lag in schweren Sünden. . , . Einst ereignete es sich, daß der Oberrichter, der sein Volk richtete, krank wurde und starb. ' Da berief der König vier von den weisesten Männern,; welche seinen StaatSrath bildeten, und sagte zu' ihnen: „Gcht bis zu den vier Enden meines Reiches und suche jeder von euch den besten Mann, der zu finden ist, damit ich ihn wähle zum Richter über weil!. Volk, es zu richten nach Wahrheit und Recht! Seht vornehmlich darauf, den Vortrefflichsten zu wählen, selbst , wenn er auch nicht so gelehrt fcin sollte. Denn ich habe die gewisse.Ueberzeugung, daß die gelehrtesten Männer nicht immer die besten find. Die weisen Männer reisten ab, durchforschten das Land nach der Länge und Breite und nach vielen Tagen kehrten sie zurück. Dein königlichen Auftrag gemäß brachte Jeder den ausgewählten Mann. Der erste der weisen Männer trat vor den König und sich verneigend sprach er: „Mein Herr und König, ich habe gethan nach deinem Worte und den besten Mann gewählt, den ich finden konnte." Da erwiderte der König: „Laß ihn eintrete»!" und er trat ein. Aber steh, er war zwar von anständigem Wesen und edler Haltung, hatte aber keine Hände. Da entbrannte des Königs Zorn über den wersen Mann. „Wie!" sagte er, „sandte ich dich aus, um einen Mann zu suchen, welcher der Gegenstand des Spottes werden und den Ruhm der königlichen Majestät in Schande bringen soll? Weßhalb hast du diesen verstümmelten und verkrüppelten Menschen in den königlichen Palast gebracht? Weil du dieses gethan, sollst du fortan nicht mehr zu meiner Rechten im Staatsrathe sitzen. Du sollst für immer Sklave sein. Da trat der zweite der weisen Männer ein, an seiner Hand einen blinden Mann führend. „Sieh sprach er, den besten Mann in deinem ganzen Königreiche!" Und deS Königs Unwille wurde noch *) Dir Biogr-,bie N. Mcscl't Cesrr'S wird nächstkns f«rt» -gti.i-t werden. , . . größer, und er sprach: „Ist das deine Weisheit und Vernunft, einen Mann zu wählen, dessen Augenlicht erloschen und der den Tag von der Nacht nicht zn unterscheiden vermag?! " z 'n! Weil du das gethan hast, sollst du den Rest deines Lebens in der Dunkelheit deS königlichen Gefängnisses zubringen und gleich einem Minden sein. Darauf trat der dritte der weisen Männer mit dem von ihm gewählten Manne ein. Und der König fragte denselben: „Wie heißest Du?" Er erhielt aber keine Antwort, denn der Mann war tau^.' Da steigerte sich der Zorn des Königs bis zur Wutb und er sagte: „Habe ich darum meine weisesten Männer in mein Land geschickt, daß fie meiner höhnen und mich in den Augen meiner Nnterthanen herabsetzend Weil du das gethan hast, einen Mann zn währten, der die Worte der Parteien nicht hören kann, so sollst du die menschliche Stimme nie mehr hören." Der König befahl hierauf, daß er in einen Kerker gesperrt werde, und daß kein Mensch mit ihm sprechen oder sich ihm nahen dürfe. Und als der Grimm des Königs sich ein wenig gelegt hatte, ließ er den vierten weisen Mann emtreten, und er trat ein und mit ihm ein großer Mann von anständigem Aeußern, der sich vor dem König verneigte. Da dachte der König in seinem Herzen: „Gewiß ist eS der, welcher zn urtheiken versteht" und er sagte: „Friede dem, der da kommt, mein Volk zu richten!" Aber der Mann antwortete nicht; denn sieh! er war stumm. Da erhob der König seine Stimme; sie glich dem Rollen des Donner-, und er ries laut seinen Dienern zu, ihm einen Spiest zu bringen, damit er den weisen Mann tödte. Me Diener gingen, um den Spieß zu holen. Während diese aber.wcggezangen waren, überlegte der König den Vorfall mit sich selbst: „Ich habe," dachte er, „die vier weisen Männer a»l die vier Enden meines Königreiches geschickt und sie haben mir gebracht einen Verstümmelten, einen VUnden, einen Tauben und einen Stummen. Sicher-' lich ist Gottes Finger in der Sache;" und ries: „Lastet die weisen Männer vor mich treten!" Sie kamen und knieten vor dem König, und der König! sprach: „Was . habt ihr gethan?" „Ich habe" begann der erste, „dem königlichen Befehl gem^si in! deinen! ganzen Lande nach dem besten Manne gejucht;