Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1861)
- Date
- 1861-10-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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erklären, mit einer gewissen Oberflächlichkeit zu Werfe! ZU gehen, und die Knaben im Alter von 7—10 Jahren, schon zu.Höherem führen zu wollen, ehe noch das! Elemcntarische fest sitzt. So übersetzten dieselben scheu I ziemlich gut und haperten stark in der Ucbersetzung der gewöhnlichsten alltäglichen Gebete, wußten fast ohne Anstoß cin Zeitwort zu analysiren und stockten gewaltig im Lesen, und als gar Einer der anwesenden Herrn beim Uebersctzen des L'2-.,-r auf den Einsall kam zu fragen, wie denn die Söhne des rnTorr geheißen hatten, da schien jener berühmte ^v htrunterzukömmeu, um dem armen Kleinen austs Mäulchen zu schlagen. Doch dies ist unstreitig der Fehler des Lehrers und kann'geändert werden. Ein anderer und bedeutend größerer Fehler, weil er in» Prinzips der Anstalt zu liegen scheint, ist, daß, ich - komme noch einmal darauf zurück, die übrigen Wissenschaften dem Hebräischen gegenüber so grausam vernachlässigt werden. Zn 10 Stunden wöchentlich sollen zwei Abteilungen von einem Lehrer in Französisch, Rechnen, Geschichte, Geographie, Schreiben rc. unterrichtet werde». Ist das möglich oder ist'S überhaupt pädagogisch richtig, daß die Schüler, die schon einerseits sehr vorangeschritteu sind, sich andrerseits noch auf der untersten Stufe besiudcn? Man möge .mich hier nicht mißverstehen, ich will durchaus nicht gesagt haben, daß man im Iketd damickraoed zuviel Hebräisch unterrichte. Gottbewahre, das ist ganz Recht, aber nicht weniger Recht wäre eS auch, den französischen Unterricht damit in Einklang zu bringen. Die jüdischen Wissenschaften sollen und dürfen nicht die profanen, die profanen nicht, umgekehrt die jüdischen ausschlicßcn; beide können stufenweise in der Schule bis zu-jenem Alter gelehrt werden, in dem der Knabe befähigt ist, iu das öffentliche Leben zri treten, und alle Anstalten und Institute, die jüdisch« fein wollen, und nicht auf dieser Basis gegründet Md, erfüllen ihren 'Zweck entweder halb oder gar Hicht. — Uber, höre ich da Hunderte von Eltern schreien, wir können > ja daS, „was unfern Kindern am HebMischen, oder sonstige» Kenntnissen fthlen soNe^ naWernen lassen,^ wenn sie einmal Ln ein Geschäft getretenzsind; dal werden sich immer Abendstunden finden, Lu denen man immer das Versäumte nachholen kan»! Ja, ja ich kenne das l wenn Knaben von 14—16 Jahren, ermüdet vonden Arbeite» und Laufereien für das <Beilatze1-u 9k ro. Comptoir- oder Geschäft,. des Abends nach Hause kommen, da fleht ihnen noch'der Kops dazu, Lektionen zu nehmen, das ist eine Täuschung, so groß sie nur sein kann, und das hier angewandte Geld ist nicht viel besser als zum Fenster hinausgeworfen. — Ist aber gar die Lehrlings- oder vielmehr Dienstzeit; denn ein Lehrling ist in Frankreich, wie in Deutschland, wie allüberall, nicht mehr als ein Laufbursche, zu Ende und der junge Herr stattlicher Commis geworden, o dann ist'S schon sehr viel und ziemlich selten, wenn er Abends, statt Cafe, Theater oder sonstige Dcrgnügungsorte zu besuchen, durch Selbststudium oder Lektionen sich noch die Kenntnisse anzneignen sucht, die ihm von einem prakti chen Nutzen für sein Geschäft sein können. Daß aber junge Leute sich noch in dem anszubilden suchen, was die Schnle versäumt, und für ihr späteres Fortkommen gerade nicht von der striktesten Notwendigkeit ist, das sind zu zählende Ausnahmen.— ' Kurz uud gut, die Schule muß für die geistige und praktische Seite des Lebens ans gleiche Weise und so gut als möglich vorbereiten, und eines oder das altere versäumt, wird nie mehr oder nie wieder recht nachgeholt. — Doch gehen wir zu den öffentlichen Anstalten hier über! —' . (Fortsetzung folgt.) Rußland. Warschau, 5. Oct. Bei den gegenwärtigen Wahlen werden die Israeliten säst überall speziell berücksichtigt. In unserem Stadtrath werden, wenn die projectirte Candidatenliste durchgeht, drei Israeliten sitzen. In den so eben constitulrttn Stadtrath von Petnkau sind ebenfalls drei Israeliten gewählt. -Auch in den Listen derKreiSrathsmitglieder begegnet man/ fast regelmäßig einem oder ein paar israelitischen Namen. Nachdem andererseits auch die Regierung mit der Gleichstellung der Juden im bürgerlichen Nechtz umgeht, kann man sagen, daß die Polen Mosaischer Mnfefsion*/ jetzt eben so günstig situirt zu sein ünsangen, ÄS sie früher benachtheiligt und verkürzt wareck (Fr. I.) - .. > ja» des IsraelLt).