Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1861)
- Date
- 1861-09-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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sterium darüber ein Bericht abgesordert wurde, der voraussichtlich eine Abschaffung jener mittelalterlichen , Mißbrauche erzielen wird' wir muffen bei dieser i Gelegenheit bemerken, daß während des Provisiormms; der Direction des Gebär- und Findelhauses vom Jahre 1849 bis 1851 jene Verfügungen aufgehoben, beim Eintritte des Definitivums jedoch wieder in Kraft gesetzt wurden." Der oberwähttlc Uebelsiand ist leider auch eines der vielen traurigen Vermächtnisse des bereits gerichteten und zu Grabe getragenen Bach'schen Systems, das nicht wenig zu der Calanrität, in der sich Oesterreich augenblicklich befindet, beitrug. Bei der strengen Rechtlichkeit und Staate klugheit unseres Staakeministers, Ritter v. Schmerling, der mit Recht die allgemeinste Hochachtung genießt, rnzd auf den wir auch unsire Blicke richten, wollen und können wir getrost Hessin, daß obige Angelegenheit, wahrlich ein Gegenstand von der größten Tragweite, zu unserer vollen Befriedigung im Geiste der Civiksation und des Fortschrittes gelöst werden wird, damit sich auch hier das hochherzige kaiserliche Wort , Gleichberechtigung aller Confessiouen" dewahren werde. Wir schließen mit der Bitte, der Allmächtigbeschütze und segne den edlen Ritter von Schmerling, er verleihihm besondere Kraft und Ausdauer, sein erhabenes Werk zur Befriedigung Aller zu vollenden, den verderblichen Einslüssin, die ihm grnße Schwie rigkciten und fast unübersleigliche Hindernisse derer len, die Spitze abzubrcchcn; und wir können daun versichert sein. daß Toleranz und Humanität sich ihrer reichsten Blüche entfalten werden *). M. S. 8s mag bikr dir frrrdigk Nackniri t avgtführt werde«, daß unNr den Ausskbüsscn des vstmrict'isck'rn ALgeerdveteahauses a«6' ei» ÄussLuß für eo,u> 6» nelle Angekrgenbetten tagt, der dlikils eine s»lrk>e rastlose Tläng^cir entfaltet, raß er zu der SNgenehmen Hcf nun§ brrribtigt, daß das Konkordat in alle» feinen schädlichen Wir kt. »gen entwurzelt werden wird. Obgleich das au die Stklle des ktnccrt-tz kommende Religion-Üdiet^ schwere und harte Kämpfe zu desteden hal.n wird, so können wir doch nicht an dem endlichen Lüg desselben zweifeln, besonders in einer Zeit, wo Orsterrcilb »in moderner §t«wt geworden ist und die vererbten Uebelstärde obj»ür:r!n will -, wir wünschen hiezu drn besten brfokg. S» K e » i t t « t » ». Die Jucke» ia Jom. (Rach dein MagaM für die Literatur de» lande-.) (Fortsetzung u. S<blr:ß.) Wahrhaft schmählich waren die Deschräitkungen und Vexationen, denen die Jude» in Rom jederzeit unterworfen waren, und noch bis zum Jahre 1847 hatte sich gar Vieles davon erhalten. Sie waren streng innerhalb der Mauern des Ghetto gebannt; schwere Thore, Tag und Nacht von Schüdwachen gehütet, verwehrten den Ausgang, und wehe dem, der sich den Tag über verspätet hatte und nicht vor dem Abendläuten in den traurigen Zwinger zurückgekehrt war: schwere Leibes- und Geldstrafen büßten das Bergehen. Bei gleicher Strafe war ihnen verboten, gewisse Stadttheile Roms zu betreten, und so Aanderten sie durch die Straßen mit zagendem Schritte, gesenkten Blickes, .stets in der Erwartung, Lästerungen, Hohn und Spott geduldig über sich zn nehmen. Bier Mal des Jahres mußten dreihundert Juden und fünfzig Jüdinnen einem christlichen Gottesdienste m der Kirche St. Angela Peschiecia beiwohnen, und die Predigt eines Geistlichen mit anhören, in der derselbe Worte sprach, wie man sich wohl denken kan». Am Eharsamstage jeden Jahres mußte eine gleiche Anzabl der Taufe eines Juden beimolmen, die in der Tauftapelle des St. Johann o.-m Lateran stattsand. Las geschieht heute noch; dieses Schauspiel muß um jeden Preis vollzogen werden, selbst wenn im Falle, daß ein bekehrter Täufling mangeln sollte, ein Jude oder Türke von auswärts geholt werden müßte. Bon Jahr zn Jahr mußten sie vor den päpstlichen Behörden, vor einer Ungeheuern Menschenmenge aus dem Kapitol, um noch ein Jahr Ruhe betteln, das sie innerhalb des römischen Staates zübriugen dursten. Ans dem Platze, wo einst ihre Vorfahren in Kelten dem versammelten Volke zur Beschimpfung, zum Hohn und Spott hingestellt waren, standen die Nachkommen nach vielen Jahrhunderten und trugcn ebenfalls ihre Ketten, und das Bott stand auch wieder da nud jubelte über die Schmach. Und wie das vorüber war, dann lauteten alle Glocken den Karneval ein, (Hierbei eine Beilage.)