Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1861)
- Date
- 1861-09-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreschsscher Kaiserstaat. Pesth, 27. Aug. Die Grsammtheit der Ldvoeaturs-Candidaten mosaischer Confesfion beabsichtigt in den nächsten Tagen eine ausführliche Denkschrift bei der königlichen Tafel zu überreichen. In dieser wird unter gründlicher, auf ungarische Gesetze gestützter Widerlegung der gegen die Zulässigkeit der Israeliten zur Advocatur hie und da erhobenen Zweifel, unter Nachweisung der dießfallfigen Rechte, die gesetzliche Berechtigung der Israeliten zur Erlangung der Advocatur außer Zweifel gestellt. Belgien- Brüssel. Am 1t. August starb hier im israelitischen Krankenhause ein Arbeiter, Namens Pollack, in einem Alter von 113 Jahren. Frankreich. Paris, am nprm 5021 *). Der so folgereiche Tag des 2"ri ist recht dazu geeignet, die Dinge von ihrer ernsten Seile zu betrachten. Schreiben Sie es also der Stimmung dieses Tages , zu, wenn folgende Betrachtungen eher die ungünstige, als die günstige Seite hervorheben. — Das jüdische Gefühl ist hier, leider! tief gesunken; dies zeigt sich nur allzusehr im praktischen Leben. Man mache nur am Mv die Runde in der Stadt; wie wenige Gewölbe und Geschäftshäuser wird man geschlossen finden! Die beiden Synagogen, obwohl verhältmßmaßig sehr klein, sind bei weitem nicht «»gefüllt. Die Lobredver werden; um die Uebclstände zu verdecken, den Wohlthätigkeitsstnn und dessen weitreichendes Wirken dagegen halten. Eitles Geräusch! Freilich (es wäre Bosheit, das nicht anzuerkennen) wird viel Schönes ausgeführt; allein gereicht dies Paris zum besonderen Ruhme? Uebcrall findet mau hochherzige, dem Guten ergebene Menschen; die man jedoch nicht als Maßstab zur Beurtheilung der Gesammtheit nehmen kann. Es herrscht sehr viel Lauheit und Gleichgiltigkeit in religiöser Beziehung^ Has antijüdische Löben ist also nicht einmal durch da^, waS man so gerne mit dem hochtrabenden Name» „Humanität* Verspätet.! - - j , > ' . : - s", (Hierbei ei bezeichnet, ausgeglichen. Und diesteht nicht M vereinzelnde Erscheinung da. WaS im frommen Gemeinden vollbracht worden und noch vollbracht wird^ dient zum Belege, wie gut Religiosität und Wohlthätigkeit Hand in Hand geht. Was kann die Ursache der hiesigen Uebelfiande sein und wie ist ihnen abzuhelfen? Die erste Frage laßt sich nicht wohl mit Bestimmtheit beantworten. Meine- Erachtens ist Folgendes anzunehmen: Die Natur der Beßandtheile der hiesigen Gemeinde trägt den Keim des religiösen JndifferentismuS in sich. Dieselbe ist nämlich zusammengesetzt aus Männern, die aus allen; Ländern und Erdtheilen Herströmen. Ihre Absichten sind nur materielle; sie wollen um jeden Preis »reüssiren;" ihre fieberartige Thätigkeit treibt sie zur Vernachlässigung des Mv; der entscheidende Schritt ist dann geschehen. Fremd einander durch Herkunft, bleiben sie es auch ferner durch den weiten Umfang der Stadt, so dass es bei ihnen nie zur Besprechung der gemeinsamen religiöse» Interessen kommt. Man hat auch nicht den Tadel der öffentlichen Meinung zu fürchten, da diese hier in religiöser Beziehung sehr nachsichtig ist. Zur Schande der Gemeinde befinden sich nur zwei Synagogen hier, eine deutsche und eme portugiesische (letztere sehr klein), wodurch, der große» Entfernung wegen, der Besuch des Gottesdienstes sehr erschwert wird. Es haben sich daher an verschiedenen Orten kleine v'2'22 gebildet, die, für sich organisirt, getrennt von der Gemeinde sind und werden die Kräfte, anstatt auf einen Punkt hingelenkt, nur zersplittert. Diese kleinen Versammlungen find natürlich zu schwach, um gehörige Prediger und Lehrer zu haben und in Hinsicht des Gottesdienstes und anderer religiösen Beziehungen haben sie nicht de» geringsten Vorzug vor den entlegensten Dörfern. Als weitere Ursache des religiösen JndifferentismuS muß der allgemein vernachlässigte Religionsunterricht angeführt werden. Was, höre ich einwenden, habe» wir nicht eine NMn y'v und n"ci mit dreißig Kindern und zwei jüdische Volksschulen mit wenigstens 000 Schülern? Wohl wahr? aber was ist dies für eine Gemeinde von 20 —25000 .Seelen? Und wie weit erstreckt sich der jüdische Unterricht in diesen Elementarschulen? Nicht als ob den Lehrern die Schuld beizumessen sei; diese sgehen gewissenhaft zn. Beilage.).