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Der Israelit · 1861-09-04 · Heft 36 (4.9.1861) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 36 (4.9.1861)
Date
1861-09-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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439 in. - schon MendS verschied er. Man weiß, wie tief, schmerzlich tief, Stahl's THLtlgkert nicht allein in das allgemein politische Leven des preußischen Staat-, sondern auch in das besondere der Juden Preußens eingriff, und darum können wir es uns nicht versagen, einigen Gedanken, die bei der Mchrlcht seines Todes in uns aufstiegen, hier Raum zu geben. Stahl war ein getaufter Jude, in seinem 17. Jahre trat er aus dem Judenthume in die evangelische Kirche über, bei welcher er auch seinen eigentlichen Familiennamen, Schlesinger! mit dem Namen Stahl wechselte. Merkwürdig, daß gerade erder Sonvertit, die Lehre vom „christlichen Staate« so sorgfältig auS- Lildete, eine Lehre, mit welcher er jedem Nichtchristen jede Laufbahn zu irgend einer Stellung im Staate verschließen wollte. Die „N. pr. Ztg." hat Recht, wenn sie durch seinen Tod in tiefe Trauer versetzt wird , sie hat aber nicht Recht, wenri sie in ihm „einen der eminentesten Männer ihter Partei« beweint. Er war nicht einer der eminentesten Männer ihrer Partei,! er war vielmehr der eminenteste derselben,, her durch reiches Wissen, großartiges Rednertalent und bedeutenden Scharffinn, der aber zu lauter Sophismen unh Trugschlüssen verwertet wurde', in seinen Reden! zu überraschen und zu blenden vermochte. Aberj auch nur für! den Augenblick überraschen und blenden konnte er in seinen Wortenein nüchterner Nachdenken deckte bald das Gewebe von Sophismen und Trugschlüssen auf. Ms König Wilhelm die! Negierung in die Hand nahm, l war es mit Sjahl'S Glanzperiode vorbei, er stand nur noch da, eine Ruine vergangener Herrlichkeiten, und sank auch als solche ins Grab.! ' 'z Vemerkenswerth ist noch, daß in dem Lelchcngefolge Stahl's nicht eine königliche Equipage bemerkt wurde. S. Paderborn, 2t». Augüst. In der Nacht vom Itt. zum 19. d. ertönte FeuerlLrm, und alsbald wurde von der Königsstraße herüber eine mächtige Fcuersänle sichtbar, welche auf einen überaus heftigen Brand hindeutete. In der Wassergasse ausgebrochen, verbreitete sich trotz der angestrengtesten Hilfe das Feuer so schnell, daß schon in kurzer Zeit die ganze Gasse in Flammen stand, die sich denn auch auf die daran stoßende Königsstraße verbreiteten. ES gelang erst, der Feuersbrunst Einhalt zu ths», als 17 Gebäude, worunter 14 Wohnhäuser, in Asche lagen. In der Reihe der abgebrannten Gebäude steht nur noch die Synagoge aufrecht da. .i: - Krotoschirr (Privatmittheilung). Unlängst stand in der Z. d. I. ein Artikel von hier aus datirt, in welchem Men den Israelit und gegen die orthodoxe Gemeinde in Frankfurt geschimpft wurde.« Derselbe hat, wie ich mir habe versichern lassen,/zur» Th eil einen hiesigen Gymnasialschüler -um Verfasser; die ordinären Schmähungen und lächerlichen Sarkasmen aber sind in Magdeburg hi«^ zu gefügt worden.!,! So verfahren unsre Gegner; ein Gymnasiast gibt sein kindisches Uriheil über Hirsch und Lehwann,ab, und Philippson kocht einen Giftbrei daraus. - esterreichischels Kaiserstaat. M." - i!! MrcKburg. Die bekannte Mörtara-Geschlchte hat! ihre^eis nicht!-geringes Aufsehen auch hier erregt, ^ürrh hoch, wie unbedeutend ist sie—sagt die Medicinische Wochenschrift —ln ihren Consequenzen gegen! jene-zahlreichen ähnlichen Geschichten im WienerMebäri- > und Findelhause. Das genannte FachbläÜE /will idaher die Aufmerksamkeit der Behörde „aufiMen Mißbrauchja auf einen himmelschreienden Äarbärismus, gegen welchen der Mortara-Fall nur eine Kleinigkeit ist, lenken« und erzählt: Jn'S Gebalhaus kommen ledige Schwangere, Welche hier uneätsteltlich^ iveil zum Zwecke des Unterrichts, entbundeM wexheni -Die neugebornen Kinder werde«, wenn! die Mütter im Findelhause Ammendienst durch 3 Monate verrichten, als Findlinge verpflegt, ohne daß jedoch den Müttern die Gelegenheit benommen würde, ihre Kinder jederzeit zu sehen, bei sich zu behalten oder für deren Zukunft Sorge zu tragen. Dieser Wohlthat erfreuen sich jedoch nur katholische Mütter; denn wenn eine ledige Jüdin m derselben Art verunglückt und das Recht des unentgeltlichen Gebrauchs der Gebäranstalt benützen will, so kaust sie sich nicht gleicher Begünstigungen wie die christliche Mutter erfreuen; vor allem wird ihr Kind ohneja gegen ihren Willen getauft, sodann der mütterlichen Obhut entzogen und in's FmdelhauS gebrächt; von diesem Momente ist das Kind für die

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