Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1861)
- Date
- 1861-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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-l.: -< -- Preuße».- Berlin, 18. August. Heute fand die Einweihung dcS neuen Bctlokals des Vereine- 2D v-irr.v statt. Dieser Verein hat die Tendenz, Kranke zu pflegen. Sterbenden Beistand zu leisten und Trauernde zu trösten. Der Mittelpunkt desselben ist das Betlokal, in welchem aüsabbatlich und an den Feiertagen Gottesdienst mit Beibehaltung der. alten üblichen Liturgie abgehalten wird. Das Local, das man seit einem Jahre inne hatte, erwies sich jedoch durch den größern Zufluß von Mitgliedern als zu klein, und man mußte sich nach einer größeren Räumlichkeit Umsehen, die man auch in dem heute eingerichteten Betsaalp fand. Die Feier begann um 1 l Uhr Vormittags. Es war ein herzerhebender Anblick, als die mit Kränzen umwundenen Gesetzesrollen unter der Begrüßung 'w, '.i Oun -Q.i und dem Gesang 'im «v .io in die Synagoge hereingctragen wurden. Die frische Blume, das einfache, schlichte Kind der Natur, an die erhabene Gesetzesrolle geheftet, muß unwillkürlich in jedem denkenden Menschen den Gedanken Hervorrufen, in welch' unverbrüchlichem Zusammenhangs Gotteslehre und Natur zu einander stehen, wie der hohe Gottesgeist in die Natur herabgesenlt, natürlich, und die Natur zu dem Gottesdienst erhoben, göttlich wird. Der Kranz ist die schönste Zierde für dieGefetzesrolle, das tiefsinnige Symbol der ewigen Frische, des ewigen Lebens des Gottesgesetzes. Wir freuen uns nicht mit diesem Anblick des äußern Schmuckes halber, nicht bedarf das Gottesgesetz erst des äußern Prunkes, wir freuen uns über unsere Zeit, dis eS noch versteht, der Gesetzesrolle die Blume zu pflücken und für sie den Kranz zu winden. — Nachdem der Gelang beendigt war, bestieg Herr vr. Apolant, ein hier gern gehörter Prediger, die Kanzel und setzte in einer wohlgelungenen Rede die nothwendige innere Beziehung des Gottesgeistes zum Gotteshause auseinander. Indem der Redner V. B. M. 37, 2-—6 (Verse aus dem Wochenabschnitte) seiner Betrachtung als Text zum Grunde legte, erläuterte er, daß nicht der Prunk, nicht die hochstredenden Pfeiler, nicht die hochgewölbte Kuppel das Gotteshaus bilde, daß dieses vielmehr getragen werde durch den jüdisch-religiösen Geist in der Familie, im Hause. Die Steine,- die zum Ban geliefert werde», müsse« beschrieben sein mit den Worten der heiligen Schrift. Auf dem Gottesgeist, als Fundament, muß das Gotteshaus aufgerichtet : werden; ist das Fundament fehlerhaft, dann wankt der Bau. Man glaube nicht, daß das Judenthum erhalten sei, so lange nur noch die Tempel stehen, w§nn erst das Judenthum aus dem Hause gewichen ist, dann haben die Tempel keine Bedeutung mehr. Hieran knüpfte der Redner den bekannten Midrasch von. den drei Namen, mit welchen die Erzväter das Gotteshaus benannten, dessen geistreiche Auslegung gewiß der Kern- und Höhepunkt der ganzen Rede genannt werden kann. Ein tief gefühltes und rührendes Gebet für das königliche Haus, die Gemeinde und die Mitglieder des Vereins, wie für alle Besucher dieses Gotteshauses, welches Standes und welches Glaubens sie auch seien, beschloß die Predigt. " Hierauf bestieg einer der Herren Vorsteher des Vereins die Kanzel und hielt eine Art Lkpologie den Angriffen und Verdächtigungen gegenüber, die der Verein zu erdulden gehabt hatte. Man sagte, die Leute dieses Vereins wollten einen Staat im Staate, eine Gemeinde in der Gemeinde bilden, man warf ihnen auch oppositionelle Tendenzen vor. Daß dies alles nicht der Fall sei, beweise die Betheiligung des Rabbinats und des SynagogenvotstandeS an der Feierlichkeit. Cs wäre aber unmöglich, daß das Rabbinat in einer so großen Gemeinde das Judenthum speziell wahren könne, es könne nur im Allgemeinen darüber wachen. Die Wahrung des speerelle« Judenthums, von dem keine Form veräußerlich ist, habe dieser Verein sich als Ausgabe gesetzt; derPar- Licularismus walte hier nicht vor. ES sind dieses sehr schöne Worte, die am rechten Platze» unter den paffenden Umständen sehr willkommen sind. Unter den Umständen, die aber hier hervortraten, hatten sie, aus hier nicht näher zn erörternden Gründen, füglich wegbleiben können. Das Absingen des tätt. Ps. beschloß den Weihcaet. BiS auf diese letzte An- - spräche war die ganze Feier eine sehr würdige, wahr-! hast erhebende- § S.! Berlin,22. August. Vorige Woche traf hier j die Kunde von dem plötzlichen Ableben des Prof. - I-r. Stahl ein. Er . war in Brückenau zur Kur; j plötzlich stellte sich ein Erbrechen bei ihm ein und