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Der Israelit · 1861-09-04 · Heft 36 (4.9.1861) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 36 (4.9.1861)
Date
1861-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4Sb ser Rationen, von denen jede da-Höchste erreicht, was eS zu erreichen vermag, ehe sie zu Grunde geht, endlich die eine Nation, der Spätling unter den Völkern und doch der Erste unter denselben, hervorgehend aus geringen Anfängen, begründet durch einzelne, gottesfürchtige Männer, Sclave dann in fremdem, feindlichem Lande, befreit durch Gottes Hand und mit der höchsten Aufgabe betraut, diese Aufgabe nicht vollbringend, und darob erfahrend den Zorn des Allerhöchsten, aber doch bewahrt und bestimmt für eine Lohe, glänzende Zukunft! Dieser Gedanke, er lehret uns, wie nichts Anderes, Gott erkennen; er lehre es uns am Wendepunkte des Jahres. — HI. Und des gottgefälligen Lebens Bild sei uns das Schofar. An jedem Dinge können wir unterscheiden, Stoff, Form, Art und Weise der Thätigkeit und Zweck. Welches ist dieses Schofar, dessen gottgebotene Töne wir vernehmen? Es ist ein Widderhorn, das da erinnert an den Widder Jizchaks, die Hingebung Jizchaks. Welch ein Vater, welch ein Lohn! der eine ist bereit den Sohn seines Alters, die ganze Hoffnung seines Geschlechts, den Sohn, an den sich all die herrlichen Verheißungen knüpfen, hmzugebc» auf Gottes Geheiß; der andere bietet sich selbst dar und alle Hoffnungen und Wünsche seines jugendlichen Lebens, freudig und ohne Widerstreben. Sind auch wir solcher Hingebung, solcher Aufopferung fähig? daß wir eS sein sollen, daran erinnere uns das Schofar, das Widderhorn. Und das Schofar, das Horn des Thieres, ist zugleich ein Bild der Kraft; aber die Kraft sei nicht mit Uedermuth gepaart, denn die Gestalt des Schosars ist rprd, gebeugt, demuthsvoll; mit der Kraft eine sich die Dcmuth vor unscrm Gotte. Und die Gestalt des Schosars soll nicht verkehrt werden von dir, so will es das Gottesgesetz. Eine dreifache Verkehrung deS Schosars ist möglich und verboten. Man kann das Innere nach Außen kehren, wie man das Gewand umkehrt, man kann die breite Seite gewaltsam verengen und die enge gewaltsam breitschlageu, man kann statt der kurzen Seite die breite an den Mund nehmen und so verkehrt hineinblaien. Alle Hirse Verkehrungen verbietet das GotteSgrsitz, und so sei auch nichts Verkehrtes in unserem Leben. Wir sollen nicht unser Inneres veräußern, das Judenthuvi soll nicht bloß ein äußeres sür's Aeußere werden, es soll sich nicht einzig nur im Schangcpränge des öffentlichen Gottesdienstes manifeststen, wie eS leider heut zu Tage so oft der Fall ist, sondern es soll im Herzen, in Worten, in der That, im Hause, in der Familie des Einzelnen leben, und indem es das Aeußere als AenßereS bewahrt, soll cs auch das Innere heilig halten. ES darf ferner die weite Seite des Schosars nicht verengt und die enge nicht gewaltsam erweitert werden; so soll auch der Jude nicht die Hauptsache zur Nebensache gestalten und umgekehrt. Es ist wohl nothwcndig, daß der Jude seiner socialen Stellung -im Leben Rechnung trage, daß er sich und seine Kinder erfülle mit allgemeinem Wissen, daß er sich und seine Familie vor Nahrungssorge, vor Noth und Kummer zu bewahren strebe, aber vor allen Dingen soll er es lernen und seine Kinder lehren, daß es unsere Hauptaufgabe ist, Juden zu sein, als Juden zu leben und Gottes Gesetz zu beobachten. DaS ist die Hauptsache unserS Sems, das Erbthcil unserer Väter; möge eS nicht gewaltsam verengt, und das uns Nebensächliche gewaltsam erweitert werden. Es! soll das Schofar ferner nicht mit der breiten Seite zum Mund geführt und der Ton zur .engen Seite hinausgetriebcn werben; so sollen auch Israels Kinder nicht groß und weit im Worte und eng und kurz in der That sein. Nicht soll ferner des Schosars Gestalt derart geschmückt werden, daß durch vou Außen hergenommeucn Schmuck der Ton Veränderung erleide; nicht soll Gold oder Farbe, der» Schofar aufgelegt, das natürliche Wesen desselben verändern; wohl aber dürfen allerlei Verzienrngen aus dem Schofar heraus die Gestalt desselben zu einer gefälligen! machen. So sei auch im Judenthume jeder erborgte, von Außen hergenommene fremde Schmuck, der das Wesen deS Judenthums umgcstaltei, verpönt. Nicht borge das Judenthum äußern Schimmer von fremden Culten, von fremden Religionen; denn der dadurch scheinbar erlangte Glanz würde nur ein verderblicher sein; wohl aber schmücke es sich mit den aus sich selbst erwachsenen Gestatten, mit seinen Minhagim und Tekauoth.

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