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Der Israelit · 1861-08-28 · Heft 35 (28.8.1861) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 35 (28.8.1861)
Date
1861-08-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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428 mehr für's Judenthum gethan wird, oder wenigstens - kein Terexha gegessen wird; und nicht einmal die- ' jenigen unter ihnen, die eS noch ehrlich mit dem Glauben unserer Väter meinen, denen cS noch wirklich ernst um das Judenthum ist, kümmern sich um die Schulangelegenheiten, als ob sie'S nicht so gut wüßten, wie jeder Andere, daß das eines der ersten Gesetze der Thora wäre? Wo soll denn das hinaus, wenn unter Tausenden von jüdischen Knaben nicht 100 sind, die wissen, was sie als Juden zu thun und zu lassen haben, kurz was in der Thora steht. Soll wohl dadurch dem Nebel der sich allüberall brüstenden und breitmachenden Gotteslästerung. der öffentlichen Sabbatentweihung abgeh»!-! fen werden. Wacht denn endlich einmal auf und! erkennt, wie es nothwendig in unsrer Zeit ist, daß! die Jugend besser geleitet werde. Sagt nicht, es ist die Sorge der Eltern, für ihre Kinder' zu wachen. Merdings ist es deren Sorge, aber eure Sorge ist nur mit einigen Geldmitteln leicht zu einem Institute umgeschaffen werden könnte. Ich hege die festeste Ueberzeugung , daß gar viele Eltern, wenn dieses einmal gezeigt hatte, daß es eben so viel keifte als die andern, eS vorzögen, ihre Kinder in einer wahrhaft frommen Anstatt zu wissen, und daß so mit der Zeit sich reichlich das rentirm würde, was die Schule bei dieser Umgestaltung mehr gekostet. — Aber nein, das geht hier Alles lieber seinen alten Schlendrian fort, da darf man hundert Mal dasselbe sagen und zum hundert und einten Male kömmt man immer wieder auf den alten Refrain zurück — „es ist wahr, aber eS kostet zu viel." — Amerika. Baltimore, B. St. v. N. A., 22. Juli. Wer : auch die Geschichte von l)r Einhorn'S Märtyrerthum in Deutschland auSgesprengt hat, war nicht es, ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken) eure Sorge, sie an diese heilige Pflicht zu erinnern, eure Sorge endlich, die Sache selbst in die Hände-zu nehmen, wenn ihr auf Widerstand stoßen sollet! Tretet energisch auf, wenn auch der halben Welt entgegen, aber thut wenigstens eure Pflicht!! In unserer Zeit, in der der Handel so unge- , henre Fortschritte gemacht hat und es einmal nothwendig ist, den Kindern eine gediegene Bildung, sowohl im kaufmännischen Fache als auch in den neuern Sprachen zu geben, hat man mit Recht allerseits Institute gegründet, in denen man bei einer allgemeinen wissenschaftlichen Bildung, vor Allem Rücksicht aus die Handelswisienschasten nahm, mit noch mehr Recht ging man weiter und gründete jüdische Institute. — WaS heißt aber ein jüdisches Institut? ein Institut ähnlich denen, wie sie in vielen deutschen Städten, wie Frankfurt a. M., Mainz, Hamburg rc. voll orthodoxen Gemeinden ausgegangen find und worin nicht nur tüchtige Kaufleute, sondern auch tüchtige Juden herangebildet werden. Das ist das erste Bedürsniß unserer Zeit, nur so lange diesem nicht abgeholsen wird, so lange wird es noch immer bergab mit dem Judenthume gehen. ES ist nun allerdings eine Schule hier, die von! den Mitgliedern des Beth Hamidrasch gegründet! ist, unter Leitung des Herrn Rabbiner Weistopft steht und wohl unterrichtet in dieser Sache. Es ist ein toller Einfall, daß man, sich in politischen Kreisen hier um das kümmert, was Jemand in einer fremden Sprache zu 50 oder 80 Menschen in einer klemm Synagoge spricht. Die Einhorn'sche Gemeinde aber ist deutsch und zählte circa 5l> Mitglieder, von denen die Hälfte etwa am Sabbat im Tempel anwesend ist. In Baltimore wird aber täglich ein deutsches Antiskkaverei- Blatt herausgcgebe» (auch ein englisches) und der Nedacteur, Rapp, ist noch in Baltimore. Die Thatsache ist, daß es keinem Menschen einfiel, Vr. Einhorn zu belästigen. Seine Gemeinde verminderte sich täglich, die Finanzen waren zerrüttet, das konnte dem Doctor nicht entgehen und bei der ersten Veranlassung zog er sich zurück, da eben in Philadelphia eine Stelle leer war. Die Veranlassung aber war diese: Ein Comitv der Gemeinde ersuchte Einhorn, iu seinen Predigten die politischen Fragen unberührt zu lassen, da dieses zu Mißhelligkeiten Ln der Gemeinde Anlaß geben könnte; denn in der Gemeinde selbst ist man verschiedener Ansicht über schwebende Fragen. Ohne hierauf zu autworten refigmrte er, ging nach Philadelphia und übernahm dort die vakante Predigerstelle, vr. Einhorn dachte aber schon lange daran, nach Philadelphia überzusiedeln, half den vorigen Prediger, vr. Deutsch, auS dem Wege schaffen; um aber seine Mitschuld zu verdecken (Hierbei eine Beilage.)

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