Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1861)
- Date
- 1861-08-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2446984-2447019--00878-2456089- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
427 von Seiten des Herrn Rabbiners beschloß die Festlichkeit. Die Nikslsöurger Gemeinde bietet bei ihrer Numerischen Größe dem Hrn. vr. F. ein großes und ergiebiges Feld zum Wirken dar, und die von Jedermann gerühmte That- und Willenskraft des Herrn Rabbiners, der für seinen Glauben begeistert, durchglüht von dem Feuereifer für Gott und fein Gesetz, unser heiligstes Vermächtniß, und durchdrungen ist vo» der Heiligkeit und Wichtigkeit seines hohen Berufes, berechtigt uns zu den schönsten Hoffnungen; um so mehr, da der Boden hier bei uns noch gesund und er des frommen und weisen Säemannes nur bedarf, der es versteht, den Acker des Herrn emsig zu pflegen, gesunde kernige Saat auszustreuen und die aufkeimende vor dem schädlichen Einflüsse jedes Unkrautes zu schützen und zu wahren. Herr vr! F. ist dieser gewichtigen Aufgabe gewachsen und völlig der Mann, wie ihn die Nikolsburger Gemeinde gewünscht und ihn benothigt; möge er in unserer Gemeinde lange segensreich wirken, und seine Bemühungen mit dem schönsten Erfolge gekrönt sehen. Bevor ich diesen Bericht schließe, kann ich nicht umhin, der bei jeder Gelegenheit ersprießlichen Wirksanckeü unseres ehrenwerthen Herin Bürgermeisters, wenn auch nur mit wenigen Worten, Erwähnung zu thnn. Herr Sigmund Blau, Kaufmann, ein wissenschaftlich gebildeter Mann, gesinnnngstüchtig und voll religiösen Sinnes, wirkt seit zwei Jahren als Bürgermeister thatkraftig in unserer Gemeinde und lebt und strebt in frommer Hingebung für das Wohl derselben. Herr Blau, der das Zutrauen Aller genießt, hat bisher allen unfern Erwartungen von seiner Amtstüchtigkeit aus das Glänzendste entsprochen, uud zeigt sich durch sein reges Schaffen und Wirken in allen Zweigen der hiesigen Gemeinde-Verhältnisse des ihm geschenkten Zutrauens würdig; so daß er sich der Hochachtung und Liebe, nicht nur der hiesigen Gemeinde, sondern auch der hohen k. k. Behörden, in hohem Grade erfreut. Nikolsburg verdankt ihm so manche treffliche Einrichtung, und ist namentlich die damalige Besetzung des hiesigen Rabbinerstuhls ein Werk seiner energischen Thatkrasl. -- Herr Blau sicht jetzt rm rüstigsten Mannesalter; möge eS dem Allgütigeu gefallen, ihn lange, lange an der Spitze unserer Gemeinde zu lassen, dann können wir getrost der Zukunft entgegen scheru kidL' 'n;>vr-n O'w / Asthan Gläser, Nabb.-Kandidat. Frankreich. Paris, 13. August. (Privatmittheilung.) Seine Majestät, der Kaiser, hat unfern Glaubensgenossen Llr. keroire zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt. Ein Stadttheil hat den Namen Koulvvsrck fervir« erhalten. ' Paris. (Pariser Briefe an einen Freund.) Hl. Ich sänge mit dem Wichtigsten, der Erziehung der Jugend, hier an. Wahrlich, da sieht'L schlimm aus! auch nicht eine einzige größere Schule, wenn man nicht diejenige abrechnet, die künftige Nabbinen zu bilden bestimmt ist, in der man viel mehr, alnothdürstig Hebräisch-Lesen unterrichtet. Hyd wie viele jüdische Institute sind hier, die über 160 jüdischeZöglinge zählen, die 12 Stunden der englischen, 10 Stunden der deutschen Sprache widmen und nur 2, höchstens 3 Stunden für den hebräischen Sprachunterricht erübrigen können. Wo sollen da die Juden Herkommen, wo da Liebe und Begeisterung für das Judenthum erweckt werden, wenn man nichteinmal das Heiligste einer Nation, ihre Sprache zu erhalten sucht. Ist es nicht Sünde und Schande, wenn jüdische Knaben, die schon 5 und 6 Jahre in jüdischen Instituten herumfahren,, sich ihre Barmizwa- Berachah in französischen Lettern diktiren lassen , damit sie sie auswendig lernen können? Aber aus welchem Grunde, fragst du, schicken denn die Eltern ihre Kinder in jüdische Anstalten? Aus welchem Grunde? damit sie dasjenige, was sie Jüdisches von Hause mitgebracht haben, vergessen oder, was noch schlimmer ist, verspottet und verhöhnt sehen, damit sie alsbald nach ihrem Eintritte bemerken können, wie der jüdische Direktor an einem Freitagabende das Licht so schön ausblasen kann, und sich doch de» Mund nicht verbrennt, und wie man so gut Milch» und Fleischspeisen auf einerlei Geschirrs mit einerlei Gerüche essen kann, ohne gerade daran ersticken z» müssen; und die großen und kleinen Herrn Nabbiue« wissen es und das Oonsistoire ventrale und vorn-' munLle kennt es, aber Alles schweigt. — Keiner sorgt dafür, daß in diesen jüdischen Instituten etwas